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Meine Stadt Hannover: Der Starkstrom-Monteur vom Messe-Riesen
Hannover Meine Stadt Hannover: Der Starkstrom-Monteur vom Messe-Riesen
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02:52 21.06.2012
DAS ENDE: Karl-Heinz Sander vor den Resten des „Mannesmannturms“ auf dem Messegelände: „Schade, dass er weg ist.“ Quelle: Ralf Decker
Hannover

Karl-Heinz Sander muss dieser Tage mit ansehen, wie ein Stück seines Lebens kleingemacht wird. Wie es Stück um Stück schwindet, nur noch ein Schrotthaufen übrig bleibt und es schließlich ganz weg ist. Sander ist 79 Jahre alt und war als Starkstrommonteur der AEG dabei, als der über 120 Meter aufragende „Mannesmannturm“ zur Industriemesse aufgebaut wurde: „Das war 1954, nicht 1957, wie die Messe sagt - ich war damals verlobt, und meine heutige Frau lief damals oft unten vorbei. Geheiratet haben wir dann 1955, daher weiß ich das ganz genau!“

Sander und seine AEG-Kollegen zogen die Leitungen hoch und installierten drei sieben Meter messende, drehbare Leuchtreklamen der Mannesmannwerke (MW) und die Flugsicherungsleuchten - im letzten Teil alle fünf Meter, auch ganz oben auf der Antenne, die „nur fünf Zentimeter Durchmesser hatte. Das musste uns halten!“

Und weil die Neonröhren bis zu 6000 Volt Spannung benötigten, mussten sie zu sechst auf 90 Metern Höhe Transformatoren montieren: „Wir konnten nur an einem der drei Rohre aufsteigen, frei natürlich - gesichert waren wir nur oben auf Arbeitshöhe.“ Seitenwechsel gingen nur über die Querstreben - auch ohne Sicherung. Je höher der Turm, desto schlanker wurde er, desto stärker schwankte das Bauwerk. „Als ich das erste Mal auf 60 Metern arbeiten musste, dachte ich noch: Na, der kippt gleich um! Wenn wir dann nach acht Stunden runterkamen, gingen wir erst mal in die Knie; so erschöpft waren wir, regelrecht ausgemergelt war ich damals“, erzählt Sander. Immerhin gab es eine Höhenzulage.

Alles war auf die Eröffnung der Messe ausgerichtet - die Zeit wurde knapp: „Ich habe damals an beiden Ostertagen auf dem Turm gestanden. Und es war noch recht kalt: An manchen Tagen konnten wir erst spät rauf, weil morgens oben alles vereist war.“

Am Eröffnungstag - 25. April, der Sonntag nach Ostern - begleiteten Sander und ein Kollege einen NDR-Kameramann nach oben: „Ich hatte zwei Rucksäcke dabei. Kamera und Akkus waren ja viel größer als die heutigen Geräte“, berichtet der Starkstrommonteur. Erst habe er den Kameramann für seinen Mut bewundert, „später erzählte er mir, dass er erfahrener Bergsteiger ist“.

Sander war noch drei oder vier Jahre für die Wartung des Turmes zuständig. An einem Wartungstag gab es für alle eine Riesenüberraschung: Als unten eine Muffenverbindung geöffnet wurde, „da schoss fast eine Stunde lang eine Wasserfontäne raus - der halbe Turm war vollgelaufen mit Regenwasser“, berichtet der Monteur. Daraufhin wurden die Verbindungsstellen der Rohre erst mit Blei ummantelt, was nicht viel half, und später dann verschweißt.

Wenn Sander ab und an mal rauf musste, etwa um die Leuchten der Reklame zu tauschen, dann sagte er das seiner Ehefrau Lisbeth (78) „nie vorher, erst hinterher“. Irgendwann war ihm das Risiko zu viel und wurde ihm oben auch mulmig. Er dachte an seine Kinder, seine Frau Lisbeth und bat darum, die Aufgabe loszuwerden: „Das war überhaupt kein Problem - mein Arbeitgeber AEG hatte Verständnis dafür.“ Die defekten Lampen ließen sie damals übrigens immer runterfallen: „Die fielen senkrecht, landeten im Gras und gingen nie kaputt!“

Später, 1961, wurde der Stahlgerüstturm an die Straßenbahnwendeschleife versetzt und mit den Messe-Logos versehen. „Irgendwie habe ich das verpasst. Das müssen die mit einem Lasten-Hubschrauber gemacht haben“, mutmaßt Sander, da der Turm ja inzwischen verschweißt war. Seither wurde er auch „kleiner Hermesturm“ genannt - obwohl er den „echten“ Hermesturm aus Stahlbeton um gut 30 Meter überragte.

Baufällig geworden, ist er nun jedoch abgerissen worden - weil die Messe nicht eine halbe Million Euro in die Sanierung stecken wollte (NP berichtete).

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