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Meine Stadt Hannover: Christian Wulff ist wieder da
Hannover Meine Stadt Hannover: Christian Wulff ist wieder da
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00:15 13.05.2013
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Hannover

Schon vor dem Eingang des hannoverschen Rathauses ist es ein bisschen wie früher. Roter Teppich, Limousine hält an, Christian Wulff steigt unter Blitzlichtgewitter aus. Drahtig ist er aber geworden, braun gebrannt, ohne Brille. „Wie geht es Ihnen?“, fragt ein Reporter. „Mir geht es gut“, antwortet Wulff und lächelt. „Wenn man unter Freunden ist, geht es einem immer gut.“ Gestern war Christian Wulff unter Freunden. Bei der Hauptversammlung der deutsch-japanischen Gesellschaften hielt das ehemalige Staatsoberhaupt die Gastrede - der erste öffentliche Auftritt, nachdem vor einem Monat die Staatsanwaltschaft Hannover Anklage wegen Bestechlichkeit gegen ihn erhoben hatte.

Doch davon ist in den Redebeiträgen nichts zu hören, statt dessen wird Wulff vor allem von den japanischen Gästen gelobt. Wulff hat bereits als Ministerpräsident Japan mehrfach besucht, eine Partnerschaft zwischen Niedersachsen und der Präfektur Tokoshima mitbegründet und war als Bundespräsident 2011 in die von Erdbeben, Tsunami und Atomkatastrophe heimgesuchte Präfektur Fukushima gereist. „Die Freundschaft, die Sie in diesen unterschiedlichen Gesten gezeigt haben, hat uns sehr berührt“, sagt der ehemalige Botschafter Keizo Kimura.

Wulff gebühre für seinen Einsatz für die deutsch-japanischen Beziehungen „ein ganz besonderer Dank“, sagt Minuro Kiuchi. Der Vize-Außenminister Japans ist der zweite Star der Veranstaltung - extra für die Tagung und vor allem, um Wulff seinen Respekt zu erweisen, war er nach Deutschland gereist. Kiuchi hält seinen Vortrag in flüssigem Deutsch - der Diplomatensohn war in Bad Godesberg zur Grundschule gegangen.

Genau wegen seiner Rolle für die deutsch-japanischen Beziehungen habe man Wulff im Dezember 2012 als Redner eingeladen, hatte Ruprecht Vondrann, Präsident der deutsch-japanischen Gesellschaften, schon vor der Veranstaltung gesagt. Dass der Gastredner zu einer erhöhten Medienaufmerksamkeit geführt hatte, hätte dabei keine Rolle gespielt, so Vondrann. „Wir würden uns aber freuen, wenn das Interesse jedes Mal so groß wäre.“

Doch natürlich sind die meisten Medienvertreter wegen Wulff hier. Als der Bundespräsident a.D. ans Rednerpult tritt, klicken die Kameras los. Mit einem entspannten „Konichi wa“ begrüßt Wulff die Runde im Hodlersaal. Er spricht locker, lächelt, steht oft mit einer Hand in der Hosentasche, während die andere Hand mit gemessenen Gesten seine Ausführungen unterstreicht.

Fast 40 Minuten lange spricht er präsidial, ohne ins Pathos abzugleiten. Wulff zählt die Arbeitsfelder wie den demographischen Wandel, die Globalisierung oder die Verschuldung der Staatshaushalte auf. Er sagt, was er sich von der Politik wünscht, wie etwa ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan, ohne in die Details zu gehen. Es ist eine Richtlinien-Rede, wie Wulff sie als aktiver Ministerpräsident gerne gehalten hat. Und er vergisst nicht, trotz aller Schwierigkeiten, die er benannt hat, die Stärken der beiden Länder zu loben. Wenn es um globale Herausforderungen wie Umweltschutz, die Energiewende oder den Frieden gehe, seien „Deutschland und Japan beide ein Teil der Lösung, nicht ein Teil des Problems - darauf dürfen wir stolz sein“.

Doch nach der Rede ist Kaffeepause und anstatt freundlicher Worte begegnet Wulff wieder den Kameras und Mikrofonen, deren Träger nun wieder vor allem eins wissen wollen: Was sagt der Ex-Bundespräsident zur Anklage gegen ihn? „Ich habe mich seit dem Rücktritt nicht geäußert und werde es vor Abschluss des Verfahrens auch nicht tun“, entgegnet er lächelnd. Er sehe dem Prozess gelassen entgegen, denn von 35 Justiz-Vorgängen, die in Hannover, Berlin und Stuttgart gegen ihn aufgegriffen wurden, seien 34 mittlerweile „wunderbar erledigt, und der 35. wird noch zu erledigen sein - danach werde ich mir überlegen, ob ich etwas dazu sagen werde.“ Er habe dazu Interviewanfragen aus der ganzen Republik.

Dann appellierte Wulff an die Medien, sich mit Kritik zurückzuhalten, auch gegenüber der Staatsanwaltschaft. „Mir wäre es lieber, wenn man die Justiz einfach mal ihre Arbeit machen ließe.“ Ob das Kritik an den Medien sei, will ein Reporter wissen. „Ich habe die Medien nicht kritisiert“, entgegnet Wulff nun schon nicht mehr lächelnd.

Das war die letzte Frage, denn dann will auch Wulff in Ruhe gelassen werden. Nach der Pause war der Ex-Bundespräsident nur noch Zuhörer. Das Thema der Diskussion: Japans schlechtes Image in deutschen Medien und die Ursachen dafür.

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