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Meine Stadt Hannover: Ex-Gundlach-Chef Peter Hansen feiert 80. Geburtstag
Hannover Meine Stadt Hannover: Ex-Gundlach-Chef Peter Hansen feiert 80. Geburtstag
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06:08 14.03.2019
Hannover, Peter Hansen (Gundlach-Seniorchef) wird am Sonnabend 80. Jahre ; (Foto: Christian Behrens) Quelle: Christian Behrens
Hannover

Kein Flanellhemd und keine Lederjacke, statt dessen Anzug und Krawatte – zum 80. Geburtstag, den Peter Hansen am Sonnabend feiert, will er sich „fein machen“. Auf das Ergebnis dürften seine Gäste in der Schlossküche Herrenhausen gespannt sein. Entweder trägt der Mann, der 30 Jahre lang Chef des Wohnungsunternehmens Gundlach war, eine Blume statt eines Einstecktuchs oder irgendwo unterm Hemdkragen blitzt eine selbst angefertigte Kette aus Glasperlen hervor.

Hansen ist kreativ und verspielt. Noch immer. An einer Karriere als „Sesselpupser“ wäre gar nicht zu denken gewesen. Der gebürtige Hamburger hat sich gern immer neuen Aufgaben gestellt. Er war Sportlehrer, Kaufmann, Maurer und Doktor der Betriebswirtschaftslehre, Professor, Unternehmer, Kunstmäzen und jetzt, im Ruhestand, ist er Schmuckdesigner und Mitbetreiber eines Yoga-Studios. Wäre es nach Gerhard Schröder gegangen, käme in der Vita auch noch der Posten Wirtschaftsminister vor. Als den hatte sich der damalige Ministerpräsident 1990 den Gundlach-Chef ausgeguckt. Doch der lehnte ab: „Das hätte nicht zu mir gepasst.“

Vom Maurer zum Boss

Sich selbst treu zu bleiben war Hansen immer wichtiger als die Erwartungen anderer. „Übersatt von Büchern“ machte er nach der Heirat mit Ursula Otto und nach der Promotion im Wohnungsbauunternehmens seines Schwiegervaters eine Maurerlehre. „Ich wollte von der Pike auf lernen, wie die Abläufe funktionieren.“ Als Friedrich Otto starb, rückte Hansen auf den Chefsessel – und verblüffte die Mitarbeiter. Wo Kollegen aus der Wohnungswirtschaft mit Dienstwagen vorfuhren, kam er mit dem Rad an. Vielen galt Hansen damals als Linker, doch schnell erkannten auch sie sein soziales, kulturelles und ökonomisches Engagement.

Vom Wohnungsbauunternehmer zum Schmuckdesigner

Wohnungsbau nicht nur am Markt, sondern an den Menschen orientiert – dieser Ansatz hat dem Unternehmen Gundlach und dessen Chef immer wieder Preise gesichert, unter anderem die Habitat-Auszeichnung der Vereinten Nationen. „Menschengerecht und zukunftsfähig“ seien die Gundlach-Projekte, befand die Jury. Und sie prägten das Gesicht der Stadt.

Gundlach baute das erste autonome Frauenhaus und Fluchtwohnungen für Prostituierte, schuf Wohnraum für Behinderte und Obdachlose. „Um zu erfahren, was ihnen wichtig ist, habe ich mit ihnen eine Nacht im Park verbracht“, erinnert sich Hansen. Den Schlafsack hatte ihm Sohn Lorenz, der heutige Firmenchef, geliehen. Heute noch können beide darüber lachen, dass der Papa sein Lager genau über einem Hundehaufen aufschlug.

Unternehmen mit 128 Jahren Geschichte

Der Sohn führe das Unternehmen gut, findet der Vater. „Völlig anders als ich, aber ich quassle ihm nicht rein.“ Er sei „der Boss gewesen“, Lorenz Hansen und Mitgeschäftsführer Frank Eretge legen Wert auf hierarchiefreiere Arbeit. Noch immer gilt Familie viel in dem Familienunternehmen mit 128 Jahren Geschichte. Dazu gehört, dass Peter Hansen guten Kontakt zu seiner vor Jahrzehnten geschiedenen ersten Frau Ursula hält und die sich wiederum mit der zweiten, Dorothee, versteht. „Doschi“ nennen Mann und Freunde die 66-Jährige. Der Professor, Gründungsmitglied der Bürgerstiftung und der Freundeskreises Hannover, hatte sie bei der Feier zum 750-jährigen Stadtjubiläum kennen- und lieben gelernt.

„Doschi“ weiß, wie Peter Hansen sich in Rage reden kann. Wenn er über seinen Lieblingsstadtteil Roderbruch spricht, wie er eine verwaiste Tiefgarage in Hannovers ersten Kulturtreff hat umbauen lassen und auf eine verkehrsberuhigte Straße ein Café setzte, in dem fünf zuvor arbeitslose Frauen eine neue Perspektive fanden. Und sie weiß, wann sie ihn bremsen muss. Beispielsweise bei der Antwort auf die Frage: „Stellen Sie sich vor, Sie wären Stadtbaurat in Hannover. Was käme an Veränderung?“ „Jede Menge – aber das würde Unruhe stiften“, sagt Peter Hansen. Die Ausführung von Ideen wie mehr Autostrecken unter die Erde legen, eine Wohnungsbau-Sonderförderung für benachteiligte Menschen starten, als Stadt das Ihme-Zentrum kaufen und mit Partnern aus der Immobilienwirtschaft aus dem „schrecklichen Bau“ ein Schmuckstück machen, hebt er sich auf. „Darüber müssen wir mal ganz in Ruhe sprechen.“ Als ob Ruhe jemals denkbar für ihn sei ...

Von Vera König

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