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Meine Stadt Hannover: Alte Villa - neue Gründerszene
Hannover Meine Stadt Hannover: Alte Villa - neue Gründerszene
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00:16 14.10.2016
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Hannover

Auf den ersten Blick ist es eine Geschäftsadresse mit „Wow“-Effekt - die „Venture Villa“ in der Hohenzollernstraße 47. Seit Jahresbeginn findet sich in der dritten Etage des Baus eine Karriereschmiede. Wer über den knarzenden Boden den Weg nach oben nimmt, vorbei an Fenstern, durch die der Wind pfeift, ahnt, wie viel noch fürs wirkliche „Wow“ zu leisten ist. Der kurze Moment liefert einen Vorgeschmack darauf, was die Nutzer der „Venture Villa“ als Firmenchefs von morgen erwartet.

Die 310 Quadratmeter unterm Dach nutzen das junge „Venture-Villa“-Team, ein paar Untermieter und jeweils drei Start-ups. Nichts geht bei denen ohne An-glizismen, und so nennt sich die Förderung „seed accelarator“ (,Saatgut-Beschleuniger‘). Für Hannover ist es eine Premiere.

100 Tage Coaching, 100 000 Euro Startkapital und im Gegenzug ein paar Prozent der Firmenanteile abgeben - so funktioniert das Konzept, das Gründer in ganz Deutschland begeistert. „Auf unsere Ausschreibung haben wir Bewerbungen auch aus Leipzig, Berlin und München gehabt“, berichtet Nadine Schmitt.

Die 29-Jährige wirkt, wenn sie über ihre Start-up-Erfahrung spricht, als hätte sie fast ebenso viele Berufs- wie Lebensjahre. Nach dem Abi arbeitete sie bei „t3n“, dem Magazin für digitales Business, half beim Aufbau von Start-ups, gründete „Couch Commerce“ mit und warb für diese E-Commerce-Plattform 1,2 Millionen Euro mit ein. Der Verkauf des Unternehmens ist ebenso wie die Arbeit als Marketingdirektorin bei Nachfolger Nestore in Boston (USA) eine Episode ihres kurzweiligen Lebens.

Die Frau weiß, wovon sie spricht und wie sie jungen Firmengründern Mut macht. Ein Beispiel ihrer Lektionen: „Macht bei jedem relevanten Wettbewerb und Pitch mit, es werden viele unangenehme Fragen gestellt, die dich voranbringen. Deine Idee und dein Geschäftsmodell werden dadurch immer weiter geschärft, je öfter du es vor allem Branchenfremden gegenüber formulieren musst.“

Das Pitchen (eigentlich ein Begriff aus dem Golfsport, in diesem Fall das Präsentieren der Geschäftsidee) gehört zu den wesentlichsten Techniken, die Gründer in der „Venture Villa“ lernen. Wer sich fürs Coaching bewirbt, muss vorher reichlich Hausaufgaben gemacht haben. Neben einer Geschäftsidee, die begeistert, erwartet das Team eine Konkurrenzanalyse, viel Ehrgeiz und hohe Motivation. „Das ist kein Zuckerschlecken“, sagt Schmitt, „das ist ernsthaftes Business - und wir sind nur am Anfang händchenhaltend dabei.“

Gerade haben die drei ersten Start-ups ihre 100 Tage in der „Venture Villa“ gemeistert. Am Freitagabend werden sie Oberbürgermeister Stefan Schostok (auch Aufsichtsratschef von Hannoverimpuls) zeigen, wie sie das Pitchen beherrschen. Damit noch mehr davon profitieren, sucht das Team Mentoren und Unterstützer, vor allem Investoren. Langfristig ist ein Seed-Fonds mit zehn Millionen Euro Kapital geplant.

„Die ,Venture Villa‘ stärkt das Start-up-Ökosystem und den Wirtschaftsstandort Hannover“, meint Hannoverimpuls-Chef Adolf Kopp. Das Angebot könne sich messen lassen an Hilfen in Start-up-Hochburgen wie Berlin, München und Hamburg, die schnell ausgebucht sind.

Auch Hans Nolte, Chef der Hannover-Marketing-und-Tourismus GmbH, begeistert sich für die neueste Trumpfkarte. Es gehe um Abermillionen in der Gründerszene, sagt er. Hannover müsse da mit deutlicher Botschaft auftreten: „Es gibt einen Ort, in dem Work-Life-Balance funktioniert und in dem man gut gründen kann.“ Trendiger könnte wahrscheinlich auch Universalgenie Gottfried Wilhelm Leibniz nicht um Nachahmer für Hannover werben.

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