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VERSUCH: Studenten haben Modellautos mit dem Internet verbunden und können so diverse Experimente durchführen – Professor Markus Fidler forscht mit.

VERSUCH: Studenten haben Modellautos mit dem Internet verbunden und können so diverse Experimente durchführen – Professor Markus Fidler forscht mit.
© Foto: Heusel

Fakultäten-Serie

Hannover: Autonomes Fahren stellt die Universität noch vor viele Fragen

Markus Fidler forscht mit seinen Studenten am Thema Kommunikation zwischen Autonomen Fahrzeugen – und an Möglichkeiten, den Verkehr generell fließender und sicherer zu gestalten. Dabei geht es um komplexe Probleme. Aber auch um alltägliche Fragen – zum Beispiel, wie die nervige Parkplatzsuche verkürzt werden kann.

Hannover. Mehr als 28 000 Studenten, 326 Professoren und neun Fakultäten – Hannover ist Universitätsstadt. In einer Serie stellt NP-Redakteur Sebastian Scherer verschiedene Institute vor. Und lässt die Professoren erklären, wie ihre Forschung die Welt ein Stückchen besser machen soll. In Folge 2 besucht Sebastian Scherer die Fakultät für Elektrotechnik und Informatik.

Autobahn, 130 Kilometer pro Stunde. Der Fahrer? Liest entspannt Zeitung. Bis das Auto plötzlich Radau macht: Hindernis voraus. Das Fahrzeug will die Verantwortung abgeben, der Fahrer soll wieder übernehmen – aber schafft er das noch rechtzeitig?

Es ist eine von Hunderten Fragen, die Markus Fidler vom Insitut für Kommunikationstechnik beschäftigen. Er ist Mitglied des Graduiertenkolleg SocialCars. Es geht dabei um selbstfahrende, also autonome Autos. Und wie dies nicht nur technisch, sondern eben auch menschlich funktionieren kann.

„Es ist schon eine Menge möglich“, sagt der 44-Jährige. „Es gibt Einparkhilfen, Abstandmesser, die ermitteln, wie weit ein anderes Auto vor dem eigenen fährt. Wir können ein Fahrzeug relativ sicher auf einer Spur fahren lassen - mit einer vom Fahrer bestimmten Geschwindigkeit.“ Und doch ist die Erfüllung des Traums von den selbstfahrenden Autos noch in sehr weiter Ferne. „Wir beschäftigen uns mit vielen Detailfragen, die erst einmal beantwortet werden müssen.“

In der Leibniz Universität Hannover – zu dem Forschungsverbund gehören auch die Technischen Universitäten in Braunschweig und Clausthal – wird zu verschiedenen Problemen geforscht. „Ein Doktorand arbeitet an einer kooperativen Parkplatzsuche.“ Das bedeutet: Autos scannen ihre Umgebung und bemerken Lücken. Diese melden sie. Parkplatzsuchende können die freien Flächen in ihrem Auto auf einem Bildschirm sehen – und so die Suchzeit verringern. „Diejenigen, die einen Parkplatz suchen, bilden in der Stadt einen erheblichen Anteil am Gesamtverkehr. Wenn man dies vereinfachen könnte, würde die Belastung sofort zurückgehen“, sagt Fidler. Was wiederum den Einsatz von selbstfahrenden Autos erleichtern könnte. Weniger Verkehr – weniger Unfallrisiken. Klingt eigentlich einfach, „stellt uns aber vor viele Herausforderungen. Die Autos müssen ja auch erkennen, ob es eine nutzbare Lücke ist – oder zum Beispiel eine Einfahrt.“

Ein anderes Thema ist zum Beispiel Linksabbiegen. Das sei wenig effizient, sorge oft für Unfälle und koste viel Zeit. Nicht nur unsichere Fahrer hätten ein Interesse daran, Linksabbiegen zu vermeiden. „Aufgrund des zeitlichen Aufwandes ist das auch für Lieferverkehr spannend.“ Ein drittes Doktorarbeitsbeispiel ist Shared Mobility: „Die meisten Autos stehen nur rum – es wird nun erforscht, wie man sie nutzen könnte und gleichzeitig Zuverlässigkeit hat“, so Fidler. Die Menschen würden sich nur auf solche Systeme einlassen, wenn sie nicht plötzlich irgendwo ohne Auto rumstehen.

Die großen Fragen liegen aber vor allem in den schwer zu berechnenden Ereignissen – wie dem Beispiel mit der Baustelle. „Ein Verkehrspsychologe beschäftigt sich mit solchen Fragen wie: Wie schnell kann ein Mensch, der abgelenkt ist, weil er im Auto andere Sachen macht als Fahren, eigentlich reagieren?“ Und es geht um Fragen wie: Kann ein autonomes System verantwortlich gemacht werden, etwa bei einem Unfall? „Bei Einparkhilfen lenkt derzeit das Auto, aber der Fahrer gibt Gas – aus genau diesem Grund.“

Das Institut für Kommunikationstechnik beschäftigt sich in den ganzen Fragenstellungen vor allem mit der Verbindung der verschiedenen Autos – die eben Social sein sollen, wie in Sozialen Netzwerken Infos untereinander teilen. Die Idee: Wenn andere Autos vor der Baustelle warnen, wird man selbst nicht überrascht. Im Fall des einleitenden Beispiels würde das bedeuten: Das Auto bremst ab. „Und Sie können weiter Zeitung lesen.“ Zukunftsmusik. Bis es genug Antworten gibt.

Von Sebastian Scherer

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