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Gericht

Hannover: Bassam A. zu drei Jahren Haft verurteilt

Tränen und gezeichnete Gesichter im Gerichtssaal: Für einen tödlichen Schuss auf einen jungen Einbrecher muss ein bis dahin unbescholtener Sportschütze drei Jahre in Haft. Die Angehörigen des Opfers ringen um Fassung. 

Hannover. Für einen tödlichen Schuss auf einen jungen Einbrecher muss ein Sportschütze in Hannover drei Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht verurteilte den 41-Jährigen am Donnerstag wegen Totschlags. Vor der Tat im Juni war der Besitzer einer Autowerkstatt nachts durch Lärm geweckt worden und hatte draußen mehrere junge Männer wahrgenommen. Nach dem Öffnen der Haustür habe er auf den 18-Jährigen geschossen, weil er sich bedroht gefühlt habe, hatte der Schütze zu Prozessauftakt gesagt.

Seine Verteidigung hatte deswegen auf Notwehr plädiert und einen Freispruch gefordert. Die Anklage hatte sechseinhalb Jahre Haft verlangt. Der Fall hatte über Hannover hinaus für Aufsehen gesorgt.

Zur Verhandlung waren auch die Angehörigen des aus Moldawien stammenden Opfers angereist, im Gerichtssaal rangen sie immer wieder um Fassung. Empört über das Strafmaß stürmte der Vater des 18-Jährigen nach dem Urteilsspruch aus dem Saal, während die Mutter schluchzend ihren Kopf in die Arme legte. Der getötete junge Mann hatte sich mit drei Freunden erstmals auf einer Auslandsreise befunden.

Der Täter, ein ebenfalls aus dem Ausland stammende Werkstattbesitzer, war in seinem Stadtteil in Hannover sehr beliebt und bislang nie negativ aufgefallen. Als "Paradebeispiel einer gelungenen Integration" bezeichnete ihn der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch in der Urteilsbegründung. "Sie haben in einem Sekundenbruchteil falsch entschieden", meinte Rosenbusch zu dem Angeklagten. Wut, Angst oder Empörung hätten den Schützen bewegt, abzudrücken. Dabei habe er den Tod des jungen Mannes billigend in Kauf genommen.

"Sie haben erkannt, dass die Jungs auf der Flucht waren, dass sie weg wollten, und Sie haben dennoch geschossen." Aus etwa zwei Meter Entfernung traf der trainierte Sportschütze den jungen Mann in die Schulter. Ausdrücklich nahm Rosenbusch die jungen Männer vor dem Vorwurf in Schutz, als Diebesbande unterwegs gewesen zu sein. Am Ende der Ausbildung seien die vier zu einer Europareise aufgebrochen, die sie auch zu Angehörigen nach Norddeutschland führte. "Die waren einfach hier und irgendwann war das Geld alle."

Aus finanzieller Not heraus hätten sie dann etwas stehlen wollen. "So ist das, wenn man aus einem Land wie Moldawien in ein Hochpreisland wie Deutschland kommt."

"Die Entscheidung ist der Kammer wirklich schwer gefallen", sagte Rosenbusch. "Wir haben hier etwas auszugleichen, was man nicht ausgleichen kann." Mehrfach hatte der Schütze sich zu Prozessbeginn bei den Angehörigen entschuldigt. dpa

 


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