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Die Göttin der Gerechtigkeit: Justitia

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 © dpa

Justiz

Hannover: Falscher Doktor muss zahlen

Er wäre so gerne „Dr. Dr.“ gewesen. Doch den zweiten Titel hat er gekauft. Deshalb wurde ein Zahnarzt (52) aus Hannover jetzt zum zweiten Mal wegen Titelmissbrauchs im Amtsgericht Hannover verurteilt. Er muss 60 000 Euro zahlen.

hannover.  Dieser Dr.-Titel kommt den Zahnarzt (52) aus Hannover teuer zu stehen. Am Donnerstag wurde der Implantologe zum zweiten Mal wegen Titelmissbrauchs verurteilt. Amtsrichterin Monika Pinski erlegte dem Angeklagten eine Geldstrafe von 60 000 Euro (120 Tagessätze) auf. „Sie sehen sich als Opfer. Aber sie wussten, dass der Gesetzgeber das nicht duldet“, erklärte die Richterin.

Am 9. Februar 2016 wurde die erste Verurteilung wegen Titelmissbrauchs rechtskräftig. Der Zahnarzt hatte bei der Yorkshire-Universität (Virgin Islands) einen Dr.-Titel gekauft. Der 52-Jährige wurde zu 50 000 Euro Geldstrafe verurteilt. Das Verfahren hatte sich über Jahre erstreckt. Dann zog das Oberlandesgericht (OLG) 2016 Celle einen Schlussstrich

Zahnarzt rechnet sein Einkommen klein

„Nach dem Urteil stand der zweite Dr.-Titel noch mindestens einen Monat auf ihrer Homepage“, erklärte die Richterin. Sie zeigte kein Verständnis, dass der Zahnarzt mit dem XXL-Ego den gekauften Titel nicht sofort getilgt hatte.

Laut Anklage hatte der Implantologe auf seiner Homepage einen Link gesetzt. Unter „Qualifikation“ tauchten Urkunden mit dem zweiten, falschen Titel auf. Die findige Antwort des Doktors: „Diese Urkunden bestätigen meine Therapieschwerpunkte, die bis heute gelten.“ Die Patienten würden sich außerdem nicht für einen Titel interessieren.

Wortreich machte er deutlich, dass er bereits wegen Titelmissbrauchs verurteilt sei. Und die Geldstrafe aus dem Strafbefehl (60 000 Euro) sei auch viel zu hoch. Der Zahnarzt legte eine Bescheinigung seines Steuerberaters vor. Daraus geht hervor, dass er in 2016 gerade mal 29 000 Euro verdient habe. Seine Praxis weise eine Unterdeckung von 70 000 Euro auf.

Tagessatzhöhe 500 Euro

In der Berufung habe er das auch schon getan, sagte Richterin Karin Goldmann aus. Sie hatte den Angeklagten 2015 vor dem Landgericht wegen Titelmissbrauchs verurteilt. „Ich habe eigene Berechnungen angestellt und die Tagessatzhöhe auf 500 Euro festgelegt.“ Das OLG bestätigte diese Entscheidung. Der Arzt verfügt wohl über einen großen Immobilienbesitz. Bereits in der Berufungsverhandlung sei der doppelte Dr. auf sein erneutes Fehlverhalten hingewiesen worden, sagte Oberstaatsanwältin Marina Richter. Davon wollte der Zahnarzt nichts wissen. Doch Richterin Goldmann bestätigte die Feststellung der Staatsanwältin.

Der Implantologe ist ein guter Bekannter der hannoverschen Justiz. Eine Patienteninitiative macht mobil gegen Arzt. Vorwürfe: Überteure Therapien und schlechte Leistungen. Ein Anwalt aus Hannover: „Ich habe noch 21 Klagen gegen den Mann auf dem Tisch liegen.“

Von Thomas Nagel


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