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Gericht

Hannover: Dieser Mann verschleppt seine Töchter

Kais B. (39) steht vor Gericht, weil er seiner Frau die beiden Töchter (acht und neun Jahre) entzogen und sie nach Tunesien gebracht hat.

Hannover. hannover. Am Ende der Verhandlung machte Amtsrichterin Monika Pinski kurzen Prozess. „Der Angeklagte erklärt, dass er einverstanden ist, dass die Kinder nach Deutschland verbracht werden“, diktierte sie ins Protokoll. Ob diesem Satz Taten folgen werden? Zweifel sind angebracht.

Kais B. (39) sitzt in Untersuchungshaft. Er hat seiner Frau, einer Fachärztin aus Hannover, die beiden Töchter (neun und acht Jahre alt) seit Mitte Januar entzogen. Sie leben in Tunesien bei ihren Großeltern. Wortreich versuchte Verteidiger Andreas Hahne zu erklären, wie es zu dem Familiendrama kommen konnte. „Die Familie wollte nach Tunesien übersiedeln, hatte sich schon ein Grundstück gekauft.“ Doch dann habe sich die Ehefrau in einen anderen Mann verliebt. Nach 13 Jahren kam 2015 das Aus der Beziehung.

Mehrfach musste die Richterin nachfragen, ob der Vater die Kinder wieder nach Deutschland kommen lassen will. Immer wieder Ausflüchte: „Mein Mandant ist überzeugt davon, dass die Kinder in Tunesien glücklich sind und es ihnen besser geht“, sagt der Anwalt. In einem Brief aus der Haft schrieb Kais B. an seine Ex: „Du kannst jeder Zeit die Kinder besuchen und jeden Tag mit ihnen skypen.“

Gestern bot der Angeklagte an, mit den Kindern und einem Sozialarbeiter in die Botschaft zu fahren. „Und dann sollen die Kinder entscheiden, wo sie leben möchten.“ Dieses Angebot nötigte dem Staatsanwalt ein mildes Lächeln ab. „Sie sind nicht in der Lage, Forderungen zu stellen“, sagte er dem Angeklagten und verwies auf die U-Haft. Richter Pinski erklärte, dass die Mutter das Sorgerecht habe und die Kinder zu klein seien, um so eine Entscheidung zu treffen.

Bis zum 22. September hat Kais B. nun Zeit, die Rückkehr der Kinder zu organisieren - mithilfe des Staatsanwalts. Der Anklagevertreter räumte aber ein, dass der deutsche Staat keine Mittel hat, die Kinder zurückzuholen (siehe Kasten). Für die Mutter sei es auch problematisch, nach Tunesien zu reisen, weil ihr dort Haft drohe. „Aus islamischer Sicht hat sie sich als Frau nicht richtig verhalten“, lautet die Begründung.

Ungewöhnlich: Jeder Tag, den der Kindesentzug andauert, ist eine neue Straftat. So gibt es für die Zeit nach der Anklageerhebung bereits einen zweiten Haftbefehl.


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