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Meine Stadt Hannover: Flüchtling soll 700 Euro für Zimmer bezahlen
Hannover Meine Stadt Hannover: Flüchtling soll 700 Euro für Zimmer bezahlen
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00:17 02.02.2018
MIESE MASCHE: Tarek Z. (links) und Serdar H. (mit Verteidiger Dirk Harz) auf der Anklagebank im Amtsgericht. Quelle: Schaarschmidt
Hannover

Ein 6,25 Quadratmeter großes Zimmer für 700 Euro Warmmiete – für Monika Pisnki war das Urteil ziemlich schnell klar. Die Richterin am Amtsgericht Hannover sah darin einen eindeutigen Wucher. Schließlich dürfte ein solch kleines Zimmer nach dem Mietpreisspiegel von 2017 maximal 48 Euro kosten. Vermietet wurde ein solches Mini-Zimmer im November 2016 von Marcel R. (42), Serdar H., (41) und Tarek Z. (40) an einen syrischen Flüchtling (22).

Serdar H. – bislang nicht vorbestraft – wurde zu einer Geldstrafe von 1600 Euro verurteilt. Tarek Z., in dessen Akte sich bereits 19 Vorstrafen finden, bekam sechs Monate auf Bewährung und 300 Sozialstunden aufgebrummt. Gegen Marcel R. wurde gestern noch ein Haftbefehl erlassen – weil er nicht zur Verhandlung gekommen war.   

Am 9. November 2016 sollen die drei Angeklagten dem Opfer, das sie zuvor zufällig am Hauptbahnhof Hannover kennen gelernt hatten, im Naturfreundehaus Misburg einen Mietvertrag zum Unterschreiben vorgelegt haben. Marcel H. hat die Unterkunft von den Naturfreunden gepachtet. Er habe den Vertrag in deutscher Sprache nicht verstanden – und auch das Zimmer habe er zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesehen, so das Opfer vor Gericht. Die Angeklagten hätten ihm erzählt, dass es bei dem Dokument darum gehe, dass Probleme mit der Polizei vermieden würden. Nachdem das Opfer unterschrieben, die Provision von 400 Euro überreicht und sich wenige Stunden in dem kalten Raum ohne Licht aufgehalten hatte,  fuhr er zurück nach Zeven. Der Syrer, der in Hannover zur Schule und arbeiten gehen wollte,  erstattete Anzeige.

Tarek Z. beteuert, dass niemand das Opfer zur Unterschrift gezwungen habe. Der Vertrag sei ins Arabische übersetzt worden, der Syrer mit allem einverstanden gewesen. Auf die Frage der Richterin, ob er denn einen so hohen Preis angemessen findet, sagt der Angeklagte: „Ja, jeder kann ja selber entscheiden, ob er das macht oder nicht. Außerdem liegt das Zimmer ja in guter Natur.“ Das Opfer hätte aus seiner Sicht doch nur zum Jobcenter gehen müssen. „Das hätte die Miete dann bezahlt.“

Sein Schwager Serdar H. beteuerte, dass er als Vermittler für Wohnungen in Uelzen tätig gewesen sei und das auch beim Finanzamt so angemeldet habe. Die Echtheit seiner vorgelegten Unterlagen bezweifelte die Richterin allerdings – und auch die Staatsanwaltschaft wird sich das noch einmal gesondert ansehen. In Richtung von Serdar H. ergänzte sie deshalb: „Ich denke, wir werden uns noch öfter vor Gericht sehen.“

Die Richterin folgte in ihrem Urteil der Forderung der Anklage, sah den vorgeworfenen Tathergang als erwiesen an. „Den Angeklagten war es komplett egal, was nach dem Vertrag ist, sie wollten nur ihre Provision haben und haben die Situation des Opfers ausgenutzt.“, sagte sie zur Urteilsbegründung.

von Cecelia Spohn

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