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Meine Stadt Hannover: An der Universität wird nach dem besten Licht für jeden gesucht
Hannover Meine Stadt Hannover: An der Universität wird nach dem besten Licht für jeden gesucht
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00:16 08.05.2017
LICHTFORSCHUNG: Roland Lachmayer (links) und Alexander Wolf mit Autoscheinwerfer. Links wird LED-Licht in seine Bestandteile zerlegt, rechts der Lichtstrom in einer „Ulricht’schen Kugel“ gemessen. Quelle: Petrow
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Hannover

Mehr als 28 000 Studenten, 326 Professoren und neun Fakultäten – Hannover ist Universitätsstadt. In einer Serie stellt NP-Redakteur Sebastian Scherer verschiedene Institute vor. Und lässt die Professoren erklären, wie ihre Forschung die Welt ein Stückchen besser machen soll. In Folge 6 besucht Sebastian Scherer die Fakultät für Maschinenbau.

Es sind manchmal nur kleine Dinge. Etwa, dass bei vielen Smartphones heutzutage ein Nachtmodus aktiviert werden kann – das ist eine augenfreundlichere Beleuchtung, die nicht so stark wach hält wie die übliche. „Da wird der Anteil an blauem Licht reduziert“, sagt Roland Lachmayer (53), „und dadurch die Wirkung auf den Biorhythmus verändert.“

Lachmayer kennt sich gut aus mit Licht und was welche Farbe im Lichtspektrum auslöst – am Institut für Produktentwicklung und Gerätebau ist er fürs Projekt „Tailored Light“ zuständig, übersetzt so etwas wie „Maßgeschneidertes Licht“. Dabei handelt es sich um ein im Oktober gestartetes, vierjähriges Promotionsprogramm, das vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Natur gefördert wird und auch andere niedersächsische Universitäten mit einbindet.

Alexander Wolf (32) ist der Tutor für die Stipendiaten: „Dass LED stromsparende Lichtquellen sind, ist bekannt. Wir arbeiten daran, mit dem künstlichen Licht besser umzugehen.“ Das umfasst dann nicht nur die Anpassung von Handybeleuchtungen an die menschlichen Bedürfnisse - theoretisch kann jede Lichtquelle, mit der ein Mensch täglich in Kontakt kommt, an dessen Biorhythmus angepasst werden. „Das ist wichtig zum Beispiel für Schichtarbeiter, deren Arbeit und somit Leben mit einer vernünftigen Beleuchtung angenehmer wird, oder für die Bewohner eines Altersheims.“

Licht, das erklärt Lachmayer, ist direkt verbunden mit Sehen, „letztlich dem wichtigsten Sinn fürs Leben. Entsprechend umfangreich ist die Auswirkung auf Psyche und Physiologie. Licht könne zudem auch als Werkzeug eingesetzt werden – Stichwort Laser und 3D-Druck. „Dazu gibt es kleine Verbesserungen des Alltages. Theoretisch könnte man sich eine Tapete an die Wand beamen, und am nächsten Tag eine andere, je nach Stimmung.“ Einzig die Kosten sind noch sehr hoch. „Vieles ist machbar, aber nicht marktfähig, auch das ist eine Aufgabe hier: Möglichkeiten auf Markttauglichkeit abzuklopfen.“

Wichtiger wird die Forschung auch deshalb, weil die Menschheit offenbar irgendwann in autonom fahrenden Autos unterwegs sein will. „Derzeit haben Scheinwerfer 84 Bildpunkte. Damit ließen sich noch keine Informationen übertragen. Deshalb möchten wir die Zahl der Bildpunkte in den sechs- oder siebenstelligen Bereich bringen.“ Dann wäre es über Licht nicht nur möglich für Autos, zu „sehen“, sondern auch, zu kommunizieren. Gleichzeitig kann maßgeschneidertes Licht in der Medizin eingesetzt werden – um beispielsweise den Verlauf von Blutbahnen auf den Körper zu projizieren, damit der Arzt genau weiß, wo er langschneiden muss.

Entsprechend groß ist auch das Interesse der Automobil- und Medizinwelt an der Forschung – der Wettbewerb ist global, die Universität Hannover selbst steht nicht nur mit anderen Ländern, sondern auch Firmen in Konkurrenz. Jeder Durchbruch kann die Universität – oder besser die Forscher – weltweit befördern: ins Rampenlicht.

Von Sebastian Scherer

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