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Meine Stadt So soll Obdachlosen in Hannover geholfen werden
Hannover Meine Stadt So soll Obdachlosen in Hannover geholfen werden
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12:32 11.03.2018
OBDACHLOS: 400 Menschen schlafen in Hannover im Freien.  Quelle: Foto: Schaarschmidt
HANNOVER

 Wohnungslosigkeit nimmt stark zu – auch in Hannover. Nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe gab es 2016 deutschlandweit 860 000 Menschen ohne eigene Wohnung, ein Anstieg um 150 Prozent gegenüber 2014. Davon lebten 52 000 auf der Straße, waren also obdachlos. Für 2017/18 wird mit einem weiteren Anstieg um 350 000 Menschen auf 1,2 Millionen Wohnungslose gerechnet.

Zahlen, die aus einer am Montag im Sozialausschuss des hannoverschen Rats vorgestellten Informationsdrucksache hervorgehen. Für Hannover geht die Verwaltung von derzeit 4000 Wohnungslosen aus, von denen 400 regelmäßig im Freien schlafen.

Vorbild „Housing First“

Wer erstmal auf der Straße lebt, hat es schwer, wieder eine Wohnung zu finden. Oft gibt es Gründe, die Vermieter zurückhaltend bleiben lassen: Alkoholprobleme, Verschuldung, Entlassung aus der Haft und andere. Hier setzt nun ein Antrag der Ampel-Koalition an: Die Verwaltung soll gemeinsam mit der Region ein Pilotprojekt „Niedrigschwelliges Wohnen“ planen. Gemeint ist damit das aus den USA stammende Konzept „Housing First“: Zuerst ein Dach über dem Kopf, um die Lebenssituation zu stabilisieren, alle anderen Hilfsangebote erst danach.

„Es hat sich gezeigt, dass sich dabei die Wohnstabilität und der Gesundheitszustand verbessern, der Alkoholkonsum abnimmt und die Therapiebereitschaft steigt“, so Angelo Alter (SPD). „Und am Ende können sich so die Gesamtkosten für die Kommune um 50 Prozent reduzieren.“ Bis zur Sommerpause soll die Verwaltung nun einen Entwurf vorlegen. Der Antrag wurde ohne Gegenstimme mit einer Enthaltung angenommen.

Prüfauftrag Kältebus

Einstimmig wurde beschlossen, dass die Verwaltung eine Ausweitung des Kältebus-Projekts prüfen soll. Die Gruppe der Linken und Piraten hatte dazu ursprünglich einen umfassenderen Antrag eingebracht, der mit der Ampel-Koalition zu einem Prüfantrag abgeändert wurde.

Bessere Grundversorgung

Ein umfassenderes Programm zur Verbesserung der Grundversorgung Wohnungsloser wollte die FRAKTION von Julian Klippert prüfen lassen. „Es geht uns um die Suche nach ganzheitlichen Maßnahmen an 365 Tagen im Jahr“, betonte Klippert. Nach Ansicht der Mehrheitsfraktionen rennt er damit jedoch bei der Verwaltung nur offene Türen ein,da die zu Sitzungsbeginn vorgestellte Informationsdrucksache der Verwaltung ja bereits jede Menge von geplanten Projekten anzeige, die in genau diese Richtung zielten, so Angelo Alter: „Konsequenter Weise hätten sie ihren Antrag zurückziehen müssen.“

Was Klippert so nicht hinnehmen wollte: „Wir wollen Maßnahmen für den nächsten Haushalt, nicht erst in eineinhalb Jahren“, betonte er. Vergeblich. Der Antrag wurde abgelehnt.

Von Andreas Krasselt

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