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Ihmezentrum

Hannover: Anderer Blick in die Bauruine

Bauruine und Schandfleck! Das sind nur zwei Namen für den 70er-Jahre-Bau Ihme-Zentrum. Doch Constantin Costa Alexander sieht in dem Gebäudekomplex eine Chance für die Stadt - und zeigte uns seine Welt.

Hannover. „Es braucht nur Mut, dann bietet sich eine neue Perspektive“, sagt Constantin Costa Alexander (32) über das Ihme-Zentrum. Er lässt den Blick über den Fluss schweifen: „Wenn jetzt noch die Sonne scheinen würde und mit einem kühlen Bier in der Hand - ein Traum.“ Auf der anderen Uferseite sind Fahrradfahrer unterwegs, die Spitze des Rathauses ist zu sehen.

Der Hannoveraner sieht das Ihme-Zentrum als Wahrzeichen für Hannover und nicht als Schande: „Ich schaue nicht, was gerade ist, sondern was sein könnte. Ich stelle mir ein großes Atrium sowie viele Blumen und Pflanzen vor.“

Im Sommer letzten Jahres ergriff er die Chance und zog in eine 70-Quadratmeter-Wohnung in der fünften Etage. „Hier hat man richtiges Großstadtfeeling. Und trotzdem habe ich zwei Balkone, sehe das Wasser und hab einen Traumblick über die City. Wo hat man das sonst mitten im Zentrum?“ Ein Selbstversuch für Alexander: „Ich wollte sehen, was das mit mir macht, und mir selbst ein Bild machen. Überall hört und liest man nur negative Dinge über das Ihme-Zentrum - und das seit Jahren.“ Etwa zehn Jahre lebte Alexander zuvor in der Nordstadt, teilweise mit Unterbrechungen. Beruflich ist der 32-Jährige Geisteswissenschaftler - er berät Unternehmen zum Thema Nachhaltigkeit: „Ich treffe gerne unterschiedlichste Arten von Menschen und führe Interviews mit ihnen für meinen Blog. Letztens habe ich eine Gruppe Architekturstudenten durch das Ihme-Zentrum geführt. Die sprudeln nur so vor Ideen.“ Für Alexander ist sein Blog eine Art Tagebuch, wo er mit der Welt seine Eindrücke und Erlebnisse teilt. Er findet es schade, dass das Ihme-Zentrum so negativ gesehen wird: „Das ist kein Slum oder Ghetto hier. Die Wohnungen sind fast alle bewohnt, und das mit den unterschiedlichsten Menschen: Familien, Studenten, Rentner und Personen in meinem Alter.“

Trotz der positiven Einstellung bleibt Alexander realistisch: „Es wirkt schon abschreckend und wie eine Burg. Unten in den Katakomben ist es gruselig. Ich kann schon verstehen, wieso sich hier viele nicht wohlfühlen und besonders Frauen nachts Angst haben. Das ist manchmal wie ein Monster.“ Alexanders Freunde waren erst beunruhigt, als er ihnen sagte, dass er ins Ihme-Zentrum ziehen würde. „Wenn die mich aber besuchen, dann sind sie immer ganz fasziniert von der Größe dieses Gebäudekomplexes - und ein bisschen neidisch sind sie auf meinen Ausblick“, sagt der Hannoveraner grinsend. Seine Eltern waren gleich begeistert: „Die fanden es mutig, dass ich so einen Schritt wage und einen Selbstversuch starte.“

In Verbindung mit seinem Blog bietet Alexander etwa einmal im Monat eine Führung an. Dabei eröffnet er anderen seinen Blick ins Ihme-Zentrum - und auch seine Perspektive. „Es sind zwischen fünf und 20 Leuten dabei. Letztens war ein Architekt unter ihnen. Das Publikum ist immer gemischt. Es gibt schließlich für alles einen Tourismus.“

Alexander mag sein Leben in dem 70er-Jahre-Bau mit „Industrieromantik“ - jeden Tag fühlt er sich inspiriert.

Die nächste Tour: Sonntag um 14 Uhr. Treffpunkt: Capitol. Die Führung ist kostenlos.

www.experimentihmezentrum.wordpress.com


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