Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Hannover: Friseur verlangt von Kunden Ausfallgebühren
Hannover Meine Stadt Hannover: Friseur verlangt von Kunden Ausfallgebühren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:22 30.03.2018
SAUER: Friseur Dirk Klose erwartet auch von seinen Kunden rücksichtsvolles Benehmen. Wer seinen Termin nicht absagt, soll zahlen. Quelle: Fotos: Heusel
Anzeige
HANNOVER

 Eine neue Unsitte greift offenbar um sich: Immer öfter werden Termine bei Dienstleistern vereinbart – und nicht eingehalten. Ohne abzusagen, versteht sich. Friseurmeister Dirk Klose hat jetzt die Reißleine gezogen. Er verlangt in solchen Fällen eine Art Ausfallgebühr.

„Wer seinen Termin nicht absagt und wegbleibt, muss den vollen Betrag zahlen“, ließ er die Kunden über seine Facebookseite wissen. Eine Praxis, die im Gesundheitswesen etwa bei einigen Ärzten und Zahnmedizinern, vor allem auch bei Physiotherapeuten und Psychologen nicht ungewöhnlich ist. Bei Friseuren eher schon.

„Es passiert aber mindestens dreimal die Woche, dass ein Kunde mit Termin nicht kommt“, sagt Klose. „Das geht mir tierisch auf die Nerven. Besonders ärgert es mich, wenn ich gerade jemanden ohne Termin nach Hause schicken musste.“

Termine sind bei Klose in seinem Salon „Hair und mehr“ ohnehin Mangelware. „Die nächsten freien sind erst im Mai“, sagt er. Sein Salon in der Nähe des Aegis ist auch ein sehr spezieller, ganz im Stil der 50er Jahre eingerichtet. „Sogar die Musik ist entsprechend.“

Problem der Rechtsverbindlichkeit

Ob seine Ausfallgebühr rechtswirksam ist, könnte nach Ansicht der Verbraucherzentrale Niedersachsen (VZN) fraglich sein. Schließlich hat er bei einer telefonischen Terminreservierung nicht unbedingt einen rechtsverbindlichen Vertrag geschlossen, wie ihn sich etwa Therapeuten in Form einer entsprechenden Vereinbarung von ihren Patienten unterzeichnen lassen. „Ich kann den Ärger gut nachempfinden“, sagt VZN-Rechtsexpertin Kerstin Körber. „Es gehört einfach zum guten Ton, abzusagen.“ Aber bei einer telefonischen Terminvereinbarung sei es problematisch, die Rechtsverbindlichkeit herzustellen. „Auf jeden Fall muss der Kunde Kenntnis von einer solchen Regelung haben.“ Ob dazu eine mündliche Auskunft per Telefon reiche, könnte fraglich sein. Hinzu kommt ein ganz praktisches Problem: „Ich könnte ja einfach einen falschen Namen angeben“, so Körber. „Wie will er mich dann erreichen?“

Innungsgeschäftsführer Stefan Golletz glaubt zwar an die Verbindlichkeit telefonischer Absprachen, hält die Ansprüche jedoch für schwer durchsetzbar. “Welches Honorar kann denn dann in Rechnung gestellt werden?“ Schließlich werde bei der Terminvergabe nicht immer gleich die Art der Leistung verabredet. „Es ist aber generell das gesellschaftliche Problem des zunehmenden Egoismus“, so Golletz. „Ich kann den Ärger gut verstehen. Jeder Ausfall kostet Geld, und jeder muss seine Brötchen verdienen.“

Vielleicht aber könnte Klose mit seiner Aktion auch eine Lawine auslösen. Denn der Unmut über nichteingehaltene Termine ohne Absage wächst auch in anderen Branchen, etwa im Gastrobereich (siehe rechts). Und wie reagieren die Kunden? Einer habe seinen Termin schon abgesagt, was ein gutes Zeichen sei, findet Klose: „Es funktioniert.“

Klagen auch aus der Gastronomie

Reservierungen nicht einhalten ohne abzusagen – davon kann auch die Gastronomie ein Lied singen. Nach NP-Informationen diskutieren Wirte bereits seit längerer Zeit, ob sie in solchen Fällen nicht eine Strafgebühr kassieren sollten. Doch die Gefahr, auf diese Weise Gäste zu verprellen, erscheint zu hoch. Aber so, wie Unsitten die Angewohnheit haben, sich zu verbreiten, könnte auch die Akzeptanz für Gegenmaßnahmen wachsen.

„Es ist ein großes Problem“, bestätigt Rainer Balke, Hauptgeschäftsführer der Dehoga Niedersachsen. „Gerade in Zeiten, in denen es brennt, reservieren manche Leute gleich in mehreren Lokalen, suchen sich dann das beste aus, ohne den anderen abzusagen.“ Aber Schadenersatz zu verlangen, sei problematisch. „Da wird es bei einer telefonischen Absprache keinen Rechtsanspruch geben.“ Denn auch bei Reservierung sei ja kein Gast gezwungen, mehr als ein Mineralwasser zu sich zu nehmen.

Man könnte zwar prinzipiell auf Vertragsabschlüsse per Internet setzen, bei denen entsprechende Geschäftsbedingungen akzeptiert werden müssten. „Aber welcher Gast macht das mit?“, fragt Balke. „Da wäre es ja einfacher, sich etwas bringen zu lassen.“ Eine Patentlösung für das Problem gebe es nicht.

Von Andreas Krasselt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Polizei wird künftig Messer-Attacken in einer gesonderten Statistik erfassen. Das kündigte am Dienstag eine Sprecherin des Niedersächsischen Innenministeriums an.

27.03.2018

Die Polizei hat erneut einen 17-Jährigen im Zusammenhang mit den Raubüberfällen am Sahlkamp festgenommen. Nur drei Tage nach seiner ersten Festnahme am 16. März soll er wieder an einem Überfall beteiligt gewesen sein.

27.03.2018

Fördertöpfe helfen Neueinsteigern. Das Geld vom städtischen Kulturbüro gibt es unbürokratisch und schnell.

27.03.2018
Anzeige