Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Hannover: Als der Kaiser zu Besuch war
Hannover Meine Stadt Hannover: Als der Kaiser zu Besuch war
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 06.05.2016
Anzeige
Hannover

Allein die Prunkstraße vom Bahnhof zum Residenzschloss kostete 100 000 Mark. Das klingt wenig im Vergleich zu den Millionen, die der Obama-Besuch insgesamt gekostet haben wird. Wenn man allerdings berücksichtigt, dass ein Arbeiter damals gerade einmal 90 Mark im Monat verdiente, wird deutlich, wie viel Hannover investierte, um bei seinem Staatsoberhaupt zu punkten. „Das war sicherlich die spektakulärste Veranstaltung, die die Stadt bisher in ihrer Geschichte gesehen hatte“, sagt Professor Gerhard Schneider, der das Buch „Kaiserbesuche – Wilhelm I. und Wilhelm II. in Hannover“ (Wehrhahn-Verlag) geschrieben hat.

60 Architekten, Bildhauer und Maler wurden mit der Gestaltung der Prunkstraße beauftragt. Sie erschufen Triumphbögen, riesige Obelisken und Säulen, die an markanten Punkten aufgestellt wurden. Allein die Säule am Kröpcke ragte 20 Meter in die Höhe. Und das alles nur für diesen einen Tag. Für die Ewigkeit waren die aus Gips, Pappe und Holzlatten errichteten Konstruktionen nicht gedacht.

Auffällig dabei war, dass es bei der Gestaltung an einem einheitlichen Stil mangelte. „Man wusste nicht so recht, was dem Kaiser gefielt“, sagt der Historiker Schneider. Im Zweifel habe man auf Monumentalität gesetzt: „Das gefiel ihm immer.“

Dass Wilhelm II. gern klotzte, belegt schon die Tatsache, dass dieser mit fünf Eisenbahnwaggons, 18 Pferden und vier Kutschen anreiste. Allein 150 Köpfe zählte sein Gefolge. Köche und Diener brachte er selbst aus Berlin mit. Begleitet wurde er außerdem nicht nur vom Kronprinzen und einigen seiner Söhne, sondern oft von mehreren inländischen und ausländischen Staatsgästen. König Alfons von Spanien zum Beispiel, der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand, Thronfolger Eduard oder der russische Thronfolger und spätere Zar Nikolaus. Sie alle schauten bei den großen Kaiserbesuchen in Hannover vorbei. Nicht nur 1889, sondern auch 1898, 1907 und 1913 bei der Rathauseinweihung wurde die Stadt zur Bühne der Weltpolitik.

Die vielen Gäste und ihr Gefolge brachten – wie auch der Obama-Besuch – logistische Probleme mit sich. Zwar mussten diese nicht wie dessen Sicherheitsleute, umgeben von Giraffen, im Serengeti-Park übernachten, allerdings waren auch 1889 die Hotels voll, so dass auch Bürger Gäste unterbringen mussten.

Für den großen Paradetag selbst bekamen sämtliche Schüler frei. Dicht an dicht standen die Hannoveraner entlang der Prunkstraße, um dem Kaiser zuzujubeln. Aber bitte diszipliniert. Dafür sorgte nicht nur die örtliche Polizei, sondern auch die Kripo aus Berlin, die Wilhelm mitgebracht hatte. „Ein Bad in der Menge war nicht vorgesehen, Man durfte dem Kaiser auch keine Blumen ins Auto werfen“, berichtet der Historiker Schneider. Auch bei Wilhelm II. ging die Sicherheit also vor. Erst recht, nachdem es Ende des 19. Jahrhunderts eine Reihe von Attentaten auf europäische Staatsoberhäupter gegeben hatte.
Und doch war Obamas Besuch in Hannover im Vergleich einzigartig. Er kam einmal als Präsident in die Stadt. Ein zweites Mal wird es, zumindest in dieser Funktion, nicht geben. Bei Wilhelm II. war das anders. Er besuchte Hannover gleich 30-mal, wenn auch meist nur kurz. Zum Beispiel auf der Durchreise zur Jagd nach Springe, wo er mal schnell in einer halben Stunde 40 Wildsauen erlegte, die ihm bequem vor die Flinte getrieben wurden. Ein Superlativ, den Obama der Stadt erspart hat.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der zweite Tag der Woche - was heute in Hannover los ist, haben wir hier zusammengefasst.

03.05.2016

Polizist zu werden, ist oft ein Kindertraum. In der Realität sieht es dann doch anders aus: Die niedersächsische Polizei hat auch wegen schlechter Leistungen schon lange Nachwuchssorgen. Das soll sich ändern

02.05.2016

Es ist der Horror aller Eltern: Bei einem Unfall mit einem vollbesetzen Auto sterben drei junge Leute, unter ihnen ein junger 96-Fußballprofi. Die drei Opfer saßen auf der Rückbank. Die Polizei geht davon aus, dass der 21-jährige Fahrer Alkohol getrunken hatte.

02.05.2016
Anzeige