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Am Samstag werden rund 30.000 Kurden bei der Demonstration in der Innenstadt erwartet.© Archiv

Innenstadt

Hannover: Demonstrationen werden "alltäglich"

Die Kurden-Demo am Samstag führt von 10 bis 19 Uhr tausende Menschen in die Innenstadt - wohl aber weniger in die Geschäfte. Insgesamt gibt es statistisch betrachtet in Hannover durchschnittlich etwa zwei Demos am Tag. Viele Geschäftsleute ärgert dies, obwohl das Recht zu Demonstrieren natürlich über allem stehen würde.

Hannover. „Demonstrieren ist mittlerweile zum Volkssport geworden“, findet Daniela Reuter. Direkt in der Innenstadt hat sie ihr Unterwäschegeschäft „E. und S. Wömpner“, kurz hinter der Kröpcke-Uhr. An sich eine gute Lage, aber natürlich bekommt sie dort einige Demonstrationen mit. „Schon letztes Jahr im Weihnachtsgeschäft war so gut wie jeden Tag eine Demo. Es nimmt einfach überhand.“ Sie möchte die Demonstrationen aus der Innenstadt raushaben und schlägt den ZOB als möglichen Demoplatz vor. „Natürlich soll jeder sein Recht haben, zu demonstrieren“, räumt sie ein, „aber wir wollen auch ein Recht haben, verkaufen zu dürfen und solche Tage merken wir massiv."

Die Lage ist kompliziert, das sieht auch Martin Prenzler von der City-Gemeinschaft nicht anders. Der ZOB aber sei nicht die Lösung, weil dieser jetzt in Privatbesitz sei. „In der Innenstadt kann man maximal stören und die größte Aufmerksamkeit erreichen“, weiß Prenzler: „Seit Jahren ist es ein Trend, versammlungsrechtliche Aktionen samstags um 15 Uhr zu planen.“

Vom Kröpcke ein paar Schritte die Georgstraße runter liegt der Juwelier Wempe. Auch Gabriele Eggers, stellvertretende Geschäftsführerin, kann sich vorstellen, dass das Geschäft am Samstag leiden könnte. „Hannover hat ein großes Einzugsgebiet. Gerade am Samstag kommen oft Leute aus dem Umland. Diejenigen, die nicht wissen, wo sie parken können oder wie sie gehen sollen, könnten schon aus der Stadt draußen bleiben.“ Kürzere Demos würden am Tagesgeschäft allerdings kaum etwas ändern. Eggers habe das Gefühl, dass es mehr Demos geworden sind: „Manchmal fragt man sich auch, wogegen.“

Anke Ellen Barth von Schuh-Neumann kann das nachvollziehen. „Bei Demos, die in einer anderen Sprache sind, oder die sich mit konfliktreichen Themen beschäftigen, merkt man allgemein eine andere Stimmung in der Stadt.“ Viele Demos behandelten außerdem Probleme, die von Hannover oder Deutschland aus nicht gelöst werden könnten. Sie seien aber Teil der Meinungsfreiheit: „Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem Demos nicht möglich sind.“ Ob sich Demonstrationen negativ aufs Geschäft auswirken, könne sie nicht sagen, aber sie seien grundsätzlich „eher nicht hilfreich“. Besonders schlimm seien gewaltbereite Demonstranten, die Fensterscheiben einschmeißen könnten. Schuh-Neumann läge aber etwas abseits der Hauptdemostrecken.

Direkt an der Georgsstraße befindet sich dafür Horstmann und Sander. Heike Rieder ist Abteilungsleiterin und findet Demonstrationen mittlerweile „alltäglich“. Natürlich sei es besser, wenn sie außerhalb der City stattfänden, aber meistens sei es „nur ein Moment, dann ist gut. Eigentlich stören sie nicht.“ Oft würden vorher mehr Probleme angekündigt, als nachher aufkamen. Die Polizei habe die Demos immer im Griff. Rieder hoffe Samstag einfach „auf schönes Wetter“.

von Marcel Stober


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