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Meine Stadt Hannover: Diese Macht hat eine bunte Seite
Hannover Meine Stadt Hannover: Diese Macht hat eine bunte Seite
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11:11 10.11.2017
HEITERES DUO: Dag-Alexis Kopplin und Vincent Stein bilden SDP – und bringen die Invasion nach Hannover. Quelle: Alexander Körner
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Hannover

Sie haben Leichen im Keller, sie planen seit 2014 die Machtübernahme, ihr Leben ist ein Rockkonzert – und sie sind wieder da, gleich zweimal: SDP bringen „Die bunte Seite der Macht“ nach Hannover, und alle feiern ihre Invasion.

Bei den beiden Jungs und ihrer Live-Band bleibt den 4100 Fans ja auch nichts anderes übrig, als die Hände in die Luft zu werfen und zu kapitulieren. Mit eingängigen Melodien, schnellen Beats und gewohnt überschäumender Laune machten Vincent Stein und Dag-Alexis Kopplin gestern eine riesige Party in der Swiss Life Hall. Selbst der größte Tanzverächter kann bei SDP, was die Abkürzung für Stonedeafproduction ist, kaum mehr regungslos stehen bleiben.

Die Berliner sind zwar inzwischen beide 34 Jahre alt, doch keine Sorge: Sie sind kein bisschen erwachsen geworden. Sie spielen immer noch mit Feuer, Bällen und Konfetti. Mit Songs wie „Ja Ja aka. LMAA“ oder „Bullen, Schweine“, für den sie sich mal wieder mit Sido zusammengetan haben, machen sie überdeutlich: Sie haben keine Lust, den  dunklen und mächtigen Ernst der Welt auch allzu ernst zu nehmen. Das macht den enormen Erfolg mit aus.

Natürlich darf auch die gewollt klare Zweideutigkeit mit dem Stück „Pferdeschwänze“ nicht fehlen. Ab und an rutscht ihnen sogar eine Ballade raus. „Ich will nur dass du weißt“ (mit Adel Tawil) oder „So schön kaputt“ vom aktuellen Album bringen plötzlich Feuerzeug-Atmosphäre und Engtanz-Willen statt wilder Feierei.

Ihr aktueller Albumtitel scheint ihre Musik gut zusammenzufassen: Hauptsache bunt! Sie feiern, provozieren, unterhalten und fast könnte man meinen, sie wollen doch zum Nachdenken anregen. Sie versuchen sich mit „Nicht mein Problem“ an politischeren Themen. So recht in die Tiefe gehen Dag und Vincent dabei allerdings nicht, und genau das verdirbt dann eben auch nicht zu sehr die heitere Stimmung.

Für ihre eckigen Formulierungen bekam das Duo nach ihrem Album-Release im März satt Kritik – wegen Songs wie „Am Schönsten“ oder „Friendzone“, wenn sich da „dicke Titten“ auf „aufgespritzte Lippen“ knapp daneben und doch reimen soll.

Auch bei fehlendem Tiefgang der Songs oder bei Kritik am Rollenverständnis von Männern und Frauen sollte man sich bewusst sein, dass SDP eben gar nicht ernst genommen werden wollen. Das Bild soll eher jenes sein: zwei freche Jungs, die zusammen Musik machen, die gut ist und die gerne gehört wird.

Nach rund 20 Jahren Bandgeschichte verstehen sie ganz offenbar, was es dazu braucht. Allein in diesem Jahr spielten sie auf mehr als zehn Festivals, ihre Tour im November ist ausverkauft. Nach kurzer Pause geht’s im Februar wieder auf die Bühnen. In Hannover spielen sie heute Abend ein zweites Mal in einer ausverkauften Swiss-Life-Hall, vor zwei Jahren war es noch das kleinere Capitol.

Eins können sie in kleinen und großen Hallen: Alle Gegenwart einfach mal genau dort und gut sein lassen. Mit aller Macht, Für ein Konzert und die Fans.

Von Leonie Gebhard

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