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Meine Stadt Hannover: Die Zecken sind wieder da
Hannover Meine Stadt Hannover: Die Zecken sind wieder da
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00:16 02.06.2016
Blutsauger: Zecken können gefährliche Erkrankungen übertragen.
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Hannover

Sie haben acht Beine (Larven bis zur Häutung nur sechs), werden im vollgesogenen Zustand gerade mal 13 Millimeter lang. Männchen dienen nur zur Paarung und sterben gleich danach, Weibchen legen bis zu 3000 Eier. Zecken. Klingt alles harmlos, dabei können die Milben für Menschen zur tödlichen Gefahr werden. Längst auch in Deutschland.

Aktuell haben sie wieder Hochsaison – und das noch bis in den Oktober. „Zecken lieben dieses feucht-warme Wetter“, sagt Masyar Monazahian vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt. Vorwiegend auf Wiesen, in Wäldern oder naturbelassenen Gärten sind die Parasiten zu finden. Die größten Gefahren, die von einem Zeckenbiss ausgehen, sind die Borreliose und die sogenannte Frühsommermeningoenzephalitis – kurz FSME.

Im Süden Deutschlands besteht ein hohes Risiko, sich mit FSME zu infizieren. Im Vorjahr gab es in Deutschland 220 Fälle. Seit 2002 hat das Landesgesundheitsamt neun FSME-Erkrankungen in Niedersachsen registiert, vier davon in der Region Hannover. „In diesen Fällen vermuten wir auch den Ansteckungsort hier“, so Monazahian: „Die Infektion mit FSME ist in Niedersachsen immer noch sehr unwahrscheinlich, aber nicht völlig auszuschließen.“

Mit mehr als 100 000 Borreliose-Fällen pro Jahr sei diese Infektion zwar deutlich häufiger, doch für den Göttinger Mediziner Helmut Eiffert ist FSME deutlich gefährlicher: „Gegen Borreliose gibt es Medikamente, gegen FSME nicht. Wenn jemand daran erkrankt, können nur noch die Symptome behandelt werden.“ Und die haben es in sich: Hirnhautentzündung, Gehirnentzündung, Entzündung des Rückenmarks und sogar bleibende Lähmungen. Mitunter können die Symptome sogar noch mehr als zehn Jahre nach dem Zeckenbiss spürbar sein.

Da ein Heilmittel fehlt, raten die Experten dringend zur FSME-Impfung. „Es ist der wirksamste Schutz gegen diese schwere Infektion. Vor allem Kinder, die viel in der Natur spielen, sollten geschützt sein. Und auch vor Reisen in Risikogebiete, etwa nach Österreich oder Skandinavien, sollte man eine Impfung nicht vergessen“, sagt Mustafa Yilmaz, Leiter des Fachbereichs Gesundheit der Region Hannover.

Und wie reagiere ich, wenn ich einen Zeckenbiss entdecke? Monazahian: „Am besten zügig die Zecke mit einer Pinzette rausziehen, die Stichstelle fotografieren und die nächsten Tage beobachten.“ Kollege Eiffert ergänzt: „Den Krankenwagen muss man jedenfalls nicht sofort rufen. Ärzte können da zunächst auch nicht helfen.“

Britta Lüers

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