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Meine Stadt Hannover: Experten warnen vor Pharma-Keule für Kinder
Hannover Meine Stadt Hannover: Experten warnen vor Pharma-Keule für Kinder
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18:00 21.09.2010
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Fünfter Suchthilfetag: Auf der Tagung referierte auch Dr. Eva Busch vom Winnicott Institut Hannover. Die Kinderpsychotherapeutin zerstörte die Vorstellung, medikamentöses Tuning sei ein idealer Weg: „Es gibt die Illusion, man könne eine Pille einnehmen, und die Dinge würden besser – aber diese Hoffnung erfüllt sich nicht.“

Sozialpädagoge Peter Märtens sekundierte: „Wenn es eine Leistungsteigerung des Gehirns durch Medikament gibt, dann liegt die bei höchstens zehn Prozent – mehr ist nicht drin.“

Busch geht davon aus, dass etwa drei Prozent aller Kinder Aufmerksamkeitsstörungen haben. Sie sprach sich nicht grundsätzlich gegen das vielfach eingesetzte Mittel „Ritalin“ aus, warnte aber davor, Psychopharmaka ohne begleitende Therapie einzunehmen.

Solche Apelle haben vorsorglichen Charakter: Denn verlässliche Zahlen für Neuro-Enhancement gibt es in Deutschland nicht. Serdar Saris, der Geschäftsführer von „Step“, dem größten Jugend- und Suchthilfeträger in Deutschland sagte: „Der Hype bei diesem Thema ist größer, als die Realität: Wir werden nicht gerade mit Fällen überrannt.“ Gleichwohl sei eine Beschäftigung mit dem Thema notwendig, viele Eltern seien verschreckt. Die Fachleute sind sich einig: „Wir wissen nicht genau, wie viele Kinder Ritalin und andere Mittel bekommen. Aber wir gehen davon, dass die Zahlen im einstelligen Prozentbereich liegen.“

Trotzdem ist die Gefährdung durch Pharmakologisches Tuning nicht zu unterschätzen. Und die scheinbare Notwendigkeit dafür auch nicht. Alle sagen: „Wir beobachten, dass der Druck auf Kinder steigt.“

Vor allem in der Schule: nicht wenige, die sich überfordert fühlen, noch mehr, die Konzentrationsstörungen haben. Nach einer Untersuchung der MHH nimmt jeder dritte 11- bis 17-Jährige mindestens einmal in der Woche ein leistungssteigerndes Mittel. Und bedrückender Fakt ist auch: Der Konsum von Kopfschmerzmitteln im Grundschulalter steigt stetig an. Medikamente werden nicht selten vor Klassenarbeiten eingeworfen. Oft aber auch, damit Kinder und Jugendliche überhaupt in der Lage sind, zur Schule gehen zu können.

Dabei gibt es Alternativen zu Medikamenten und Drogen. Eva Busch: „Kinder brauchen vor allem souveräne und selbstbewusste Erwachsene, die zeigen, wie man im Leben zurecht kommt und die verlässliche Beziehungen anbieten.“ Vor diesem Hintergrund, so die Position der Therapeutin, könne man Kindern auch etwas verlangen.

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