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Meine Stadt Radschnellweg in Eilenriede: Erste Detailplanung kritisiert
Hannover Meine Stadt Radschnellweg in Eilenriede: Erste Detailplanung kritisiert
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00:22 20.04.2018
VORFAHRT FÜR DAS RAD? Die Planungen für einen Radschnellweg stoßen in Naturbereichen auf Bedenken von Naturschützern. Quelle: Foto: Dorndorf
HANNOVER

 Der geplante Radschnellweg nimmt langsam Fahrt auf. Erste Planungsdetails zumindest über die den Stadtwald berührenden Teilstrecken wurden am Montag dem Eilenriedebeirat als erstem Gremium vorgestellt.

Dabei geht es um den ersten Bauabschnitt von 6,7 Kilometern Länge, der an der Berliner Allee, Höhe Kestnerstraße beginnen soll und bis zum Eisteichweg in Anderten ein zügiges Durchkommen mit dem Fahrrad ermöglichen soll. Errichtet werden soll er zu 98 Prozent auf bestehenden Radwegen, so Kai Kaminski vom Tiefbauamt.

Geplant seien insgesamt 55 Einzelmaßnahmen, darunter nur in zwei Abschnitten ein kompletter Neubau. In elf Abschnitten sei ein Grunderneuerung nötig, in zehn eine Deckenerneuerung, in 13 Abschnitten würde eine Fahrbahnmarkierung ausreichen.

Im Idealfall hätte ein solcher Radschnellweg eine Breite von mindestens vier Metern, daneben ein Gehweg von mindestens 2,50 Metern Breite, vielleicht noch getrennt durch einen kleinen Grünstreifen. Doch eine solche Lösung ist im dicht besiedelten innerstädtischen Gebiet kaum überall umzusetzen, und in den anderen Gebieten kollidiert die Planung mit Interessen des Naturschutzes. Weswegen etwa die Gespräche über eine Verlängerung nach Garbsen derzeit auf Eis liegen. Die beabsichtigte Weiterführung von Anderten nach Lehrte ist ebenfalls fraglich, da Lehrte andere Prioritäten zu haben scheint und sich quer stellt.

Doch zunächst geht es eben auch nur um den ersten Abschnitt, mit dessen Bau theoretisch im kommenden Jahr begonnen werden könnte – wenn bis dahin alle planungstechnischen Hürden genommen sein sollten. Eine davon ist die landschaftsplanerische Begleitplanung durch das Büro BPR Künne & Partner.

Die sind seit etwa sechs Wochen dabei, die betroffenen Biotope zu kartieren, zu untersuchen, inwieweit das Projekt Fledermäuse, Brutvögel oder Zauneidechsen beeinträchtigen könnte. Oder die für Amphibien wichtigen Feuchtflächen gefährdet.

Die erste Problemstrecke in dem für den Eilenriedebeirat relevanten Bereich, ist der kleine Weg zwischen Clausewitz- und Kleestraße (Kleefeld), 300 Meter lang und derzeit drei Meter breit, parallel zum Bahndamm. Klar, dass hier die Idealmaße für einen Radschnellweg illusorisch sind. Doch wollen die Planer den Weg auf fünf Meter verbreitern, zwei Meter davon sollen auf den Gehweg entfallen. Die zusätzliche Breite aber soll nicht vom Waldrand genommen werden sondern vom Bahndamm.

Doch auch das stieß im Beirat auf Kritik. Landschaftsarchitekt Dietmar Drangmeister etwa wies auf den Zusammenhang zwischen der naturnah bewachsenen Bahnböschung und der Waldvegetation insbesondere östlich der Schnellwegbrücke hin, der durch eine Wegverbreiterung gestört würde. Zumal er bezweifelte, dass es bei den fünf Metern bleiben würde. Schließlich müsste der bislang an der Böschung verlaufende Entwässerungsgraben dann vermutlich ebenfalls verlegt werden und auf der Waldseite zusätzlich Platz benötigen.

Weniger Probleme dürfte der Streckenverlauf durch den Löns-Park machen. Dort können die Planer auf einen gut einen Kilometer langen, 3,75 Meter breiten Radweg parallel zum Bahndamm zurückgreifen, auf dem wohl nur Markierung angebracht werden müssten. Doch an dessen östlichen Ende wird auf 180 Metern ein Neubau erforderlich – in einem Gebiet, das laut Georg Wilhelm vom BUND zumindest früher einmal eine ausgeprägt artenreiche Feuchtbrache war. Wilhelm wollte daher wissen, ob bei der Biotop-Kartierung auch gefährdete Pflanzen erfasst würden, was BPR-Ingenieur Thomas Pfeiffer bestätigte.

Obwohl eine Stärkung des Radverkehrs durch einen Radschnellweg als klimaschonend auch im Sinne des Naturschutzes zu begrüßen wäre, blieb man im Eilenriedbeirat gegenüber dem Projekt eher skeptisch. „Es ist bedauerlich, wie ökologische Positionen aufgeweicht werden“, kritisierte der Vorsitzende Gerd Garnatz insbesondere die damit verbundene weitere Wegeversiegelung. Er sähe zwar die Sachzwänge, es sei aber auch sehr schade. „Für den Wald ist es nicht gut.“

Von Andreas Krasselt

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