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Meine Stadt Gehirntumor: AOK will nicht für Operation zahlen
Hannover Meine Stadt Gehirntumor: AOK will nicht für Operation zahlen
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19:19 16.05.2018
Im Op-Saal: In Hannover hat sich Shirin Omidvar operieren lassen – die AOK will die Kosten aber nicht übernehmen. Quelle: Symbolfoto/Archiv
Hannover

Krankenkassen sollen wirtschaftlich handeln. Kosten einsparen, wo es nur geht. Shirin Omidvar (29) hat nach dieser Regel gehandelt und mit ihrer Wahl für eine Privatklinik sogar 2000 Euro eingespart. Dennoch will die AOK Niedersachsen sie auf Behandlungskosten sitzen lassen, nicht mal eine Pauschale übernehmen. Der Grund: Die 29-Jährige hat sich statt in einem Vertragskrankenhaus in der hannoverschen Privatklinik INI operieren lassen. Nun hat Omidvar Klage eingereicht.

Ende Oktober bekam die junge Frau starke Kopfschmerzen. „Es war nicht zum Aushalten. Sofort ging ich zum Arzt“, erzählt sie. Erste neurologische Tests verliefen unauffällig. Der Mediziner schickte seine Patientin in das Henrietten-stift. Nach mehreren Untersuchungen dann der Schock: Hirntumor. Omidvar zur NP: „Die Diagnose hat mich und meine Familie schwer getroffen. Wir hatten große Sorge vor der Operation. Ein Eingriff am Gehirn ist schließlich keine Kleinigkeit.“ Und so stand für die 29-Jährige schnell fest, dass sie nur die „besten Experten diese Operation durchführen“ lassen werde.  Die Wahl fiel auf die bekannte neurologische Privatklinik. Bereits zwei Wochen später hatte sie dort einen OP-Termin. „In der MHH hätte ich erst Wochen später operiert werden können. Ich wollte dieses Teil aber schnell aus meinem Kopf bekommen“, erzählt sie. 27 Millimeter breit, etwa so groß wie ein Golfball, war der Tumor. Verkeilt zwischen Groß- und Kleinhirn. Omidvar: „Der Tumor war kurz davor, die Zirkulation der Nervenflüssigkeit zu blockieren. Das hätte zum Schlaganfall führen können. Dennoch galt ich nicht als Notfall.“

Die Kasse verweigerte den Antrag auf Kostenübernahme. Begründung: Es handele sich bei der Privatklinik, nicht um ein vertragsärztlich zugelassenes Krankenhaus. Zudem gebe es mit der MHH oder dem Nordstadtkrankenhaus Kliniken, die diesen Eingriff hätten vornehmen können. Omidvar: „Das mag stimmen, aber man sollte sich als Patient vor einer so großen Operation doch auch selber sicher fühlen. Und ich hätte in der MHH kein gutes Gefühl gehabt.“ Auch  ihren Widerspruch schmetterte die AOK ab. „Mir blieb also nur der Klageweg“, sagt die junge Frau enttäuscht.

Eine Behandlung in einem Krankenhaus wäre bezahlt worden

Dass Krankenkassen Vorgaben haben, versteht Shirin Omidvar. Was ihr nicht einleuchtet, ist diese Tatsache: „Privatklinik hört sich stets nach goldenem Skalpell an. Fakt ist aber, dass die Operation in der Privatklinik mehr als 2000 Euro günstiger war als beispielsweise im Nordstadtkrankenhaus. Ich habe der AOK also sogar geholfen, Geld einzusparen.“ Doch stattdessen sei ihr gesagt worden, dass selbst eine OP in der MHH bezahlt worden wäre, wenn sie 20 000 Euro mehr gekostet hätte. Eine Behandlung in der Privatklinik würde die Kasse dagegen nicht vergüten. AOK-Sprecher Carsten Sievers: „Die gesetzliche Krankenversicherung deckt nur Behandlungen in zugelassenen Krankenhäusern ab, nicht in privaten Kliniken.“ Eine freie Arzt- und Krankenhauswahl gebe es daher nur im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten.

Von Britta Lüers

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