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Meine Stadt Hannover: Doppelter Sechser vor Gericht
Hannover Meine Stadt Hannover: Doppelter Sechser vor Gericht
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00:16 19.11.2016
DER TRAUM VOM REICHTUM: Genau diese Zahlen sollte Toto-Lotto für Regina O. ziehen.
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Hannover

Nicht mal ihr Anwalt, Jens Döpke, glaubt mehr an ihre Unschuld. Wegen „Schwachsinns“ hält er seine Mandantin für schuldunfähig.

Regina O. trägt einen modischen Kurzhaarschnitt und eine Brille mit Goldrand. Eigentlich könnte sie ihren Lebensabend genießen. Doch die kleine Rente von 180 Euro lässt keinen Tscha-Tscha auf dem Kreuzfahrtschiff zu. In einem handschriftlichen Erpresser-Brief an Toto-Lotto am 5. Januar 2015 heißt es: „Mein Kumpel und ich sind jetzt zurückgekehrt. Wir kommen aus dem Irak. Wir haben das Töten gelernt.“ Der Erpresser forderte von dem Glücksspielunternehmen, die Zahlen 4, 13, 18, 29, 39 und 43 zu ziehen. Sonst: „Wir sind in Hannover und beobachten Sie alle. Wir haben alle fotografiert, auch Ihre Familien. Wir haben schon viele getötet.“ Um die Drohung zu unterstreichen, war ein Hakenkreuz auf den Briefumschlag gemalt.

Die Hausfrau aus Bad Sachsa (Kreis Göttingen) erklärte gestern im Prozess: „Ich habe keinen Brief geschrieben.“ Allerdings ist die Beweislage mehr als erdrückend. Denn bereits 2014 waren ähnliche Schreiben bei Toto-Lotto eingegangen, allerdings ohne Drohung. Darin wurde nur um 35 000 Euro für die „arme Oma und die behinderte Schwester“ gebeten. Deshalb sollten doch bitte die Zahlen 5, 12, 26, 27, 31 und 48 gezogen werden.

Das Glücksspielunternehmen ermittelte, dass die Zahlenfolgen nur in einer Annahmestelle in Bad Sachsa getippt wurden. Und zwar jeden Sonnabend zwischen 7 und 8.30 Uhr. Also legte sich die Polizei in einem Edeka-Supermarkt auf die Lauer und wartete auf den „Irak-Veteranen“. Zwischenzeitlich hatten die Ermittler schon einen Afghanistan-Soldaten im Visier, der auch in der Lotto-Toto-Annahmestelle tippte. Dann ging den Ermittlern aber Regina O. ins Netz. Bei der Hausdurchsuchung fanden die Beamten dann noch Tippscheine, mit der Zahlenfolge von 2014. Ein doppelter Sechser für die Polizei. Ein handschriftliches Gutachten ergab, dass die Briefe von 2014 mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit von der biederen Hausfrau stammen. Bei dem Erpresserschreiben könne man nur von einer 75-prozentigen Wahrscheinlichkeit ausgehen, weil die Schrift aus Blockbuchstaben bestehe, sagte die Gutachterin. Eine DNA-Untersuchung ergab, dass der Speichel auf der Briefmarke eines Schreibens von der Angeklagten stammt.

Anwalt Döpke forderte nach der Beweisaufnahme ein psychiatrisches Gutachten. Ein ärztliches Attest konnte er nicht vorlegen. Aber allein an den Briefen könnte man doch feststellen, dass seine Mandantin debil und deshalb schuldunfähig sei. Er meinte wohl die Rechtschreibfehler in Wörtern wie „Schult“ oder „ferfolgen“.

Schöffenrichterin Sylvia Riedel will nun die Ärztin der Angeklagten anhören, wie es um die Geisteskraft der Regina O. bestellt ist.

Weiter 1. Dezember

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