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Voller Erfolg: 5000 Besucher waren beim "Fest für Alle"© Schaarschmidt

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Reformation

Hannover: 120.000 feiern ein "Fest für Alle"

120 000 Besucher sind am Sonnabend zum „Fest für Alle“ gekommen. Zahlreiche Künstler und bekannte Gesichter aus Hannover und Deutschland kamen zu den vier Kirchen, vier Bühnen, vier Plätzen und vier Hotspots, an denen gefeiert wurde. Vereine und Verbände formten einen Markt der Vielfalt. Die Stimmung – so gut wie auf einem Kirchentag.

„Vergnügt. Erlöst. Befreit.“ Juliano Rossi alias Oliver Perau schien selbst erstaunt über seine Interpretation des Hanns-Dieter-Hüsch-Psalms zu sein. „Das habe ich noch nie gesungen“, rief er Publikum und den vielen Ehrengästen bei der Eröffnung zu und grinste dabei. Eigentlich hat der Terry-Hoax-Frontmann „mit Kirche nicht so viel am Hut“, aber dieser Tag „hat auch mich gepackt“.Fast 5000 Menschen drängten sich bei herrlichem Sonnenschein auf dem Marktplatz, um ungewöhnliche Musik-Kombinationen (Knabenchor, Rossi und die Lutz Krajenski Band oder Maybebop und Rapper Spax) zu beklatschen und andächtige Worte von Reformationsbotschafterin Margot Käßmann („Wir müssen mutig sein wie Luther“) zu hören.

Und das war um zwölf Uhr schon der vierte von unzähligen Programmpunkten, mit dem der Stadtkirchenverband zum Reformationsjubiläum ein „Fest für alle“ feierte.Regisseur Jan Hellwig hatte den Sonnabend um sieben Uhr mit einem Stundengebet in der Kreuzkirche begonnen, um neun Uhr trafen sich in der Marktkirche an acht Tischen Ehrenamtliche und Engagierte zum Frühstück, für elf Uhr hatte Oberbürgermeister Stefan Schostok die Organisatoren zum Empfang in sein Rathaus gebeten.

Dort erinnerte Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann an ein Schmalstieg-Zitat: „Was Rom für die katholische Kirche ist, ist Hannover für die evangelische.“ Und Landesbischof Ralf Meister begrüßte auch die ganz normalen Bürger nach Luthers Art mit: „Liebe Bischöfinnen und Bischöfe.“ Von der vergnügten Atmosphäre ließ sich auch 96-Präsident Martin Kind anstecken und verriet: „Ich bin letztes Jahr wieder in die Kirche eingetreten. Ich brauche das für mein persönliches Seelenheil.“Musik und Wort in vier Kirchen, auf vier Bühnen, auf vier Plätzen und an vier Hotspots, „ich weiß gar nicht, für was ich mich entscheiden soll“, sagte die 18-jährige Hanna aus Herrenhausen. Landessuperintendentin Petra Bahr hatte geahnt, „dass viele gar nicht wissen, was hier alles passiert. Die wollen vielleicht nur eine Hose kaufen und treffen auf die große Vielfalt unserer Kirche.“

Hanna jedenfalls ging erstmal zu Martin Luther. Dessen Denkmal rechts vor der Marktkirche war von Schwarmkünstlerin Kerstin Schulz in metallic-lila Geschenkpapier gehüllt und mit einem begehbaren Gerüst versehen worden. „Wir wollen seine Zeit und seine Ideen mit der Gegenwart konfrontieren und daraus Energie gewinnen“, erklärte die 49-Jährige. Ihr Team verteilte Emojis zum beschriften und aufkleben, am Ende waren die 100 Quadratmeter Folie mit 11 300 dieser Ideogramme versehen, „Luther ist cool“ stand da unter dem Smiley oder einfach „Peace & Love“.Dutzende Vereine, Verbände und Initiativen hatten sich um die Marktkirche zu einem Markt der Vielfalt formiert.

In einem Kleid im Look des 16. Jahrhunderts begegnete Susanne Künne ihren Gästen am Stand der Jugendhilfe des Stephansstiftes. „Wir verschenken Luther-Zitate, geschrieben wie zur damaligen Zeit mit Tinte und Federkiel und mit Siegel unten drunter“, so die Diakonin. Besucherin Bettina Mettmann nahm „Viel Reichtum tröstet nicht so sehr wie ein fröhliches Herz“ mit in die Wedemark: „Eine schöne Erinnerung an einen noch schöneren Tag.“Matthias Brodowy am Ballhof, Podiumsdiskussionen in der Neustädter Kirche, das geniale Zusammenspiel von Lutz Krajenski und den Hannover Harmonists in einer knallvollen Marktkirche, „ich komme mir vor wie beim Kirchentag“, sagte einer der es wissen muss.

„Mister Kirchentag“ Fritz Baltruweit hat schon bei 27 Kirchentagen („ein paar in der DDR sind mitgezählt“) musiziert, Freunde seiner Kunst hatten gleich mehrere Möglichkeiten, den 62-Jährigen beim „Fest für alle“ zu hören. Roger Cericius, langjähriger Chef des Freundeskreis Hannover, war von allem mehr als begeistert: „Wenn das evangelische Kirche in Hannover ist, gibts eine Eins plus mit Sternchen. So macht man die Kirchen voll, diese Begeisterung muss mit rüber in den Alltag.“

45 Minuten Dauerregen sorgten dafür, dass bei der Abschluss-Gala ab 21 Uhr der Marktplatz nicht ganz so voll war, wie er vielleicht gewesen wäre bei Terry Hoax mit 25 Grad. Trotzdem: Hannover hielt durch bis zum bischöflichen Segen um 23.19 Uhr. Der Platz entflammte im Schein der Kerzen, Hanna Schmidt aus Vahrenwald kämpfte mit den Tränen: „Sowas möchte ich noch mal erleben dürfen“, sagte die 82-Jährige, „vielleicht etwas kleiner beim Reformationstag 2018. Wenn der liebe Gott will und ich dann noch lebe.“


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