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Meine Stadt Hambacher Forst in Mini: Aktivisten besetzen Baum in Hannover
Hannover Meine Stadt Hambacher Forst in Mini: Aktivisten besetzen Baum in Hannover
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06:00 09.10.2018
Solidarität mit „Hambi": Am Ihmeufer haben die Aktivisten einen Baum besetzt. Quelle: Foto: Behrens
Hannover

Während die Polizei den von der Rodung bedrohten Hambacher Forst verlassen hat, haben Umweltaktivisten in Hannover ihr eigenes „Hambi“ gegründet – im ganz, ganz kleinen Format: Unter dem Motto „Hambi ist überall! Auch in Hannover!“ haben die Unbekannten einen Baum am Ihme-Ufer gegenüber vom Kulturzentrum Faust „besetzt“. Bei der NP ging dazu ein anonymes Schreiben der „Aktionsgruppe Hambi in Hannover“ ein.

Drei schlaffe Transparente sowie eine verwitterte, in die Astgabel genagelte Euro-Palette: Mehr ist das „Baumhaus“ der Aktivisten an der Fährmannsbrücke nicht. Aber in rund zehn Metern Höhe, immerhin. Und: Es ist ein Hingucker für jeden, der auf der Fähmannsbrücke oder dem Emma-Frede-Weg zu Fuß oder per Rad vorbeizieht.

Es geht um „Hambi“ – und um Nordsyrien

Von „besetzt“ kann bei der alten Pappel allerdings nur bedingt die Rede sein, denn das Baumhaus ist verwaist; keine Menschen sind zu sehen. Die Parolen fallen allerdings schon ins Auge: „RWE – Scheißverein“ sowie „Hambi bis Rojava, Widerstand ist da“ ist auf den Transparenten zu lesen. Zur Erklärung: „Rojava“ ist die Bezeichnung des autonomen Gebiets „Demokratische Föderation Nordsyrien“, die auch für viele Linke als ein Ort gelungener Revolution gilt. Ein drittes Plakat ist eingefallen, die Aufschrift nicht zu entziffern.

„Im Kampf um den Hambacher Forst geht es nicht nur darum, einen Wald vor seiner Zerstörung zu bewahren, das Klima zu retten und RWE zu stoppen“, so die Aktivisten in ihrem Schreiben. „Er ist ein Symbol geworden für Kämpfe, in denen kapitalistische Ökonomie aufgedeckt und angegriffen wird.“ Mit der Baumaktion in Hannover ruft die Gruppe auf, sich dem Protest anzuschließen: „Fahrt in den Hambacher Forst oder baut Baumhäuser wo ihr seid. Überprüft eure Stromanbieter und wechselt sie.“ (Das komplette Schreiben unter www.neuepresse.de.)

Das Schreiben der Aktionsgruppe „Hambi in Hannover“

Hier das vollständige Schreiben der „Aktionsgruppe Hambi in Hannover“:

„Heute haben wir einen Baum in Hannover mit einem Baumhaus besetzt. Der Baum befindet sich zwischen den Stadtteilen Nordstadt und Linden an der Faustbrücke neben dem Üstra-Depot. Dies ist eine Aktion in Solidarität mit den Kämpfen im Hambacher Forst und auf der ganzen Welt. Deshalb haben wir Transparente mit der Aufschrift „RWE - Scheißverein“ und „Hambi bis Rojava, Widerstand ist da“ angebracht. Der Hambacher Forst ist ein 12 000 Jahre alter Wald in Nordrhein-Westfalen und soll für die darunter liegende Braunkohle von RWE gerodet werden. Seit 6 Jahren widersetzen sich dort verschiedenste Aktivist*innen dieser Ausbeutung der Natur und der Vernichtung von Lebensräumen, indem sie beispielsweise Baumhäuser in den Baumkronen errichtet haben. Seit etwas über 3 Wochen werden nun die Baumhäuser und die dazu gehörenden Bodenstrukturen gewaltsam von der Polizei geräumt, um der kapitalistischen Verwertung von Natur und Lebensraum einen Weg zu bahnen. Im Kampf um den Hambacher Forst geht es nicht nur darum, einen Wald vor seiner Zerstörung zu bewahren, das Klima zu retten und RWE zu stoppen. Er ist ein Symbol geworden für Kämpfe, in denen kapitalistische Ökonomie aufgedeckt und angegriffen wird. Und so ist für uns klar: Ihr könnt die Baumhäuser räumen, aber nicht unseren Widerstand. Ihr könnt versuchen, uns im Hambacher Forst in den Boden zu stampfen, aber an 1000 neuen Orten wird unser Widerstand erneut aus dem Boden sprießen. Die Wurzeln des Hambacher Forsts reichen bis nach Hannover und unsere Solidarität reicht um den Globus. Unser Widerstand ist überall, ob im Wald in NRW oder in den Bergen Kurdistans! Unser Widerstand geht weiter, solange bis ein Leben in Freiheit und Gleichheit für alle möglich ist. Schließt euch unserem Protest an. Fahrt in den Hambacher Forst oder baut Baumhäuser wo ihr seid. Überprüft eure Stromanbieter und wechselt sie. Hambi bleibt und Hambi ist überall! Auch in Hannover! Wir grüßen die Gefangenen! Free them all! Aktionsgruppe Hambi in Hannover“.

Bei der Stadt Hannover reagiert man verhalten: Man werde die Situation vor Ort anschauen und klären, ob dieser Aufbau vorübergehend bleiben kann oder aus ordnungs- oder baumschutzrechtlichen Gründen entfernt werden muss.

Von Simon Polreich

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