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25 Jahre

Hannover: Als ein Anschlag die Stadt erschütterte

Ein Anschlag während des beliebten Altstadtfestes hat vor 25 Jahren Hannover erschüttert: Während sich 150.000 Besucher durch die Straßen drängten, explodierte eine Bombe und verletzte 16 Menschen teils lebensgefährlich.

Hannover. Rund 150 000 Menschen drängen sich auf dem Altstadtfest in Hannover, als in einem Papierkorb in der Nähe eines Bierstandes eine Bombe explodiert. 16 Menschen werden bei dem Sprengstoffanschlag vor 25 Jahren in der Landeshauptstadt teils lebensgefährlich verletzt. Metallsplitter fliegen bis zu 40 Meter weit.

Die Bombe, die an jenem Samstagabend, dem 29. August 1992, gegen 19.14 Uhr detoniert, ist bewusst in einer engen Gasse platziert. Das Szenario lässt an den derzeitigen islamistischen Terror denken. Doch damals wird nach Wochen fieberhafter Fahndung und einem zweiten Anschlag ein 21 Jahre alter, psychisch gestörter Student als Täter identifiziert.

Was die Öffentlichkeit damals nicht weiß: Schon seit mehr als zwei Jahren wird Hannovers Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD) damals erpresst, es gibt immer wieder Drohungen. In mehreren Erpresserbriefen hatte der Maschinenbaustudent eine große Anzahl Waffen und Diamanten im Wert von zehn Millionen Mark sowie 50.000 Mark Bargeld gefordert. Die Sachen sollten ihm von einer fast unbekleideten jungen Frau in einem Cabrio überbracht werden.

„Das war schon eine beängstigende und bedrückende Angelegenheit, wenn zwei Jahre lang immer wieder Erpresserbriefe im Rathaus abgegeben werden“, erinnert sich der damalige Oberbürgermeister Schmalstieg heute. „Am schlimmsten war der Anschlag auf das Altstadtfest, das hat uns sehr betroffen gemacht.“

Für Hannover sei das eine erschütternde Sache gewesen. „Dieser Anschlag vor 25 Jahren war ein kleiner Fisch im Vergleich zu dem, was jetzt die Terroristen machen“, betont Schmalstieg. „Was jetzt passiert, ist eine ganz andere Dimension.“ In der Erinnerung beschäftige ihn der damalige Anschlag noch immer.

Auf den Altstadtanschlag folgten weitere Drohungen - und einen Monat später am 28. September ein zweiter Anschlag in Hannover. Vor einer Gaststätte in der Altstadt detoniert ein Sprengsatz in einem Mülleimer, es gibt fünf Verletzte. Für die Fahndung setzt die Polizei den Mitschnitts eines Drohanrufs von 1990 ein - rund 30 000 Mal wird das Tonband abgehört, bis ein ehemaliger Freund die Stimme erkennt und den entscheidenden Tipp geben kann.

Am 6. Oktober wird der waffenbegeisterte und geständige Stefan Selke festgenommen, während der Anschläge diente er bei der Bundeswehr. Er räumt ein, bereits 1990 im Hauptbahnhof eine Bombe installiert zu haben, bei der Verpuffung wurde aber niemand verletzt. Zwei weitere selbst gebaute Rohrbomben explodieren nicht.

Doch was ist sein Motiv? Wie sich im Laufe des Prozesses vor dem Landgericht im Jahr darauf zeigt, spielen Mobbing und Ausgrenzung wohl eine entscheidende Rolle. Durch seine Fettsucht sei Selke von frühester Kindheit an stigmatisiert und auf eine Außenseiterrolle festgelegt gewesen, trägt der Verteidiger vor.

„Fast jeder Mensch ist schlecht“, sagt Selke aus. In einer Schulabschlusszeitung protestierte er gegen eine ungerechte Behandlung durch seine Lehrer, die ihm nichts zutrauen würden und schrieb: „Was soll nur aus mir werden?“ Ein Psychiater attestiert ihm vor Gericht eine paranoide Persönlichkeitsstörung. Selke erhält achteinhalb Jahre Jugendhaft und wird in die Psychiatrie eingewiesen.

Angst und Aufregung wurden in Hannover damals noch zusätzlich angeheizt durch einen dritten Anschlag am 15. September auf ein Kaufhaus im Zentrum der Stadt, dabei wurden zwei Menschen leicht verletzt. Zu dieser Tat bekannten sich Erpresser der Kaufhauskette Karstadt, in Hamburg und Bremen zündeten sie ebenfalls Sprengsätze.

An den Anschlag in der Altstadt von Hannover erinnert heute vor Ort nichts mehr. Der seit seiner Verurteilung in der Psychiatrie sitzende Selke ist dort im Dezember 2012 eines natürlichen Todes gestorben.


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