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Meine Stadt Hannover: Ast-Ärger geht vor Gericht
Hannover Meine Stadt Hannover: Ast-Ärger geht vor Gericht
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18:22 10.09.2018
Sichtkontrolle: Ein Mitarbeiter der Stadt überprüft Platanen am Maschsee. Quelle: Schaarschmidt
Hannover

Ist die Stadt bei ihrem Baumkontrollen zu schlampig vorgegangen? Ja, mindestens bei einem Fall, glaubt Anwalt Thorsten Thabe genannt Stamm. Er vertritt Mirco S. (Name geändert), auf dessen Autodach im Juni 2017 ein mehrere Meter langer Ast krachte und der daraufhin die Stadt verklagte. Weil die keine Schuld bei sich sieht, geht es vor Gericht. Derweil weitet die Verwaltung ihre Baumkontrollen aus. Zufall? Anwalt Thabe glaubt das nicht.

Es war ein sonniger Tag Anfang Juni 2017, mehr als 20 Grad warm, als Mirko S. eine böse Überraschung erlebte. Quer über dem Dach seines Autos, das er am Rand der Hoppenstedtstraße (Südstadt) geparkt hatte, lag ein mehrere Meter langer Ast. Er muss wenige Augenblicke zuvor von einem Kirschbaum im nahen Grünstreifen abgebrochen sein. Später stellte man morsche Stellen in seinem Inneren fest. Auf sich sitzen lassen wollte der Autoeigner den Schaden nicht, er vermutete schlampige Astkontrollen: Vor Gericht erstritt er mit Anwalt Thabe zunächst Einsicht in die Kontrollakten der Stadt, fühlte sich durch sie in seinem Verdacht bestätigt und klagte kurz danach auf 3400 Euro Schadensersatz. Ein gewichtiger Grund für die Klage: Die Kontrollakte bestand aus einem nur dürftig ausgefüllten Baumkontrollblatt von Oktober 2016, mit vielen offenen Punkten und handschriftlich eingefügten Fragezeichen am Rand.

Jetzt steht ein Gerichtstermin fest: im April 2019. „Auf eine außergerichtliche Einigung will sich die Stadt nicht einlassen“, sagt Anwalt Thabe. „Die Stadt bestreitet Schlamperei. Angeblich hat ein Landschaftsarchitekt im Fachbereich Umwelt und Stadtgrün das dürftig ausgefüllte Blatt gesichtet, den Baumkontrolleur zur Rede gestellt und die offenen Fragen zum betreffenden Baum lange vor dem Unfall geklärt.“ Der Jurist hält das jedoch für wenig glaubwürdig. „Es ist schwer vorstellbar, dass ein so hochrangiger Mitarbeiter niedere Archivkontrolle betreibt.“

Derweil stockt die Stadt ihre Grünflächenpflege um rund 68 Stellen auf – allein ein Viertel davon sind Baumkontrolleure. Mit dem tragischen Maschpark-Unfall, bei dem 2017 ein Mann ums Leben kam, habe das laut Stadtsprecher Dennis Dix zwar nichts zu tun, sondern eher mit der stetig wachsenden Zahl von Grünflächen und Bäumen durch neue Wohngebiete sowie mit jüngsten Wetterkapriolen und ihren Folgen. Das Thema Verkehrssicherung von Bäumen habe aber nicht zuletzt wegen Gerichtsurteilen zu Bauunfällen (auch aus anderen Kommunen) einen noch höheren Stellenwert bekommen, so Dix.

Anwalt Thabe sieht sich deshalb auch im eigenen Vorgehen bestätigt. „Ich bin sicher, dass auch wegen unserer Klage intern mehr Wert darauf gelegt wird, dass nicht nur schlampige Kontrollblätter ausgefüllt werden, sondern der Baum auch mal genauer untersucht wird. Unser Bemühen hat jetzt schon etwas für Hannover gebracht.“

Von Simon Polreich

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