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Meine Stadt Hannover: Ermittlungen bei Doppelkorn
Hannover Meine Stadt Hannover: Ermittlungen bei Doppelkorn
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08:08 02.08.2017
  
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 Bei so einer Strafanzeige kämen zwei Möglichkeiten in Betracht. Bankrott, „dass also Vermögenswerte beiseitegeschafft wurden, die innerhalb einer Insolvenz noch verwertbar sein könnten“. Oder die Insolvenzverschleppung. „Oberstaatsanwalt Uwe Görlich kümmert sich persönlich, allerdings liegen die Akten noch beim Insolvenzgericht“. Da liegen sie gut, denn es gibt einen Antrag auf Insolvenz – vom neuen „Geschäftsführer“ Gerhard Haidacher (einem ehemaligen Olympia-Teilnehmer im Vierer-Bob), der die traditionsreiche Vollkornbäckerei von Manuel Pietrusky (34) übernommen haben soll. Dieser hatte Doppelkorn mit Hauptsitz in Linden im März vom langjährigen Besitzer Manfred Dust (68) ge­kauft.

Aber: „Der Antrag kann nicht bearbeitet werden, weil Haidacher nicht antragsberechtigt, kein Geschäftsführer ist“, berichtet Amtsgerichtssprecher Jens Buck. Es gebe Beanstandungen formaler Art, die noch nicht beseitigt worden seien. Sprich: Die Produktion und zehn Filialen gehören immer noch Pietrusky, der aber seit etwa einem Monat abgetaucht ist. Nicht ohne vorher bereits bezahlte Gelder für Lieferungen am 24. Juli wieder zurückzurufen. Woraufhin Lieferanten wie Bohlsener Mühle, Getreide-Anbietergemeinschaft Wendhausen (GAW) und Gut Ro­senkrantz ihre Rohwaren am 25. Juli aus der Produktionsstätte in Laatzen rausholten und damit deren Produktion eingestellt werden musste. Ernst-Friedemann Freiherr von Münchhausen, Landwirt und Chef des schleswig-holsteinischen Guts Rosenkrantz, sagt: „Im Moment liegt der Schaden bei 14 000 Euro. Ich bin skeptisch, das Geld wiederzusehen, aber Optimismus gehört ja zur Biobranche.“ Er hofft, dass die Richter einem Arrestverfahren zustimmen, um die Konten für Doppelkorn sperren zu können: „Wir gehen von betrügerischen Absichten aus.“ Auch Gerhard Tartsch von der GAW versucht, seine 22 000 Euro Verlust mit Hilfe eines Mahnbescheides wiederzubekommen.

Von Münchhausen hat erfahren, dass eine Krankenkasse als Drittgläubiger einen Insolvenzantrag stellen will. Das passt zu den Aussagen eines Mitarbeiters, der zwar einen Festvertrag von Pietrusky bekam, aber offenbar nicht sozialversicherungspflichtig angemeldet wurde. Amtsgerichtssprecher Buck: „Wenn ein Drittgläubiger wie eine Krankenkasse oder ein Arbeitnehmer den Antrag stellt, wären die Probleme erledigt. Dann könnten wir das Insolvenzverfahren eröffnen.“

Nach NP-Informationen hat Manuel Pietrusky nicht das erste Mal Ärger mit den Justiz. Zwischen 2004 und 2008 soll es acht Betrugsverfahren gegen ihn gegeben haben, die allerdings alle eingestellt worden sind. Doppelkorn-Vorbesitzer Manfred Dust und seine Frau Heike haben zumindest im neuen Fall erst einmal das Nachsehen: „Wir haften noch mit 100 000 Euro, weil er sich nicht an Abmachungen ge­halten hat.“

Und Pietrusky? Ist nicht zu erreichen. Angeblich soll er im Erholungsurlaub sein, heißt es.

Von Petra Rückerl

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