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WACHSTUMSEXPERTE: Karsten Zutz hat während seiner Doktorarbeit an der Leibniz-Uni die Brokkoli-Formel gefunden.

WACHSTUMSEXPERTE: Karsten Zutz hat während seiner Doktorarbeit an der Leibniz-Uni die Brokkoli-Formel gefunden.© Felix Peschke

Forschung

Hannover: Doktorand der Leibniz-Uni entwickelt Brokkoli-Formel

Karsten Zutz von der Leibniz-Uni Hannover hat das bisher recht unberechenbare Gemüse Brokkoli entschlüsselt. Der Ernteaufwand könnte damit drastisch reduziert werden.

Hannover. „Schmeckt mir tatsächlich immer noch.“ Dieser Satz von Karsten Zutz (29) ist keine Selbstverständlichkeit, denn auf der Suche nach der Brokkoli-Formel hat er binnen zwei Jahren mehr als 2000 Stück dieser Pflanze analysiert - und etliche aus seiner Versuchsreihe an der Leibniz-Uni Hannover in den Kochtopf nach Hause gebracht: „Die konnten bald keinen Brokkoli mehr sehen!“

Zutz ist Gartenbauwissenschaftler und macht gerade seinen Doktor - dafür hat er sich dem beliebten Gemüse gewidmet. Er wollte herausfinden, ob und wie man die Erntereife vorhersagen kann. Denn Brokkoli ist ein sensibles Gewächs, in manchen Augen gilt er als „unberechenbar“. Er reagiert sehr auf Temperaturschwankungen und nicht alle Pflanzen wachsen gleich - das führt etwa dazu, dass zu unterschiedlichen Zeitpunkten vom Gewächshaus ins Feld gesetzte Jungpflanzen zur gleichen Zeit reif sein können. Erntereif bedeutet in Deutschland: Der Brokkoli wiegt 500 Gramm, seine Knospen sind noch geschlossen, die Farbe tendiert ins bläuliche.

Hartmut Stützel, betreuender Professor, erklärt die Motivation für die Suche nach der Brokkoli-Formel: „Der Produktionsprozess soll besser steuerbar sein, damit der Markt kontinuierlich beliefert werden kann.“ Immer wieder fragten Produzenten denn auch bei den Wissenschaftlern nach, ob es da nicht eine Möglichkeit gäbe, erläutert Zutz - dadurch sei bei ihm das Interesse geweckt worden.

Da Brokkoli noch immer per Hand geschnitten wird und die Erntehelfer an mehreren Tagen übers Feld müssen, um die gesamte Ernte einzuholen, würde die richtige Formel den Aufwand und damit die Kosten erheblich verringern, so die Hoffnung. Und nach der Analyse der von mehr als 1000 Pflanzen in der Klimakammer der Uni und noch mal so vielen unter freiem Himmel gewonnenen Daten und Erkenntnissen ist Zutz sicher: Er hat die Formel!

„Ein oder zwei Erntegänge spart man sich allemal“, sagt er. Ohne Formelwissen seien die Erntehelfer im Schnitt drei Mal auf dem Feld, teils auch bis zu fünf Mal. Seine Brokkoli-Formel könnte den Produzenten also einiges Geld sparen. „Das ist schon sehr genau, was da vorhergesagt wird.“ Da angewandte Statistik und Mathematik mit ihren Formeln den ungeschulten Anwender „nahezu erschlagen“ würden, hat der Doktorand alles hübsch aufbereitet und in ein nutzerfreundliches Format gebracht: Jetzt müssen die Brokkoli-Produzenten nur noch die Wetterdaten der vergangenen 30 Jahre fürs Anbaugebiet und die aktuellen Prognosen per Mausklick ins Programm laden, die Simulation starten - fertig!

Geld verdienen wird Zutz mit der Ernteformel wohl nicht: Seine Arbeit in Hannover wurde mit Mitteln des Bundes und eines Brokkoli-Produzenten finanziert; das Forschungsministerium habe auch die Rechte am Ergebnis und werde die gefundene Lösung wohl den Verbänden und Organen der Landwirtschaft kostenlos zur Verfügung stellen. Gespannt ist Zutz, ob sich seine Arbeit in der Praxis durchsetzt: „In den 1970er und 1980er Jahren wurde dazu viel am Blumenkohl geforscht. Doch die damals gefundenen Lösungen haben nie den Weg in die Praxis gefunden.“


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