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SAMMELN: Die Hannöverschen Tafeln brauchen Geld, um weiter Hilfe leisten zu können.© Heusel

GESELLSCHAFT

Hannover: Die große Krise der Tafeln

Sie wollen Leben retten, Menschen helfen, ihnen Essen geben. Doch wegen der steigenden Nachfrage sehen sich die Mitarbeiter und Leiter der Hannöverschen Tafel vor einer großen Krise.

Hannover. Millionen Menschen sind auf Lebensmittelspenden angewiesen. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 3000 sogenannte Tafeln. Die Hannöversche Tafel ist dabei allein für etwa 4000 Bedürftige im Stadtgebiet regelmäßig eine feste Anlaufstelle auf der Suche nach Nahrung. „Die Zahl unserer Kunden ist mit den Jahren stetig gestiegen“, weiß der Organisatorische Leiter der Hannöverschen Tafel Horst Gora (54). Seit 1999 gibt es den Verein, der überwiegend auf ehrenamtliche Helfer setzt. Doch der enormen Nachfrage nach Lebensmitteln sind viele Tafeln nicht mehr gewachsen. Daher haben die Einrichtungen in Barsinghausen und Garbsen in den vergangenen Monaten bereits einen drastischen Weg beschritten: Sie hatten einen vorläufigen Aufnahmestopp beschlossen.

Neben der Ausgabestelle in Garbsen gehören auch eine Tafel am Roderbruch, am Kronsberg, in Mühlenberg, Linden und Vahrenheide zum Verteilungsgebiet der Hannöverschen Tafel. Wie kam es zu dem Aufnahmestopp in Garbsen? „Als klar war, dass die vorhandenen Lebensmittel gerade eben für den bestehenden Kundenstamm reichen, gab es gar keine andere Lösung, als einen Aufnahmestopp zu verhängen“, sagt Gora – und betont zugleich: „Solche Entscheidungen sind immer hart, weil wir eine wichtige Hilfe für Menschen in Not sind.“ Inzwischen sei der Aufnahmestopp aufgehoben. Droht eine ähnliche Maßnahme auch an anderen Ausgabestellen in Hannover? Gora: „Bislang hat es das in der Landeshauptstadt nicht gegeben, wir lehnen hier keine neuen Kunden ab. Das heißt aber nicht, dass es nicht doch passieren kann. Wir werden sehen und abwarten, was kommt. Und wenn zu wenig Lebensmittel da sind, dann wird es auch in Hannover einen Aufnahmestopp geben. Da wird kein Weg dran vorbeigehen.“

Unter den Empfängern der Hannöverschen Tafel seien zunehmend Flüchtlinge. Anders als in Barsinghausen hätten aber keineswegs die Flüchtlinge zum Engpass bei den Lebensmitteln geführt, erklärt Horst Gora. Der Leiter bleibt besonnen: „Wie sich die Flüchtlingskrise auf die Tafeln auswirkt, wird erst die Zukunft zeigen. Den Effekt werden wir frühestens in ein oder zwei Jahren sehen, genau wie damals bei der Hartz-IV-Reform.“ Er ist aber sicher, dass sich die Situation zukünftig weiter verschärfen werde.

Größere Sorge bereitet den Verantwortlichen seit einiger Zeit ein anderer Umstand, so Gora: „Die Lebensmittel werden nicht mehr, es ist sehr schwer, überhaupt genügend zusammenzubekommen.“ Täglich sammeln die Helfer etwa eine Tonne Lebensmittel ein. Insgesamt waren es 2015 rund 321 Tonnen. Dem gegenüber steht eine wachsende Zahl Bedürftiger. Was sind die Gründe für den Rückgang bei den Lebensmittelspenden? „Dass die Märkte vermutlich wirtschaftlicher kalkulieren. Ein Überschuss wäre für uns immer besser. Es wird nie reichen. Die Nachfrage wird immer größer sein – jetzt und erst recht in Zukunft.“

von Britta Lüers


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  • Landkreis: Region Hannover
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