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Justiz

Hannover: Ex-Polizist gesteht Fesselsex-Attacke

Er zückte nach dem Sex Dienstwaffe und Handschellen. Sie verstand nicht, was er wollte, und bekam Todesangst. Zwei Jahre nach einem entgleisten nächtlichen Sexhandel treffen ein Ex-Polizist und eine Ex-Prostituierte vor dem Landgericht Hannover aufeinander.

Hannover. Während jener bangen Minuten im Auto hatte sie schon mit ihrem Leben abgeschlossen, sagt sie. Immer wieder fragte sich die damals als Prostituierte tätige 37-Jährige, was der Mann von ihr wollte, der sie im Juni 2014 im Auto einsperrte, ihr seine Dienstwaffe an die Schläfe hielt und sie gewaltsam zu fesseln suchte.

Erst jetzt beim Prozessauftakt habe sie es erfahren: Es ging ihm um Fesselsex. Seit Mittwoch muss sich ein Ex-Verkehrspolizist aus Lehrte vor dem Landgericht Hannover verantworten. Die Anklage lautet unter anderem auf versuchte schwere sexuelle Nötigung.

Der untersetzte 54-Jährige kommt mit Kappe und Sonnenbrille in den Saal, die er erst auf der Anklagebank abnimmt. Gleich zu Beginn lesen seine Anwälte eine geständige Einlassung vor. Der Polizeioberkommissar, der nach dem Vorfall den Dienst quittierte, habe in jener Nacht nach einem dienstfreien Tag "sadomasochistisch geprägten Geschlechtsverkehr" ausprobieren wollen.

Nach dem einvernehmlichen Sex am ehemaligen Güterbahnhof in Hannovers Nordstadt habe er den Wagen verriegelt, die Prostituierte an ihren Haaren zu sich herübergezogen und sich Fesselspiele gewünscht. Er räumt ein, dass er sich damals "böse und wie ein Schwein" verhalten hat.

Allerdings war nach Aussage der Bulgarin schon sein Wunsch nicht angekommen. Was er mit "Sadomaso" meint, fragt sie den Richter Michael Schweigert. Als der es erklärt, dolmetscht die Sprachmittlerin ihre irritierte Reaktion: "Er hätte mir das sagen sollen."

Üblicherweise vereinbare man schon vor dem Einsteigen, worum es geht. Damals geriet sie in Todesangst und schrie um Hilfe. Eine Kollegin und ihr Begleiter eilten herbei und zogen sie aus dem Auto.

Dabei soll Ex-Polizist auch den Begleiter mit seiner Waffe bedroht haben. Was er allerdings bestreitet. Vielmehr habe er die Waffe versehentlich noch auf die Beifahrertür gerichtet gehabt, an welcher der Zeuge dann auftauchte.

Die Anwältin des Opfers sagt vor Gericht, die 37-jährige Mutter von fünf Kindern leide bis heute unter dem Trauma aus jener Nacht. Als die Mandantin gestikuliert, wie der Beschuldigte sie gehalten hat, zittert sie und verkrampft fast völlig. "Nein, ich arbeite nicht mehr", antwortet sie auf Nachfrage, "ich habe Angst und steige nicht mehr in fremde Autos."

Der Angeklagte verfolgte ihren Bericht mit abgewandtem Gesicht. Am Ende stand er auf und sagte: "Mein Handeln war sehr schlimm für Sie. Das ist durch nichts zu entschuldigen. Ich möchte sie trotzdem um Verzeihung bitten." Die Anwälte beider Seiten sagen, dass vor Prozessbeginn 6000 Euro Entschädigungszahlung geflossen sind. Bereits für Freitag ist ein Urteil geplant. Dabei steht laut Richter Schweigert eine grundsätzliche Frage im Raum. Womöglich müsse das Gericht eine vollendete sexuelle Nötigung als Tatbestand erwägen, nicht bloß eine versuchte.

Immerhin könne man überlegen, ob nicht in diesem Fall auch die Fesselung schon Teil der sexuellen Handlung gewesen ist. dpa


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