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Meine Stadt Hannover: Bombe sprengt Riss in Hauswand
Hannover Meine Stadt Hannover: Bombe sprengt Riss in Hauswand
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00:15 10.01.2013
Sprengung: Norbert und Marina Lange wollten den Ort, an dem die Bombe entschärft wurde, selbst sehen. Quelle: Natalie Becker
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Hannover

Der Vorgarten des Mehrfamilienhauses Siebenschönweg 2 am Sahlkamp wurde gestern zum Besuchermagneten. Im Minutentakt pilgerten Schaulustige an den Ort, an dem Sprengmeister Marcus Rausch (38) Sonntag eine Zehn-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg kontrolliert zur Explosion gebracht hatte (NP berichtete). Martina (47) und Norbert (52) Lange: „Wir wollten einfach mal die Stelle live sehen, die durch alle Medien gegangen ist“, so das Paar aus der Nordstadt.

Es war ein Hauch von Katastrophentourismus, den die Bewohner gestern erlebten. Rentner aus der Nachbarschaft interessierten sich für den Einsatzort genauso wie Schüler, die mit ihren Handy-Kameras Videos und Fotos vom aufgesprengten Erdreich machten. Die Mieter kümmerten mehr die Schäden, die die Druckwelle im Haus hinterlassen hatte – zum Beispiel ein Riss im Mauerwerk des Fahrradkellers. Doch der Riss scheint harmlos: „Ein Statiker der Bauverwaltung hat den Schaden als unbedenklich eingestuft“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix. Deshalb durften die Bewohner auch gleich in ihre Wohnungen zurück.

Ein Sachverständiger soll sich den Schaden aber noch einmal ansehen, sagt Melanie Römermann, Pressesprecherin der Firma Meravis, die für den Berliner Eigentümer Corpus Sireo die Immobilie verwaltet: „Alles wird saniert. Auch die Grünanlage vor dem Haus wird wieder instand gesetzt.“ In den Wohnungen halten sich die Schäden ebenfalls in Grenzen. Bei einigen Mietern sind Türen und Fenster leicht verzogen, bei anderen ist Geschirr aus den Schränken gefallen und zerbrochen. „Bei mir ist eine Vase kaputtgegangen. An unserem Weihnachtsbaum ist aber jede Kugel ganz geblieben“, so Tatjana Sauerbrei (34). Sprengmeister Rausch ist zufrieden: „Ich habe mit mehr Schäden gerechnet.“ Noch nie habe er eine Zehn-Zentner-Bombe so nah an einem Wohnhaus gesprengt. Nur 3,5 Meter trennten den Blindgänger vom Schlafzimmer der Sauerbreis.

Die Sprengung am Sonntag ist sogar seismologisch aufgezeichnet worden. Der Niedersächsische Erdbebendienst (NED) hat einen Wert von 0,2 Magnitude (gleichzusetzen mit der bekannten Richterskala bei Erdbeben) festgestellt. Noch mehr gekracht hatte es allerdings am 30. Januar 2011 bei der Sprengung eines Blindgängers in Langenhagen. Die Explosion sei „mit einer Magnitude von 0,5 bewertet worden“, erklärt NED-Seismologin Monika Bischoff.

Nach der Bombe ist vor der Bombe: Nächste Woche werden Kampfmittelbeseitigungdienst (KBD) und Feuerwehr sich treffen, um über weitere Bombenräumungen zu beraten, bestätigte KBD-Leiter Thomas Bleicher. Die geplagten Bewohner in Vahrenheide und Sahlkamp müssten so schnell aber nicht mit einer erneuten Evakuierung rechnen. Bleicher: „In diesem Bereich wollen wir vorerst Ruhe einkehren lassen.“

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