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Meine Stadt Hannover: Film wirbt für Herzklappenspende
Hannover Meine Stadt Hannover: Film wirbt für Herzklappenspende
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17:52 09.10.2018
ZEIGEN HERZ: DGFG-Chef Martin Börgel, 96-Keeper Philipp Tschauner und Prof. Samir Sarikouch präsentierten den Aufklärungsfilm. Quelle: Foto: Petrow
Hannover

Ein Film, der zu Herzen gehen soll. Buchstäblich. Zu Beginn hört man das Schlagen eines Herzens, erst langsam, dann schneller. Im selben Rhythmus wechselt sich eine schwarze Blende mit Bildern eines lachenden Kindes mit seiner Mutter ab. Die Frau ist Signe Lenz-Somdalen, eine Herzpatientin. Das Kind ihre zweitgeborene Tochter, die ohne eine gespendete Herzklappe für ihre Mutter vermutlich nie zur Welt gekommen wäre.

In knapp sieben Minuten wirbt der Videoclip mit zwei Patientenschicksalen für die Bereitschaft zur postmortalen Gewebespende. Auch in der Hoffnung, dass hier die Schwelle für eine Zustimmung niedriger sein könnte. Denn ohne Spenderausweis, der übrigens ausdrücklich nicht nur für Organe, sondern auch für Gewebe gilt, entscheiden im Zweifelsfall die Angehörigen. Und während die Spende von Hornhaut Verstorbener längst klinischer Alltag ist, bleibt die Bereitschaft bei tiefergehenden Entnahmen doch zurückhaltender.

Zu wenig Spender

Schätzungsweise 500 Menschen warten laut der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) jährlich auf eine Herzklappe aus der Gewebespende. Vor allem jüngere Patienten profitieren von dem menschlichen Ersatzteil, da künstliche oder tierische Herzklappen vom Körper oft abgestoßen werden und auch eine nur begrenzte Haltbarkeit haben. „Für einen jungen Menschen, der sich eine berufliche Existenz aufbaut und eine Familie gründen will, eine schlechte Voraussetzung, wenn er alle zwei Jahre operiert werden muss“, sagt DGFG-Geschäftsführer Martin Börgel. Doch nur 58 gespendete Herzklappen konnte die gemeinnützige Gesellschaft mit Sitz in Hannover, die größte ihrer Art in Deutschland, im vergangenen Jahr vermitteln.

MHH entwickelt Spezialverfahren

Ihren großen Vorteil gegenüber den künstlichen und tierischen Produkten verdanken die menschlichen Herzklappen einem speziellen Verfahren, das an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) entwickelt worden war. Dabei werden die Spenderklappen komplett von den Spenderzellen befreit. Zurück bleibe im wesentlichen Bindegewebe, dass die mechanisch stabile Struktur bilde aber so gut wie keine DNS mehr enthalte, erläuterte Prof. Samir Sarikouch, Oberarzt an der MHH-Transplantationsklinik. So werde die Immunabwehr des Empfängerkörpers umgangen, und es bildeten sich nach der Implantation sogar neue, eigene Zellen. Die Spenderherzklappe werde so quasi zu einem regulären Bestandteil des eigenen Körpers. Sie wächst sogar mit, weshalb insbesondere Kinder auf diese Spenden angewiesen sind.

Signe Lenz-Somdalen war mit einem Loch in der Herzscheidewand auf die Welt gekommen, wodurch sich eine Klappe verformte, wie sie in dem Film erzählt. Ihr Zustand wurde mit der Zeit immer schlechter, insbesondere nach der ersten Schwangerschaft sei es ganz stark bergab gegangen, berichtet sie. Zweimal wurde sie am offenen Herzen operiert. Mit 34 Jahren bekam sie eine zellfreie Herzklappe implantiert. Seitdem kann sie wieder Sport machen – und konnte erneut schwanger werden. „Ich hoffe, dass meine besondere Herzklappe mein ganzes Leben hält, dass es wirklich die Heilung ist“, sagt sie.

Endlich wieder Fußball spielen

Das hofft auch der Australier Dane Lees, der zwar mit einem Herzklappenfehler geboren wurde, dies aber erst mit 16 Jahren auf Grund zunehmender Erschöpfung bemerkte. Zwei Herzoperationen in seinem Heimatland hatte er schon hinter sich, als er vor der geplanten dritten nach einer nachhaltigeren Alternative suchte und auf die MHH stieß. Auch er kann mit der zellfreien gespendeten Herzklappe wieder ein normales Leben führen und auch endlich wieder Fußball spielen. Im Film übrigens gegen 96-Torhüter Philipp Tschauner, der die Aktion tatkräftig unterstützt.

Der Film, der seit Dienstag hier online zu finden ist, „wird vielen zu Herzen gehen“, so Ministerialrat Thomas Horn vom Gesundheitsministerium anlässlich der Vorstellung des Clips. „Er wird aber auch den Verstand, die Köpfe erreichen und die Spendenbereitschaft erhöhen“, hofft er. Um das Vertrauen in das Spendensystem zu stärken, informiert der Film neben den Patientengeschichten auch über das Verfahren. Anders als bei Organspenden kann Gewebe auch noch nach dem Herz-Kreislauf-Tod entnommen werden, eine künstliche Aufrechterhaltung des Kreislaufs ist als nicht erforderlich. Allerdings steht auch dafür nur ein Zeitfenster von 36 Stunden zur Verfügung.

Die Zeit drängt also. Der Film will aufklären und so möglichst viele Menschen motivieren, sich mit dem Thema zumindest zu beschäftigen, und es vor allem auch im Kreis der Angehörigen frühzeitig zu besprechen. „Damit sie wissen, wie derjenige dazu steht“, sagt Signe Lenz-Somdalen gegen Ende des Clips.

Von Andreas Krasselt

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