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AfD-Parteitag

Hannover: Ausnahmezustand im Zooviertel

Bunt und zumeist friedlich lief der Protest gegen den AfD-Bundesparteitag. Allerdings gab es auch gewalttätige Aktionen und Verletzte – auf Seiten der AfD-Delegierten ebenso wie bei Demonstranten und Polizisten. Zum Protestauftakt am Morgen kamen laut Polizei mehr als 4000 Demonstranten, die Veranstalter sprachen von 9500 Teilnehmern. „Wir sind stärker“, hatte Marianne Winkler, Überlebende des Holocaust, der AfD entgegengehalten.

Hannover. Die schwarz Vermummten waren am Sonnabend früh aufgestanden. Schon morgens kurz nach sechs Uhr zogen sie durch das Zooviertel, immer wieder gestoppt von Polizeibeamten und Barrieren. Mehrere Tausend Menschen demonstrierten gegen die AfD und deren Bundesparteitag. Dabei gab es Verletzte auf allen Seiten, doch im Großen und Ganzen einen friedlichen Protest.

Mit Sitzblockaden hatten Hunderte von Demonstranten am Morgen zunächst versucht, die Anreise der AfD-Delegierten zu stören. An der Kleefelder Straße hatten sich zwei Protestler an ein Metallgestänge gekettet. Als den einen (47) Kräfte der Technischen Einsatzeinheit von dem Kegel lösten, erlitt der Mann einen Beinbruch und musste ins Krankenhaus. Einen  Polizisten traf eine Flasche, einen anderen ein Stein am Helm. Die Beamten setzten Pfefferspray und Schlagstöcke ein, an der Ecke Schackstraße/Gneisenaustraße schließlich auch einen Wasserwerfer. „In Form von Regen“ , erklärte die Polizei. Sven Kindler sah das als parlamentarischer Beobachter des Protests mit Bedenken. Einen Wasserwerfer bei null Grad anzuwerfen, sei „risikoreich und unverständlich“, sagte der Grünen-Bundestagsabgeordnete. Das werde ein Nachspiel haben.

Einen AfD-Delegierten hatten drei Frauen sowie vier Männer so bedrängt, dass er sich offenbar den Arm brach. Er forderte auf dem Parteitag eine persönliche Entschuldigung von Innenminister Boris Pistorius für „dieses verlotterte Land“.
Gewalt war aber eher die Ausnahme. Tief betroffen hörten Tausende auf dem Theodor-Heuss-Platz der Holocaust-Überlebenden Marianne Wilke zu. Die 88-Jährige rief zur Solidarität mit Opfern von Rassismus in allen Ländern auf. „Und vor der eigenen Haustür müssen wir solidarisch sein mit allen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen mussten“, sagte sie. Es sei unmöglich, im heimischen Wohnzimmer sitzenzubleiben, wenn in einem Land, in dem Millionen Menschen wegen ihrer Abstammung oder politischen Gesinnung von den Nationalsozialisten ermordet wurden, Faschisten erneut das politische Klima vergifteten. Den Demonstranten machte die alte Dame Mut: „Wir sind stärker!“

4200 Demonstranten zählte die Polizei beim Auftakt; am Ende auf dem Georgsplatz berichteten die Veranstalter (allen voran der DGB, die IG Metall, aber auch Bündnispartner) von 9500 Menschen. Auf dem Zug in die City hatte es unplanmäßig noch einen Stopp gegeben. In Höhe der Lavesstraße forderte der Schwarze Block  eine Reduzierung der Polizeikräfte. Die aber ließen sich darauf erwartungsgemäß nicht ein – und der Demozug ging weiter.

Bei der Abschluss-Kundgebung warnte Propst Martin Tenge vor Pauschalierungen, Populismus und Vereinfachungen. Genaues Hinschauen sei gefragt: „Weder sind die Zugewanderten alle gut und die Einheimischen böse, noch ist ein Einheimischer automatisch ein guter Mensch und ein Zugewanderter ein Gefährder.“ Die AfD propagiere „ein ausgrenzendes Menschenbild“.

Für den Zentralrat der Muslime in Niedersachsen erklärte Vorstand Mohammed Belal El-Mogaddedi, wenn Rechtsextreme und Rechtspopulisten Muslime existenziell angriffen, dann griffen sie alle Religionen, Deutschland und die Verfassung an. „Wir stehen hier zusammen und sagen klar und deutlich: Keine Toleranz der Intoleranz.“

Bezirksbürgermeisterin Cornelia Kupsch ist froh, dass nun wieder Ruhe einzieht ins Zooviertel. „Einen erneuten AfD-Bundesparteitag brauchen wir hier so schnell nicht wieder!“

von Vera König


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