Navigation:
|
Wilhelm II.

Hannover: Als der Kaiser zu Besuch war

Tausende Polizisten im Einsatz, Sperrzonen und ein Riesengefolge im Schlepptau: Der Aufenthalt von US-Präsident Barack Obama in Hannover war ein Staatsbesuch der Superlative. Einer, wie ihn die Stadt noch nie erlebt hat? Gäbe es Hannoveraner, die rund 140 Jahre alt sind, sie würden sagen: „Moment mal. Da war doch mal was!“ Damals, im September 1889, als der junge Kaiser Wilhelm II. seinen Antrittsbesuch in Hannover machte. Ein pompöses Spektakel, das sich die Stadt viel Geld kosten ließ.

Hannover. Allein die Prunkstraße vom Bahnhof zum Residenzschloss kostete 100 000 Mark. Das klingt wenig im Vergleich zu den Millionen, die der Obama-Besuch insgesamt gekostet haben wird. Wenn man allerdings berücksichtigt, dass ein Arbeiter damals gerade einmal 90 Mark im Monat verdiente, wird deutlich, wie viel Hannover investierte, um bei seinem Staatsoberhaupt zu punkten. „Das war sicherlich die spektakulärste Veranstaltung, die die Stadt bisher in ihrer Geschichte gesehen hatte“, sagt Professor Gerhard Schneider, der das Buch „Kaiserbesuche – Wilhelm I. und Wilhelm II. in Hannover“ (Wehrhahn-Verlag) geschrieben hat.

60 Architekten, Bildhauer und Maler wurden mit der Gestaltung der Prunkstraße beauftragt. Sie erschufen Triumphbögen, riesige Obelisken und Säulen, die an markanten Punkten aufgestellt wurden. Allein die Säule am Kröpcke ragte 20 Meter in die Höhe. Und das alles nur für diesen einen Tag. Für die Ewigkeit waren die aus Gips, Pappe und Holzlatten errichteten Konstruktionen nicht gedacht.

Auffällig dabei war, dass es bei der Gestaltung an einem einheitlichen Stil mangelte. „Man wusste nicht so recht, was dem Kaiser gefielt“, sagt der Historiker Schneider. Im Zweifel habe man auf Monumentalität gesetzt: „Das gefiel ihm immer.“

Dass Wilhelm II. gern klotzte, belegt schon die Tatsache, dass dieser mit fünf Eisenbahnwaggons, 18 Pferden und vier Kutschen anreiste. Allein 150 Köpfe zählte sein Gefolge. Köche und Diener brachte er selbst aus Berlin mit. Begleitet wurde er außerdem nicht nur vom Kronprinzen und einigen seiner Söhne, sondern oft von mehreren inländischen und ausländischen Staatsgästen. König Alfons von Spanien zum Beispiel, der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand, Thronfolger Eduard oder der russische Thronfolger und spätere Zar Nikolaus. Sie alle schauten bei den großen Kaiserbesuchen in Hannover vorbei. Nicht nur 1889, sondern auch 1898, 1907 und 1913 bei der Rathauseinweihung wurde die Stadt zur Bühne der Weltpolitik.

Die vielen Gäste und ihr Gefolge brachten – wie auch der Obama-Besuch – logistische Probleme mit sich. Zwar mussten diese nicht wie dessen Sicherheitsleute, umgeben von Giraffen, im Serengeti-Park übernachten, allerdings waren auch 1889 die Hotels voll, so dass auch Bürger Gäste unterbringen mussten.

Für den großen Paradetag selbst bekamen sämtliche Schüler frei. Dicht an dicht standen die Hannoveraner entlang der Prunkstraße, um dem Kaiser zuzujubeln. Aber bitte diszipliniert. Dafür sorgte nicht nur die örtliche Polizei, sondern auch die Kripo aus Berlin, die Wilhelm mitgebracht hatte. „Ein Bad in der Menge war nicht vorgesehen, Man durfte dem Kaiser auch keine Blumen ins Auto werfen“, berichtet der Historiker Schneider. Auch bei Wilhelm II. ging die Sicherheit also vor. Erst recht, nachdem es Ende des 19. Jahrhunderts eine Reihe von Attentaten auf europäische Staatsoberhäupter gegeben hatte.
Und doch war Obamas Besuch in Hannover im Vergleich einzigartig. Er kam einmal als Präsident in die Stadt. Ein zweites Mal wird es, zumindest in dieser Funktion, nicht geben. Bei Wilhelm II. war das anders. Er besuchte Hannover gleich 30-mal, wenn auch meist nur kurz. Zum Beispiel auf der Durchreise zur Jagd nach Springe, wo er mal schnell in einer halben Stunde 40 Wildsauen erlegte, die ihm bequem vor die Flinte getrieben wurden. Ein Superlativ, den Obama der Stadt erspart hat.


Anzeige
Bildergalerien Alle Galerien
Was halten Sie von einem Rauchverbot im Auto?

City Click

"Märchenhafte Stimmung über dem Tiergarten" - so betitelte NP-Leserin Catharina Cordes ihr Foto. In der Tat: Ein märchenhaftes Bild.

zur Galerie

Schicken Sie uns Ihren City Click!

Haben Sie ein tolles Motiv fotografiert? Die Redaktion wählt mehrmals pro Woche die schönsten Leserfotos aus und veröffentlicht sie in der City Click Galerie.

Hannover in Zahlen

  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
  • Wirtschaft: Firmendatenbanken
  • int. Flughafenkürzel: HAJ
  • Stadtverwaltung: Trammplatz 2
     30159 Hannover
     Telefon: 0511 168-0
  • Oberbürgermeister: Stefan Schostok