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Der Narrenotto ging an Brodowy, die Moderatoren Victoria Herrmann und Martin Argendorf überreichten die Auszeichnung. Foto: Dröse

50 Jahre Lindener Narren

Hannover: Eine Jubiläumsgala in Moll

Karneval in Zeiten des Terrors feierten die Lindener Narren am Sonnabend im Maritim Airport Hotel. Viele Spitzenpolitiker hatten kurzfristig abgesagt und verpassten einen zunächst bedrückten Abend, den 800 geladene Gäste trotzdem in eine fröhliche Feier zum 50. Geburtstag des Vereins verwandelten.

Hannover. „Wir hatten eine ganz fröhliche Geburtstagsfeier geplant, die Ereignisse von Paris haben alles geändert“, sagte ein sichtlich betroffener Martin Argendorf (60) und zog sich am Sonnabend gegen 19.40 Uhr die Narrenkappe des Präsidenten vom Kopf, „wir verneigen uns vor den Opfern, deshalb bitte ich alle Karnevalisten, heute Abend keine Kappe zu tragen.“

50 Jahre Lindener Narren im Maritim Airport Hotel, das war Karneval im Zeichen des Terrors. Ungewohnt leer blieben die ersten Reihen: Ministerpräsident Stephan Weil (56), Oberbürgermeister Stefan Schostok (51), SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi (47), Regionspräsident Hauke Jagau (54) und Bettina Wulff (42) – sie alle hatten kurzfristig abgesagt. „Mir ist auch nicht nach feiern zumute“, sagte Dietmar Althof (64) aus der „Schlossküche“, „aber die Lindener Narren geben sich immer so viel Mühe, ich wollte sie nicht enttäuschen.“

Einzig Bundestags-Vizepräsidentin Edelgard Bulmahn (64) zeigte sich für eine knappe Stunde und hielt eine kurze Rede: „Heute ist das Herz schwer“, sagte die SPD-Spitzenpolitikerin aus Linden, „aber ich bin trotzdem froh, dass diese Feier stattfindet: In schweren Zeiten muss man zusammenstehen.“ Für die Sätze „Freiheit ist stärker als Terror“ und „Menschlichkeit ist größer als Unmenschlichkeit“ erntete sie viel Applaus.

Um 19.51 Uhr erhoben sich die 800 Gäste im Ballsaal, fassten sich an den Händen und bildeten in einer Gedenkminute „einen Kreis der Solidarität“, so Argendorf, der mit MDR-Fernsehfrau Victoria Herrmann (45) souverän moderierte.
Der Höhner-Hit „Jetzt gehts los!“ markierte den Übergang von einem Beginn in Moll zu einer würdigen Feier mit gedrosselter Ausgelassenheit. „Bei aller Tragik, wir dürfen uns nicht im Schneckenhaus verkriechen“, meinte Ex-Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (72). Gefeiert wurde mit der „Schlagermafia“, dem preisgekrönten Tanzpaar Jamie und Timon, mit Stimmenimitator „Der Dingo“ und mit beißender Comedy von Dietmar Wischmeyer (58).

Höhepunkt neben den „Fidelen Zunftbrüdern“, die extra für zwei Karnevalstänze mit 35 Jecken aus Köln angereist waren: die Verleihung des Narrenottos an Matthias Brodowy (43), ein „Wortakrobat, der es schafft, sieben Minuten über Mortadella zu reden, ohne das du Hunger kriegst“, wie „Schüsselschorse“ Martin Jürgensmann (47) in seiner Laudatio kalauerte. „Machen Sie mehr Blödsinn“, forderte Brodowy, der Sänger, mehrfach ausgezeichnete Kleinkünstler und Entertainer das Publikum auf: „In einer Welt, die so krank ist wie unsere, brauchen wir mehr Narren.“ Für Brodowys Stand-up-Comedy, die von ihm gelesenen Worte seines Mentors Hanns Dieter Hüsch († 80) und seine Hannover-Liebeserklärung „Stadt mit Keks“ am Piano feierten ihn die 800 mit Standing Ovations und einer dreifachen Rakete – klatschen, trampeln, pfeifen.

„Wir dürfen uns nicht zur Seite drängen lassen von Verrückten. Die Narren können auch unter Tränen lachen“, hatte Volker Wagner (70), Präsident des Bund Deutscher Karneval, der Jubiläumsgesellschaft zugerufen und die Lindener als „Juwel unter unseren 5100 Karnevalsvereinen“ bezeichnet. Lachen unter Tränen, dass sie auch das können, haben Martin Argendorfs Lindener Narren am Sonnabend eindrucksvoll bewiesen. Christoph Dannowski


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