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Meine Stadt Hannover: Bewährungsstrafe für Betreiber nach Todesfall im Freibad Arnum
Hannover Meine Stadt Hannover: Bewährungsstrafe für Betreiber nach Todesfall im Freibad Arnum
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17:42 31.05.2018
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Hannover

Im Prozess um den Tod der zweijährigen Sophia kam es jetzt zu einem Urteil. Der Geschäftsführer des Freibades Arnum wurde am Donnerstag wegen fahrlässiger Tötung zu sechs Monaten auf Bewährung und zu der Zahlung eines Schmerzensgeldes von 10.000 Euro an die Eltern des Kindes verurteilt.

Richterin Tina-Angela Lindner sah es als erwiesen an, dass Jürgen G. nicht für die notwendige Sicherheit im Bad gesorgt hatte. Sophia war vor zwei Jahren in einem Revisionsschacht auf dem Gelände ertrunken, dessen Deckel etwa 15 Zentimeter offen stand.

Mit dem Urteil blieb die Richterin knapp unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von acht Monaten. Verteidiger Christian Steding hatte dagegen den Freispruch seines Mandanten gefordert. Der hatte in seinen letzten Worten vor dem Urteil noch sein Mitgefühl geäußert: "Das ist das Schlimmste, was einem Schwimmbadbetreiber überhaupt passieren kann. Es tut mir außerordentlich leid, dass es zu dem tragischen Vorfall kommen konnte."

Dieses Mitgefühl rechnete ihm die Richterin schuldmildernd an, ebenso wie seine Mitarbeit im Prozess. Sie glaubte dem Geschäftsführer jedoch nicht, dass er den Schacht am morgen verschlossen gesehen hatte: "Für mich steht fest, dass der Schacht nicht richtig verschlossen war." Entweder, weil Jürgen G. ihn am morgen für eine Kontrolle selbst geöffnet hatte oder eine Badeaufsicht, wegen einer später anstehenden Filterprüfung. In jedem Fall habe der Geschäftsführer die Verantwortung für den Schacht, in dem später ein Kind ertrank.

Mehrere denkbare Alternativ-Varianten waren im Prozess angeklungen, auch Verteidiger Steding hatte mögliche Hergänge geschildert. Dem Gericht waren sie aber zu abwegig. Dass Dritte den Schacht geöffnet hätten, schloss die Richterin aus. "So etwas machen nur Kinder und für die ist der 25 Kilo Deckel zu schwer." Zudem sei der Deckel nicht einfach zu öffnen, sondern nur mit einem entsprechenden Werkzeug und Kenntnis der Deckelmechanik."

Dass der Deckel erst bei der schnell und groß angelegten Suche nach dem verschwundenen Kind geöffnet wurde und Sophia dann erst durch den Spalt rutschte, hielt sie für abwegig. "Wenn der Deckel plan aufliegt, warum sollte ihn ein Badegast dann überhaupt anheben?", so Lindner.

Offenbar keinen Glauben schenkte sie den mehreren Zeugen, die den Deckel am morgen und teilweise auch noch direkt vor dem Unglück verschlossen gesehen haben wollen - auf sie hatte die Verteidigung im Plädoyer noch explizit hingewiesen. Ebenso wie auf die Aussagen von Mitarbeitern, dass der Schacht nur vor Saisonbeginn einmal geöffnet und sonst nie benötigt werde.

Während den teilweise sehr detaillierten Plädoyers brach Sophias Mutter in Tränen aus, verließ schließlich sogar den Raum. "Sie befürchtete mehr über das gerichtsmedizinische Gutachten zu hören", erklärte Nebenkläger-Anwalt Professor Michael Nagel später. Mit dem Schuldspruch sei man aber zufrieden, kommentierte er nach Prozessende. "Den Eltern war es wichtig, dass die rechtliche Verantwortlichkeit geklärt wurde - und nicht wie hoch das Strafmaß ist. Strafrecht kann den Verlust eines Kindes niemals wieder gut machen."

von Simon Polreich

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