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Meine Stadt Hannover: 25 Tonnen illegal abgelegter Müll pro Woche
Hannover Meine Stadt Hannover: 25 Tonnen illegal abgelegter Müll pro Woche
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00:16 07.07.2017
Zweiradhalde: In Bahnhofsnähe entdeckt Horst Neure immer wieder neue Fahrradleichen. Quelle: Fotos: Wallmüller
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Hannover

 Es ist 7.30 Uhr, als Horst Neure in den weißen VW Up auf dem Aha-Gelände steigt. Der Wagen ist klein und wendig – ideal, um in alle Ecken der Stadt zu kommen. Das ist für den 63-Jährigen wichtig, denn er ist einer von fünf Abfallfahndern – auf der Suche nach illegal entsorgtem Müll.

Neure fährt vom Parkplatz an der Brühlstraße los und sagt ein bisschen stolz: „So schön sauber hier, das ist das Werk der Abfallfahnder.“ Die gibt es seit 1999 – seitdem habe sich viel verändert, es sei aufgeräumter geworden. Doch noch nicht aufgeräumt genug – immerhin spüren die Abfallfahnder pro Woche rund 25 Tonnen illegal entsorgten Müll auf. Was zweieinhalb Müllwagenladungen entspricht.

„Viele vergessen ihre Fahrräder“

So früh am Morgen sind Hannovers Straßen noch frei, der 63-Jährige biegt links ab und fährt in die Innenstadt. Erste Station Hauptbahnhof. Vor dem Bahnhof stehen die Fahrräder wild durcheinander, doch damit haben die Abfallfahnder nichts zu tun. „Das ist nicht unser Gebiet“, sagt er und deutet auf die gegenüberliegende Straßenseite, „aber das“. Dort stehen die Fahrräder ordentlich nebeneinander, sind meist in gutem Zustand. Kaum ein Rad ist verrostet oder funktionsunfähig. Anders ist das hinter dem Bahnhof, nahe dem Amtsgericht. „Hier werden viele geklaute Räder abgestellt und dienen als Ersatzteillager“, sagt Neure und deutet auf die Drahtteile, die ursprünglich wohl ein Fahrradgestell waren. Nicht nur geklaute Räder bleiben hier stehen: „Viele Menschen vergessen ihre Räder.“

Eine Folge der konsumorientierten Gesellschaft, findet der Abfallfahnder. In beiden Fällen gilt es zu ermitteln, ob der Besitzer das Eigentum aufgegeben hat. „Da unterscheiden sich unsere Entscheidungsmerkmale von denen der Bürger.“ Wichtig: Fahrräder müssen fahrunfähig sein und nicht bloß das Stadtbild subjektiv verschandeln, um entsorgt zu werden. Neure muss schmunzeln und erinnert sich an einen Hinweisgeber: „Immer wieder rief der Mann an, um uns auf ein gelbes Fahrrad aufmerksam zu machen, das herrenlos auf dem Gehweg stehen sollte. Immer wieder fuhren wir vorbei, aber das Fahrrad war nicht da. Bis wir einmal etwas früher eintrafen und erkannten: Es war das Postfahrrad.“

Viele Bürger kümmern sich nicht um den Dreck

Hinweise von durch die Vermüllung aufgebrachten Menschen gehören zum Alltag, im vergangenen Jahr waren es immerhin 32 083. Doch nicht alle Bürger sind aufmerksam – manche scheren sich nicht um den Dreck der anderen. Wie einen Hausverwalter an der mit Bordellen gespickten Ludwigstraße. Mit Pfeife im Mund steht er da und ist erbost: „Vom Gelände der Bahn ist ein Ast auf unser Grundstück gefallen.“ Er habe mehrfach versucht, die richtige Stelle zu erreichen. Neure erklärt: „Einfach die Aha-Hotline anrufen, dann wird das kostenlos beseitigt.“

Äste sind beileibe nicht das größte Problem in der Seitenstraße der Hamburger Allee. Aus einem Wohnhaus wird der Müll aus dem Fenster geschmissen. Fliegen kreisen über den Essensresten. Neure schlägt dem Verwalter vor, das bei dem Anruf gleich mitanzugeben. Kollegen würden das beseitigen. „Was schert mich der Müll der anderen?“, sagt der Verwalter stur. Eine Prostituierte kommt aus ihrem Schaufenster hervor und sagt: „Wir wollen es hier doch sauber haben.“ Dass das nicht ohne Eigeninitiative klappt, scheint den beiden nicht klar zu sein.

Am anderen Ende der Straße parkt ein unangemeldeter Mercedes. Der Abfallfahnder pappt einen Aufkleber an das Fahrzeug. „Jetzt hat der Eigentümer vier Wochen Zeit, den Pkw anzumelden oder wegzufahren“, erklärt er. Bleibt das Auto stehen, wird es abgeschleppt und der Halter anhand der Fahrgestellnummer ausfindig gemacht.

Das Problem der falschen Müllentsorgung

Neure steigt in seinen Flitzer und fährt in Richtung Marienstraße. Die Müllabfuhr war gerade da, doch die Säcke stapeln sich noch immer. Klarer Fall von „falscher Müllentsorgung“. Das Problem kenne man an der Berliner Allee – die Behältervorrichtung für die Säcke sei zu klein, deswegen werde daneben gestapelt. Jetzt müssten die Müllfahrer noch mal rausfahren. „Wenn wir jemanden auf frischer Tat ertappen, kostet das 35 Euro, stößt man auf Widerstand, können daraus auch 150 oder 200 Euro werden“, so der 63-Jährige.

Er kennt keinen Pardon, lässt sich aber nicht aus der Ruhe bringen. „Ich versuche, verständnisvoll zu sein, sodass es nicht eskaliert.“ Dass sei wichtig für eine langfristige Sauberkeit. Denn am Ende sei Saubereit auch ein Garant für Sicherheit.

Von mandy sarti

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