Navigation:

Die sechs Monate alte Angela Merkel Ade und ihre Mutter Ophelya Ade (26) stehen vor der Flüchtlingsunterkunft Oststadtkrankenhaus in Hannover. Ophelya Ade, ein Flüchtling aus Ghana, hat ihre Tochter nach der Bundeskanzlerin benannt, weil Merkel eine tolle Frau sei.© dpa

Schicksal

Hannover: Flüchtlingskind heißt Angela Merkel

Das Flüchtlingsproblem stellt viele Kommunen vor eine arge Belastungsprobe. Viele der Asylbewerber sind sich dessen bewusst. Mitunter überrascht ihre Dankbarkeit - wie im Fall von Angela Merkel.

Hannover. Angela Merkel wohnt in Hannovers Podbielskistraße. Neugierig schaut sie vom Arm ihrer Mutter in die Runde. Angela Merkel Adé - so ihr offizieller Name - lebt seit ihrer Geburt am 2. Februar zusammen mit rund 730 anderen Flüchtlingen in Hannovers ehemaligem Oststadtkrankenhaus.

Rosa Ringelsöckchen, goldener Ohrstecker, Strahlelächeln: Mit der Kanzlerin hat diese Angela Merkel nicht mal die Hautfarbe gemein. Ihre Mutter Ophelya stammt aus Berekum Mpatase, einem kleinen Ort unweit der ghanaischen Hauptstadt Accra. Aus Dankbarkeit gegenüber der deutschen Bundeskanzlerin hat die afrikanische Asylbewerberin ihrem Kind den Vornamen Angela Merkel gegeben. "Sie ist eine sehr gute Frau, mir gefällt sie", begründete die 26-jährige Ophelya Adé am Donnerstag die Namenswahl für ihren süßen Fratz mit den Wuschellocken.

Beim Standesamt habe es zwar Stirnrunzeln, aber keine Einwände gegeben, erzählt sie. Ihr Baby ist auch ein Symbol der Hoffnung auf dem Weg raus aus dem Elend. Denn über den Vater des Kindes gab es für Angela Merkel die erhoffte deutsche Staatsbürgerschaft, wie der Heimleiter berichtet. Die sichert auch der Mutter das Aufenthaltsrecht in Deutschland.

Ophelya Adés neues Zuhause liegt in Hannovers Oststadt. Das dort im Vorjahr stillgelegte Krankenhaus soll einem Wohngebiet Platz machen. Doch vor 2018, so Bezirksbürgermeister Henning Hoffmann, dürfte das nun als Flüchtlingsheim genutzte Gebäude kaum abgerissen werden. "Für die Stadt war es ein absoluter Glücksfall", sagt er. Denn in die Infrastruktur musste nur relativ wenig investiert werden. Hinzu kommt eine ungewöhnlich hohe Spendenbereitschaft der Bevölkerung. "Wir brauchen vorerst keine Spenden mehr, die Lager sind voll", sagte Nadine Heese vom Deutschen Roten Kreuz (DRK).

Auf den Linoleumfluren herrscht babylonisches Sprachgewirr - auch wenn viele der Bewohner bereits gute Deutschkenntnisse haben. 720 Flüchtlinge aus 33 Nationen sind hier untergebracht - aus Syrien, dem Irak, dem Sudan oder Afghanistan. Einige sind traumatisiert und haben alles verloren, sie sind dringend auf Hilfe angewiesen. Der 27-jährige Bill aus Liberia etwa, der noch immer verängstigt wirkt und seinen Nachnamen nicht nennen mag. Warum er geflohen ist? "Deshalb", sagt er und zeigt auf eine vernarbte Stichwunde an der Schulter. Nach Todesdrohungen gegen ihn floh er am 12. Mai 2014 über Mali, Algerien und Libyen nach Italien. "Ich bin Deutschland so unendlich dankbar für die Aufnahme", sagt er.

Zwischen den unterschiedlichen Nationalitäten müssen immer wieder Brücken gebaut werden, um Spannungen zu vermeiden. "Sie halten sich aber sehr in Grenzen", sagt Marion Misfeld von der Polizeiinspektion Ost, "wir haben hier keine großen Problemfälle." Seit sich auch Prominente wie Filmstar Til Schweiger für die Flüchtlinge in Deutschland einsetzen, ist die Debatte um die Art der Unterkünfte intensiver geworden. Freizeitangebote, wie sie Schweiger in seinem angedachten "Vorzeige-Flüchtlingsheim" vorschweben, gibt es hier allerdings schon. Die vorhandene Infrastruktur lässt viel Freiraum für kreative Freizeitaktivitäten - vom Heimchor bis zum Kickern. "Im A- und B-Trakt sind die Männer untergebracht, im C-Trakt mit den geräumigen ehemaligen Privatpatienten-Zimmern die Familien, und im D-Trakt haben wir die Mischzone", sagt Guram Alibegashvili, der beim Deutschen Roten Kreuz die Sozialarbeit in den Flüchtlingswohnheimen leitet.

Angela Merkel wohnt im C-Trakt - und schaut mit großen Kulleraugen in die Welt, während ihre sechsjährige Schwester Josephine im Kindergarten schon spielend Deutsch lernt. dpa


Anzeige
Bildergalerien Alle Galerien
Die Bahn verspricht, pünktlicher zu werden - schafft sie das?

City Click

"Märchenhafte Stimmung über dem Tiergarten" - so betitelte NP-Leserin Catharina Cordes ihr Foto. In der Tat: Ein märchenhaftes Bild.

zur Galerie

Schicken Sie uns Ihren City Click!

Haben Sie ein tolles Motiv fotografiert? Die Redaktion wählt mehrmals pro Woche die schönsten Leserfotos aus und veröffentlicht sie in der City Click Galerie.

Hannover in Zahlen

  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
  • Wirtschaft: Firmendatenbanken
  • int. Flughafenkürzel: HAJ
  • Stadtverwaltung: Trammplatz 2
     30159 Hannover
     Telefon: 0511 168-0
  • Oberbürgermeister: Stefan Schostok