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Meine Stadt Demo gegen Mietwucher: „Miethaie zu Fischstäbchen“
Hannover Meine Stadt Demo gegen Mietwucher: „Miethaie zu Fischstäbchen“
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16:21 10.11.2018
Hannover: Demo von Mietern im Protest-Haus in der Fliederstraße demonstrieren zusammen mit Unterstützen gegen steigende Mieten. Quelle: Christian Behrens
Hannover

Die Plakate sind aussagekräftig: „Miethaie zu Fischstäbchen“, „Enteignung statt Entmietung“, „Wohnraum ist Lebensraum“ und „Eure Rendite ist unsere Enteignung“ – entsteht hier eine neue große Bewegung in Hannover? Die Wohnungsmisere mit all ihren Begleiterscheinungen wird an diesem Sonnabend ab 14 Uhr sichtbar an der Lutherkirche (Nordstadt).

Zuerst ist es nur ein Häufchen Menschen, die nach dem Motto demonstrieren: „Unsere Wohnungen sind nicht verhandelbar“. Trotz Kälte und Nieselregens werden es immer mehr, die Polizei zählt schließlich 450 Männer, Frauen und auch einzelne Kinder, die sich aufmachen, ihren noch einigermaßen günstigen Wohnraum zu verteidigen.

Aufgerufen zu der Demonstration gegen „den Ausverkauf unserer Stadtteile“ hat die Hausgemeinschaft aus der Fliederstraße 5 in der Nordstadt, die sich von „zweifelhaften energetischen Modernisierungen“ inklusive saftiger Mieterhöhungen bedroht sieht. Aber das Gespenst der Gentrifizierung schwebt ebenfalls durch andere Stadtteile. Das Problem ist die Verdrängung verwurzelter, aber einkommensschwächerer Mieter durch wohlhabendere Haushalte. Und so marschieren die knapp 450 Leute aus der Nordstadt mit ihren Plakaten und (Miet-)Hai-Figuren auf ihrer Demo-Route über die Gerberstraße (Mitte) und Minister-Stüve-Straße (Limmer) bis zum Lindener Pfarrlandplatz, wo überall Hausgemeinschaften leben, die mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben. Und wo sie deswegen noch einmal auf mehrere hundert Demonstranten stoßen. 800 Menschen werden es zuletzt sein, die sich an diesem Sonnabend zusammentun. „Und dies ist erst der Anfang“, sagt ein Demonstrant.

In der Nordstadt sehen sich Mieter von der Gentrifizierung bedroht. Sie schließen sich mit betroffenen Hausgemeinschaften aus anderen Stadtteilen zusammen.

Seit dem Sommer wehren sich die etwa 20 Mieter (aus zehn Mietparteien) in der Fliederstraße dagegen, dass ein Teil der geplanten Modernisierung auf die Miete aufgeschlagen wird. Für die Mieter, die in 50 bis 80 Quadratmeter großen Wohnungen leben, geht es um ein Plus von bis zu 300 Euro monatlich. Der Schweizer Investor hatte die Hausverwaltung Delta Force beauftragt, das Gebäude für 278 100 Euro modernisieren zu lassen. Elf Prozent der Kosten darf der Eigentümer auf die Miete um legen. „Das können sich viele gar nicht leisten, dann müssen sie ausziehen“, sagt einer der Mieter.

Man spricht für die Hausgemeinschaft und so wollen die Bewohner der Fliederstraße namentlich nicht herausgehoben werden. Aber sie sprechen offen an, was ihr Plan ist. „Wir vernetzten uns mit anderen Haus- oder sogar Stadtteilgemeinschaften, die ebenfalls von steigenden Mieten und damit der Verdrängung aus ihren Kiezen bedroht sind.“ Einzelne Mietparteien könnten sich gegen Investoren nicht zur Wehr setzen. Aber da so viele Menschen betroffen seien und da der Wohnraum immer knapper werde und immer stärker von Investoren aufgekauft würde, könne man gemeinsam kämpfen.

„Die finanziell angespannte Situation auf den städtischen Wohnungsmärkten spitzt sich immer weiter zu und gehört zu den wichtigsten sozialen Problemen dieser Zeit, die es zu lösen gilt“, sagt eine der Rednerinnen. Seit geraumer Zeit werde auch der hannoversche Wohnungsmarkt von diesen Entwicklungen heimgesucht. „Verantwortlich für die rasant steigenden Mieten und für viele Menschen kaum noch bezahlbaren Wohnungen sind Investoren und Gesellschaften, die den hochgekochten Immobilienmarkt als lukratives Anlage- und Geschäftsmodell mit allen Mitteln ausnutzen und weiter anheizen, um mit Ihren Investmentstrategien möglichst schnell satte Gewinne einzufahren. Und ein politisches Klima, das all dieses fördert und ermöglicht.“

Von Petra Rückerl

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