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Ladendiebstahl

Hannover: Acht Monate Haft für 15,94 Euro

15,94 Euro war der Wert seiner Diebesware, dafür wurde ein junger Mann (21) Mittwoch zu acht Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt.

Hannover. Jugendschöffenrichter Guido Janke begründete das Urteil: „Schneller als Sie kann man nicht rückfällig werden.“ Erst im September hatte der Angeklagte eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten bekommen - auch wegen Ladendiebstahls (Wodka und Zigaretten). Kurz vor und eine Woche nach dieser Verurteilung machte der junge Mann wieder lange Finger. Er stahl bei Lidl Rührkuchen, Hackfleisch, Tee und Marmelade. Für eine Handvoll Mett muss er nun in Jugendhaft. In dem gestrigen Urteil ist auch die Bewährungsstrafe enthalten.

Bemerkenswert ist das Urteil auch, weil sich Staatsanwältin Ilse Washington, Bewährungshelferin und eine Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe für eine Bewährung ausgesprochen hatten. „Er sollte noch mal eine Chance bekommen“, meinte die Bewährungshelferin.

Jugendrichter Janke sah das nicht so. „Dieses Urteil ist die Konsequenz aus der Vorgeschichte.“ Der Angeklagte wies elf Eintragungen im Vorstrafenregister auf; die meisten wegen Schwarzfahrens und Diebstahls.

Alles Bagatelldelikte. In Wahrheit ist der Angeklagte ein armer Tropf. Ohne Schulabschluss, ohne Berufsausbildung lebt er von Hartz IV. „Weil ich Hunger hatte“, antwortete er auf die Frage des Richters, warum er wieder klauen ging.

Der junge Mann wirkte reduziert bis gleichgültig - wahrscheinlich Folge seines jahrelangen Cannabis-Konsums. Er ist der Sohn einer drogenabhängigen Mutter und eines Alkoholikers. Er wuchs in einer Pflegefamilie auf, musste schon als Kind in der Psychiatrie behandelt werden. Im Alter von sieben Jahren verlies er die Pflegefamilie, lebte in Heimen, anschließend mal beim Vater, mal bei der Mutter.

Gestern begleitete ihn niemand zum Prozess. Nicht mal ein Anwalt. „Das mit dem Cannabis ist bei ihm eine Neverending Story“, so die Frau von der Jugendgerichtshilfe. Immer wenn sie ihn getroffen habe, sagte er, dass er gerade mit dem Hasch-Konsum aufgehört habe. Auch gestern im Gerichtssaal 3030 behauptete er das.

Sein größter Fehler war wohl, dass er nach einer Entgiftung nur kurz in einer Wohngruppe des Suchthilfeträgers Step blieb. Seit mehr als zwei Jahren lebt der Angeklagte ohne festen Wohnsitz. Sollte er keine Berufung einlegen, dafür bleibt ihm eine Woche Zeit, dann wird sich das bald ändern. Dann lautet seine Anschrift: Tündernsche Straße 50, die Adresse der Jugendstrafanstalt Hameln.


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Hannover in Zahlen

  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
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