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Meine Stadt Hannover: Die Rückkehr der kleinen Dorfläden
Hannover Meine Stadt Hannover: Die Rückkehr der kleinen Dorfläden
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00:16 17.03.2017
Man kennt sich: Verkäuferin Heidi Grosse (l.) gefällt die familiäre Atmosphäre. Kundin Birgit Lukow kauft mindestens einmal pro Woche im Dorfladen ein. Quelle: Nancy Heusel
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Hannover

An einem Tisch im Café sitzt ein älteres Ehepaar, die beiden trinken Kaffee und essen Kuchen. Am Tresen unterhalten sich angeregt zwei Frauen. Die Tür geht auf und ein kleiner Junge kommt in den Laden: „Sechs Brötchen hätt ich gerne. Und eine bunte Tüte.“ Für den Transport nach Hause hat er einen Stoffbeutel dabei. „Grüß deine Eltern!“, ruft die Dame an der Kasse ihm noch hinterher.

Selten spielen sich Szenen wie diese heutzutage noch ab. Überall schließen die guten, alten Tante-Emma-Läden, Bäckereien machen dicht, und die Post hat sich schon längst aus den kleinen Ortschaften zurückgezogen. Diesen Trend wollte man in Altenhagen I (Springe) umkehren: „Wir wollten wieder einen Ort im Dorf, an dem die Menschen einkaufen und zusammenkommen können“, sagt der Vorsitzende der Genossenschaft „Dorf-Kultur-Erbe Altenhagen I“, Andreas Baenisch. „Wir bieten nicht nur eine Einkaufsmöglichkeit“, sagt er. Zum Dorfladen gehören ein Café, ein Stand mit frischem Bio-Gemüse aus der Region, eine Kneipe sowie ein universell nutzbarer Raum für Feierlichkeiten. „Wir haben hier viele Angebote“, sagt Baenisch. Sogar ein Frühstücksbuffet gibt es.

Der Laden in Altenhagen I ist eines von mehreren Projekten dieser Art in der Region Hannover. Auch in Bolzum bei Sehnde entstand vor zwei Jahren ein Dorfladen. „Wir hatten keine Post, keine Kneipe, und der Bäcker hat auch aufgegeben“, berichtet Dorfladen-Vorstand Michaela Oldeweme. Dann habe man sich zusammengesetzt und nach einer genossenschaftlichen Lösung gesucht. „Zunächst haben wir eine Studie im Dorf durchgeführt, um zu gucken, ob es überhaupt Interesse gibt“, sagt Oldeweme. Und das gab es: Mittlerweile haben über 200 Bolzumer Genossenschaftsanteile gezeichnet und pro Anteil 300 Euro zu dem Projekt beigesteuert. Eine große Beteiligung für das 1300-Einwohner-Örtchen. Michaela Oldeweme ist stolz: „Das Projekt wurde besser angenommen als vermutet.“

Unterstützt wurde das Dorfladen-Projekt von der Region Hannover: „Es wurde eine Machbarkeitsstudie durchgeführt“, erzählt Oldeweme, „und wir haben professionelle Hilfe beim Erstellen des Businessplans bekommen.“

Für Regionsdezernent Axel Priebs sind die Dorfläden beispielhafte Projekte: „Wir wollen überall Lebensqualität für die Bürger schaffen“, sagt er, „gerade im Alter ist es auf dem Dorf oft schwierig, sich zu versorgen.“ Daher unterstützt die Region Initiativen zu Gunsten der Versorgung auf dem Land: „Wir würden auch gerne mehr solcher Projekte unterstützen - nicht nur auf dem Land, sondern überall dort, wo Versorgungsschwierigkeiten herrschen.“

Zurück in Altenhagen I, ist man stolz auf das bisher Erreichte. Vor zwei Jahren wurde das Projekt begonnen, es kommt im Dorf hervorragend an: Vom kleinen Gewinn im ersten Jahr wurde ein Auto angeschafft. Im letzten Jahr machte der Laden über 200 000 Euro Umsatz. Am Ziel wähnt man sich allerdings nicht: „Man darf nie aufgeben, sonst wird man müde und ist nicht mehr wettbewerbsfähig.“ Auch das scheinbar vollkommene Dorfglück steht also nicht auf sicherem Fuß - und in Konkurrenz mit dem nächstgelegenen Discounter oder Supermarkt.

Doch die Altenhagener wollen weitermachen und haben eine Vision: ein Dorfplatz als Mittelpunkt im Ort, mit einer Bäckerei, einer Post und dem guten, alten Tante-Emma-Laden.

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