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Meine Stadt Hannover: 40-Jähriger wegen Kinderpornos vor Gericht
Hannover Meine Stadt Hannover: 40-Jähriger wegen Kinderpornos vor Gericht
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00:16 28.07.2016
Muss zum Psychiater: Harald B. (rechts), hier mit seinem Anwalt Cedric Knabe. Foto: Schaarschmidt
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Hannover

Die Mutter des Angeklagten schreit den Richter an: „Warum haben Sie meinen Sohn in Haft genommen?“ Die beleibte Frau in den bunten Klamotten hatte vorher Mühe, Saal 2236 im Amtsgericht zu betreten. Trotz Gehhilfe wirkt sie sehr unsicher auf den Beinen, kommt kaum vorwärts. Mit schriller Stimme krakeelt sie: „Ich habe kein Vertrauen in Sie.“ Auf dem Flut brüllt sie etwas deftiger: „Und hier sind die größten Schweine.“

Kurz vorher ist Harald B. (40) wieder abgeführt worden. Das Verfahren wegen des Besitzes kinderpornografischer Bilder konnte nicht zu Ende geführt werden. Richter Simon Schnelle ordnete eine psychiatrische Untersuchung des Mannes an.
Ungewöhnlich ist schon der Haftgrund: Weil er mehrfach Gerichtsterminen fernblieb, wurde Sicherungshaft angeordnet. Harald B. ist elfmal vorbestraft, unter anderem wegen des Besitzes kinderpornografischer Bilder. Deshalb stand er unter Bewährung. Gestern sagte er: „Ich weiß nicht, wie die Bilder auf meinen Laptop gekommen sind. Das müssen mir verärgerte Kunden draufgeladen haben.“ Der Mann ist Vertreter. Aber die Polizei konnte einen Hacker-Angriff auf den Computer des Angeklagten ausschließen.

50 Kinderporno-Bilder wurden auf dem Rechner gefunden. „Er wollte über seine Straftaten nicht sprechen. Er sieht sich als Justizopfer“, sagt die Bewährungshelferin. Zeitweise sei der Angeklagte nach Bayern verschwunden und nahm keine Termine bei der Bewährungshelferin wahr. Auch die junge Frau musste sich von der Mutter beschimpfen lassen. Ihr Sohn lehnte die Bewährungshelferin ab. Auch Richter Schnelle hat so seine Erfahrung mit B. gemacht. Er lehnte den Richter wegen Befangenheit ab und bezichtigte ihn der Körperverletzung mit Todesfolge. Was der Angeklagte damit gemeint haben könnte, bleibt sein Geheimnis.

Die Mutter war als Zeugin geladen. Bei der Hausdurchsuchung behauptete sie, dass der Computer mit den Kinderpornos ihr gehöre. Um sie vor einer Falschaussage zu bewahren, wurde auf ihre Aussage verzichtet. Richter Schnelle konterte den Wutanfall der Mutter gelassen: „In meinem Gerichtssaal gibt es nur einen, der schreit, und das bin ich. Und ich schreie nie.“
Weiter 15. August.

Thomas Nagel

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