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Meine Stadt Hannovers Herrenhausen als Spiegel europäischer Gartenkunst
Hannover Meine Stadt Hannovers Herrenhausen als Spiegel europäischer Gartenkunst
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16:18 15.03.2019
SYMMETRIE: Die Luftaufnahme zeigt, wie kunstvoll und nach mathematischen Gesichtspunkten der Große Garten in Herrenhausen angelegt ist. Quelle: dpa
Hannover

Die Anlage des Großen Gartens in Herrenhausen ist nicht vom Himmel gefallen. Er war zwar einer der ersten Barockgärten in Deutschland, beruhte jedoch auf einer bereits lang etablierten Tradition in ganz Europa. Ein Netz diverser Inspirationsquellen, das die SonderausstellungHerrenhausen und Europa. Ein Gartennetzwerk“ im Museum Schloss Herrenhausen beleuchten will – ein Highlight des aktuellen Programms des Historischen Museums.

Ein lang gezogener Saal im Westflügel. Die Wände im tiefdunklen Purpur, von dem sich riesige Leuchtbildtafeln mit dominierendem Grün markant abheben. Sie zeigen Beispielgärten, die als Vorbilder für Herrenhausen gedient haben könnten, chronologisch wie auch nach Ländern geordnet.

Am Anfang steht Italien

Den Anfang macht Italien, von wo aus sich während der Renaissance in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts die Gartenkunst ausbreitete. Es folgen Frankreich und die Niederlande, abschließend auch Beispiele aus Deutschland. Alles gipfelt dramaturgisch in der großformatigen Darstellung Herrenhausens an der Stirnseite. Eine Zuspitzung, die Herrenhausen quasi als Kulminationspunkt der europäischen Gartenkunst inszeniert, seinerseits wieder Inspirationsquelle anderer deutscher Gärten wie Charlottenburg.

Das Material der Ausstellung besteht aus historischen Druckgrafiken der Sammlung Haupt, die erst vor wenigen Jahren erschlossen werden konnten und seitdem in Zusammenarbeit mit der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Hildesheim restauriert werden. Ein Teil der Ausstellung widmet sich auch dieser aufwendigen Arbeit.

Das Material der Ausstellung besteht aus historischen Druckgrafiken, die der Sammler und Architekturprofessor Karl Albrecht Haupt (1852 - 1932) kurz vor seinem Tod der Technischen Hochschule vermachte. Die 6800 Gartengrafiken machen nur einen Teil dieser Sammlung aus. Haupt hat auch eigene Zeichnungen angefertigt, von denen einige im Eingangsbereich der Schau gezeigt werden.

Die Ausstellung ist ab Sonntag, dem 17. März, geöffnet und dauert bis zum 12. Januar 2020. Sie ist während der Öffnungszeiten des Museums Schloss Herrenhausen zu besichtigen: vom 1. April bis 31. Oktober täglich von 11 bis 18 Uhr, vom 1. November bis Ende März nur Donnerstags bis Sonntags von 11 bis 16 Uhr. Kuratorenführungen gibt es an jedem ersten Sonntag im Monat jeweils ab 11.30.

Nicht nur für Fachleute

Vor allem aber geht es um Gartenkunst und die Wege ihrer Verbreitung in Europa. „Wir wollten zeigen, warum Herrenhausen so aussieht, wie es aussieht“, erklärte Kurator Andreas Urban bei der Vorstellung der Schau am Freitag. Was aber mit den vorhandenen Materialien eine Herausforderung ist. „Druckgrafiken setzen voraus, dass sich der Betrachter auf Details einlässt. Man muss ganz genau gucken. Wie kriegt man es aber hin, dass das nicht nur für Fachleute interessant ist?“ umreißt er das Grundproblem. Die Lösung ist so einfach wie geschickt: Die wandfüllend vergrößerten Exemplare lassen jeweils als Blickfang den Betrachter tief eintauchen in die dargestellte Bilderwelt.

Museum Schloss Herrenhausen zeigt die Ausstellung „Herrenhausen und Europa. Ein Gartennetzwerk.“

So kann man sich einlassen auf eine Suchexpedition nach Ähnlichkeiten und Unterschieden. Als Führer dienen dabei die erklärenden Infotafeln, vor allem aber die Tische auf der Mittelachse des lang gezogenen Raums, die neben historischen Erläuterungen auch mit zeitgenössischen Zitaten etwa der Herzogin Sophie von Hannover den jeweiligen Bezug zu Herrenhausen herstellen sollen. „Man hat nicht irgendwas erfunden“, so Urban, „sondern sehr genau geguckt, was es in Italien und Frankreich schon gab.“

Der Garten und seine Herzogin

Der Herzogin kommt für den Bau des Großen Gartens ohnehin eine kaum zu überschätzende Bedeutung zu. Durch ihre Reisen nach Italien und Frankreich, verbunden mit Besuchen in den berühmtesten Gärten dieser Länder, auch durch ihren Geburtsort Den Haag mit den niederländischen Gärten vertraut, waren ihr all die Elemente der europäischen Gartenkultur vertraut, die in Herrenhausen nun zur Anwendung kamen.

Barockgärten dienten der Repräsentation herrschaftlicher Macht, was insbesondere im Versailles Ludwig XIV. zum Ausdruck kam, der den Absolutismus in Frankreich zur Blüte brachte. Dort wurde die veränderte Landschaft zum Ort der Machtdemonstration, das zentrale Schloss zum Zeichen der Zentralisierung der Königsmacht. Was Herzogin Sophie im Übrigen schon ein wenig zu viel des Guten war. Vielleicht auch ein Grund dafür, dass in Herrenhausen das Schloss im Verhältnis zum Garten deutlich bescheidener proportioniert ist.

Ähnlichkeiten und Unterschiede

Aus Italien stamme das Prinzip der Symmetrie, erläuterte Urban weiter. Auch die Wasserspiele wurden dort kreiert. Doch was als Kaskaden in den oft an Hügeln angelegten Gärten in Florenz und Rom ein natürlicher Wasserlauf war, musste in Hannover künstlich erzeugt werden. Weitere italienische Elemente sind die Grotte oder auch der Anbau von Zitrusfrüchten.

Aus Frankreich aber kam die Zentrierung auf das Schloss, dessen Mittelachse in die Zentralachse des Gartens übergeht. Weitere Elemente sind die spiegelnden Wasserbecken und die vielen Skulpturen. Auch die Nutzung als Freilichtbühne kommt aus Versailles.

Doch anders als die mediterranen Gärten ist Herrenhausen analog zu den niederländischen Vorbildern durch Grachten abgeschlossen. Auch die Anzucht von Nutzpflanzen wie Obst und Gemüse für die Hofküche wurde aus den Niederlanden übernommen, ebenso das Pflanzen von Blumen.

Die Ausstellung präsentiert Herrenhausen als gesamteuropäisches Gartenkunstwerk, was hervorragend zur Bewerbung Hannovers als Kulturhauptstadt Europas passt, wie sowohl Thomas Schwark, Leiter des Historischen Museums, als auch Hannovers Stadträtin Konstanze Beckedorf bei der Vorstellung betonten. Zu der Ausstellung ist ein 160 Seiten starkes Begleitbuch mit vielen Abbildungen erschienen. Preis: 15 Euro.

Von Andreas Krasselt

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