Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Hannover: 50 Kolonien bald ohne Strom?
Hannover Meine Stadt Hannover: 50 Kolonien bald ohne Strom?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 08.06.2015
VERALTET: Rund 50 Kleingartenkolonien in Hannover werden noch durch Hochmasten mit Strom versorgt. Die Stadtwerke wollen die Leitungen unter die Erde verlegen. Dabei wollen sie jedoch nur noch den zentralen Anschuss der Kolonienbezahlen. Quelle: Dröse
Anzeige
Hannover

Sollten die Stadtwerke Ernst machen, stehen sie bald ohne Strom da. Das sorgt für mächtig Ärger. „Es kann nicht sein, dass die Leute schon einmal für ihre Anschlüsse bezahlt haben und jetzt nochmal zur Kasse gebeten werden sollen“, schimpft Karl-Heinz Rädecker, der Vorsitzende des Bezirksverbandes der Kleingärtner.

Die betroffenen Kolonien werden noch über Hochleitungen mit Strom versorgt. Die Stadtwerke wollen die alte und wartungsintensive Technik abschaffen und durch Erdkabel ersetzen, dann aber nur noch die Kolonien als Ganzes anschließen, ohne die einzelnen Gärten mit Strom zu versorgen. Das Geld für den Anschluss ihrer Gärten sollen die Pächter dann selbst aufbringen. „Die Kosten lägen im Schnitt bei 3000 Euro. Das können sich die meisten gar nicht leisten. Das sind einfache Leute hier“, sagt Klaus Ude, Vorsitzender der Kolonie Gartenheim in Kirchrode, die noch über Hochmasten an das Stromnetz angeschlossen ist. Bereits in der Vergangenheit hätten die Kleingärtner Tausende von Euro für die Anschlüsse ihrer Gärten gezahlt.

Die Sache ist rechtlich kompliziert. Es geht um die Frage, wo das öffentliche Stromnetz aufhört und die privaten Anschlüsse beginnen. Aus Sicht der Stadtwerke ist eine Kleingartenkolonie wie ein Mehrfamilienhaus zu sehen. Dieses wird angeschlossen. Für die interne Verteilung des Stroms sind aber die Kunden zuständig. Die Kleingärtner vertreten den Standpunkt, dass erst ab Grenze ihrer Gartengrundstücke das öffentliche Netz endet.

Die jetzige Situation sei „historisch gewachsen“, sagt Stadtwerke-Sprecherin Bianca Bartels. Nun würden jedoch „immer mehr Mängel“ auftreten. Deshalb müssten die maroden Netze erneuert werden. Sie verweist auch auf das Energiewirtschaftsgesetz von 2005, in dem die Abgrenzung zwischen öffentlichem und privatem Netz konkretisiert worden sei.

Anwalt Andreas Hildebrand, der die Kleingärtner vertritt, hält das für vorgeschoben. „Es geht vor allem ums Geld. Die Kleingärtner bringen wohl nicht genug Absatz“, vermutet er. Sollte es zu keiner Einigung kommen, sieht er sogar das Kleingartenkonzept in Gefahr, das der Kleingärtnerverband gemeinsam mit der Stadt entwickeln will. Dabei geht es auch um die Frage, wo Gärten zu Gunsten von Wohnraum aufgegeben werden können. „Ohne Strom können wir rund 2500 Gärten sowieso vergessen. Dann brauchen wir auch kein Kleingartenkonzept mehr“, so Hildebrand.

In den Streit hat sich jetzt auch Oberbürgermeister Stefan Schostok eingeschaltet. „Die Stadt ist bestrebt, eine konstruktive Lösung für alle Beteiligten zu finden“, sagt Sprecher Alexis Demos.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige