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Hannover: Beging Filialleiter Bankraub?

Er liebt schnelle Autos und teure Uhren: Nicolas F. gab mehr Geld aus, als er als Filialleiter in der Santander Bank in Vahrenwald verdiente. Nun steht er vor Gericht, weil er mit einem Komplizen seine Bank überfallen haben soll. Beute: 367 500 Euro.

hannover.  Es war ein perfider Plan: Die Polizei brauchte mehr als fünf Monate, um den Überfall auf die Santander-Bank in der Vahrenwalder Straße aufzuklären. Am 5. Dezember wurden Ehsan J. (32) und Nicolas F. (32) festgenommen. F. war der Filialleiter der Bank.

Gestern betrat der große, schlanke Mann mit lässigem Schick den Gerichtssaal H 2 im Landgericht. Weißes Hemd, blaues Sacco und Basecap in dunkelgrau. Gesagt hat er nichts. Nach der Anklageverlesung trafen sich Anwälte, Staatsanwalt und Gericht zu einem Verständigungsgespräch. Die Anwälte hatten darum gebeten – unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Der 22. Juni 2016 war ein schöner Sommertag. Nicolas F. wurde um 8.25 Uhr auf dem Weg zur Arbeit abgepasst. Ein Bankräuber bedrohte ihn mit der Waffe. In der Bank waren zwei weitere Mitarbeiter. Laut Anklage hielt Ehsan J. einem Mitarbeiter die Pistole an den Kopf. Er fesselte ihn mit Kabelbinder. Mit einer Handgranate und Pistole erpresste der Täter den Tresorcode. Ehsan J. habe seinem Opfer einen Stoffbeutel über den Kopf gezogen. Nicolas F. gab den zweiten Code ein. Der Räuber flüchtete 9.09 Uhr mit 367 500 Euro. Rund 150 000 Euro im Kassentresor blieben zurück.

Ein Umstand kam den Ermittlern gleich verdächtig vor: Nicolas F. hatte am Vortag eine verdächtig hohe Summe Bargeld geordert. Dann machte er unterschiedliche Angaben zur Zahl der Täter. Zuerst sollen es drei Räuber gewesen sein, später war nur noch von zwei Tätern die Rede. In der Bank gab es zur Tatzeit keine Videoüberwachung. Die Polizei leitete eine Telefonüberwachung ein.

Und dann der Lebensstil: Nicolas F. kaufte sich im Juli einen Porsche Cayenne, drei Monate später einen Mercedes SL AMG. Bei der Hausdursuchung am 5. Dezember beschlagnahmten die Fahnder drei Rolex-Uhren und zwei weitere Luxusuhren. Der Filialleiter wollte zudem noch eine Eigentumswohnung in Gehrden für 165 000 Euro kaufen. Er soll auch im erheblichen Maße Spielschulden gehabt haben. Auch Ehsan J., gut bekannt mit F., wollte auch eine Eigentumswohnung kaufen (Wert: 90 000 Euro). Auch bei ihm fand die Polizei eine Rolex und einen Revolver Ruger GP 100. Für diese Waffe habe J. keinen Waffenschein, heißt es in der Anklage. Für die Angeklagten geht es um viel: Für schweren erpresserischen Raub stehen mindestens fünf Jahre Haft. Der Staatsanwalt geht davon aus, dass der Raub mit einer echten Waffe verübt wurde. Die Anwälte werden versuchen, das anzuzweifeln.

die Verständigungsgespräche dauerten gestern zwei Stunden. Zum Ergebnis wollte sich der Anwalt von F., Matthias Waldraff, nicht äußern: „Wir haben Verschwiegenheit vereinbart.“

Am Dienstag geht es weiter. Mit Geständnissen der Angeklagten?

Von Thomas Nagel


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