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Meine Stadt Hannover: Fünfte Klassen wachsen, zu viele Schüler
Hannover Meine Stadt Hannover: Fünfte Klassen wachsen, zu viele Schüler
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09:41 01.08.2017
Vollere Klassen: Die Gymnasien kommen gut an – deshalb erhöhen einige Schulen die Klassenkapazitäten.  Quelle: Foto: dpa
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Hannover

 Hannovers Gymnasien werden voller. Immer mehr Fünftklässler wollen nach der Grundschule auf diese Schulform wechseln. Um einen Ausgleich zu schaffen, haben sich die Schulleiter von zehn der insgesamt 16 Gymnasien im Stadtgebiet zu Beginn des am Donnerstag beginnenden neuen Schuljahres zu folgendem drastischen Schritt entschieden: Nach Absprache mit der Landesschulbehörde wird die maximale Klassenstärke von aktuell 30 auf dann 32 Schüler erhöht. Eine Klassengröße, die beispielsweise an den privaten Waldorfschulen Standard ist. Dennoch sind große Klassen unter Eltern noch immer verpönt.

Vor zwei Jahren hatte das niedersächsische Kultusministerium die umstrittene Schullaufbahnempfehlung abgeschafft. Dieser Anhang zum Zeugnis nach der vierten Klasse bewertete bis dahin, ob ein Kind sich für die Hauptschule, die Realschule oder doch das Gymnasium eigne. Seitdem gibt es zwei Beratungsgespräche mit den Eltern. Ziel dieser Maßnahme ist es, Kinder nicht zu früh auszusortieren – es geht um „ein möglichst langes Offenhalten des Bildungsweges“, heißt es bei der Landesschulbehörde. Der Andrang von Fünftklässlern an Hannovers Gymnasien ist seitdem enorm.

Jeder zweite Fünftklässler wird demnach an einem Gymnasium angemeldet. Auch die Südstädter Bismarckschule hat ab Donnerstag vier neue fünfte Klassen mit je 32 Schülern. Im Vorjahr war der fünfte Jahrgang des renommierten Gymnasiums noch fünfzügig mit zum Teil nur 29 Kindern pro Klasse. Die Mutter eines künftigen Sechstklässlers zur NP: „Es macht keinen Unterschied, ob es 29 oder 32 Schüler in einer Klasse sind. Das ist generell eine sehr hohe Zahl. Ideal wären deutlich kleinere Klassen mit höchstens 20 Schülern. Aber das ist leider unrealistisch, weil es zu teuer wäre.“

Gymnasiallehrer an Grundschulen geschickt

Für etliche Gymnasiallehrer endete der Sommerurlaub mit einer Überraschung: Sie sind vom Kultusministerium befristet an eine Grundschule abgeordnet worden. Eine Notmaßnahme, um dort herrschende Engpässe zu überbrücken.

Freiwillig ist ein solcher befristeter Schulformwechsel seit Anfang 2016 möglich, aber offenbar nicht sehr beliebt. Daher nun die Zwangsabordnungen. Einige der Betroffenen haben nach Auskunft des Philologenverbands erst nach Ihrem Urlaub eine E-Mail mit der Abordnung vorgefunden und sind vor allem auch über diese kurzfristige Information sauer.

Der Verband befürchtet darüber hinaus eine Verstärkung des Lehrermangels an Gymnasien. Das kritisiert auch der Verband der Elternräte der Gymnasien: Im vergangenen Schuljahr seien dort im Mittel höchstens 97 Prozent der ausgewiesenen Unterrichtsstunden erteilt worden, so Verbandschef Hartwig Jeschke: „Deshalb fällt an Gymnasien massiv Un­terricht aus.“

Die GEW hält dagegen Abordnungen für ein probates Mittel, um den Engpass kurzfristig zu überbrücken, zumal die Situation an den Gymnasien weitaus weniger angespannt sei. Grund des Lehrermangels sei die Pensionierungswelle, die aber in zwei Jahren abgeebbt sei, so GEW-Landeschef Eberhard Brandt: „Derzeit bleibt nichts anderes übrig, als Gymnasiallehrer an allen Schulformen einzusetzen.“ In Bayern sei der Chef des dortigen Philologenverbands sogar „stolz“ auf einen entsprechenden Einsatz gewesen.

Das Problem sei absehbar gewesen. Schon 2009 habe die GEW in einem Gutachten die Entwicklung prog­nostiziert. „Da hat die Po­litik gepennt, egal, welche Farbe im Wissenschaftsministerium am Ruder war“, so Brandt.

Von Britta Lüers und Andreas Krasselt

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