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Meine Stadt Hannover: Ein Held für einen Tag
Hannover Meine Stadt Hannover: Ein Held für einen Tag
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00:16 23.07.2017
Zeigte viel Mut: Abdulai Kamara stellte den bewaffneten Räuber. Quelle: Nagel
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Hannover

Abdulai Kamara (49) hatte keine Angst. Er fragte die Verkäuferin (58), die aus dem Laden gelaufen kam, nur: „Hat er eine Pistole?“. Als er die Antwort hörte: „Nein, nur ein Messer“, stürmte der Kurierfahrer in das Schreibwarengeschäft in der Gollstraße 20 (Anderten). „Lass das Messer fallen“, sagte Kamara zu Patryk P. (37). Doch der Pole reagierte nicht. Abdulai Kamara ließ sich von Mike Weidemann (56), Mann der Geschäftsbesitzerin, aus dem Laden ziehen. Beide hielten die Tür zu, bis die Polizei eintraf. Zeuge Andreas Gilg hielt die Verbindungstür zur Postfiliale zu. Der Täter saß in der Falle.

Seit Donnerstag muss sich Patryk P. vor dem Landgericht verantworten. Er hatte am 25. Januar 2017 eine Shell-Tankstelle in Langenhagen überfallen. Am 2. Februar 2017 ging er mit einem Messer in das Anderter Schreibwargengeschäft.

Der Angeklagte legte ein Geständnis ab. „Ich schäme mich für das, was ich getan habe“, sagte er. Seine Alkoholsucht soll den Zeitarbeiter zu den Verbrechen getrieben haben.

Abdulai Kamara war innerlich auch zum Kampf mit dem Räuber bereit. „Ich wäre ihm körperlich überlegen gewesen“, sagte er zu Richter Michael Schweigert im Landgericht Hannover. Aus Sierra Leone kenne er Messerkämpfe. „Da darf man keine Angst haben“, meinte er zur NP. Außerdem sei er Kung-Fu-Kämpfer.

Mike Weidemann ist Kamara sehr dankbar. Der CDU-Regionspolitiker: „Seinen Einsatz fand ich echt tapfer.“ Er habe in jedem Fall vermeiden wollen, dass dem Helfer etwas passiert. Zum Dank lud er den Schwarzafrikaner zu einem Kaffee ein und überreichte ihm einen Gutschein.

Auch Weidemann hat mit dem Räuber gesprochen. „Leg das Messer weg, es kann sonst ein Unglück geben, wenn die Polizei kommt.“ Als die Beamten eintrafen, legte Patryk P. das Messer neben sich, sank auf die Knie und legte die Hände in den Nacken.

Doch das Messer lag noch in Griffweite. „Wir versprühten zwei Stöße Pfefferspray, weil wir nicht gefahrlos an ihn herantreten konnten“, sagte ein Polizist (32). Auf ihn habe der Angeklagte einen sedierten Eindruck gemacht.

Anwältin Tanja Brettschneider erklärte das Verhalten ihres Mandanten: „Er hatte Angst, das Messer noch mal zu berühren. Er befürchtete wohl, dass die Beamten dann schießen.“

Die Polizei hat auch an anderen Tatorten Spuren von Patryk P. gefunden. So in einer Apotheke in Ahlem und in einem Uhrenladen auf der Limmerstraße. Angeklagt sind nur zwei Verbrechen. Der Angeklagte soll schon in Polen Alkoholprobleme gehabt haben. Es sei bei den Anonymen Alkolikern gewesen, so seine Schwester. Es steht die Unterbringung in einer Entzugsklinik im Raum.

Von Thomas Nagel

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