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Interview

Teil 2: "Hannover ist meine Heimat"

Zwei Jahre saß er in Spanien in U-Haft, seit vergangener Woche ist der Boss des früheren Hells-Angels-Charters Hannover, Frank Hanebuth, gegen 60  000 Euro Kaution auf freiem Fuß. Das erste Interview nach der Entlassung gab er NP-Redakteurin Britta Mahrholz. Über seine Aussagen sprach die NP auch mit Ermittlern und Experten.

Frank Hanebuth in Spanien.

© Privat

Angeblich wollen Sie in Spanien arbeiten. Was haben Sie vor, und dürfen Sie das überhaupt?

Ich will unbedingt arbeiten. Ich bin jemand, der nicht in der Ecke sitzen kann. Mein Anwalt ist bemüht, dass ich die Erlaubnis zum Arbeiten kriege. Das hat was mit den Auflagen (Vorgaben, die Bedingung für seine Freilassung waren, Anm. d. Red.) zu tun. Und ich muss auch die Sprache richtig von Grund auf lernen.

Wollen Sie nach Mallorca zurück?

Ich denke, Mallorca ist nicht der richtige Platz für mich.

Ihnen werden schwere Verbrechen vorgeworfen: Bildung einer kriminellen Vereinigung auf Mallorca, Geldwäsche, und Sie sollen Frauen zur Prostitution gezwungen haben – was ist dran?

Das ist ein schwebendes Verfahren. Ich kann mich dazu nicht äußern.

Meinen Sie, dass Anklage gegen Sie erhoben wird und es gegen Sie zum Prozess in Spanien kommt?

Für mich ist klar, je früher das Ding zu Ende ist, desto besser. Wenn das Verfahren eingestellt wird, kann man viele Sachen nicht richtigstellen. Wenn es aber zum Prozess kommt, werden wir gut aufgestellt und gut vorbereitet sein.

Wie sehen Sie Ihre Zukunft, wenn das in Spanien alles vorbei ist? Planen Sie eine Rückkehr nach Hannover?

Ja, natürlich. Hannover ist meine Heimat. In Hannover habe ich meine Familie und meine Freunde, die mich in der ganzen Zeit unglaublich unterstützt haben, wofür ich sehr dankbar und stolz bin. Und ich habe in Hannover meinen geschäftlichen Bereich.

Werden Sie Ihre Memoiren schreiben – haben Sie damit möglicherweise schon im Gefängnis begonnen?

Nein, in Haft nicht. Ich fange langsam an, die Erinnerungen aufzuschreiben. Was sich daraus entwickelt, muss man sehen.

Klingt wie „Veröffentlichung eines Buches nicht ausgeschlossen ...“?

Angebote sind da. Aber mich treibt nichts.

Sie sind am 23. Juli 2013 nachts bei der Razzia „Casablanca“ in einer Finca auf Mallorca verhaftet worden – fühlten Sie sich an den GSG-9-Einsatz im Mai 2012 in Ihrem Haus in der Wedemark erinnert?

Meine Frau und ich haben geschlafen. Mein Sohn war in einem gegenüberliegenden Appartement. Es gab das ganze Programm, mit Hubschrauber, Tüte über dem Kopf und allem Drum und Dran. Wenn man da gefesselt auf dem Stuhl sitzt, kommen natürlich die Erinnerungen. Ich hatte meinen Sohn nach Mallorca gebracht, damit er sich nach der Aktion in Hannover wieder fangen kann. Und dann erlebt er das Gleiche wieder ... Für uns ist das egal, wir sind Männer und müssen da durch. Für die Familie ist es aber ein schweres Ding, das wegzustecken. Ich muss allerdings sagen, dass sich die Polizisten in Spanien gegenüber den Kindern auf der Finca, es waren fünf Kinder im Alter von drei bis 14 Jahren anwesend, sehr zurückgehalten haben. Sie haben Ihnen erzählt, das sei alles nur eine Übung. Die Beamten hatten vor den Kindern sogar die Sturmhauben abgenommen. Das war ganz anders als damals mit der GSG 9 in Hannover.

Was haben Sie damals gedacht, als Ihnen die Vorwürfe eröffnet wurden?

Für mich war klar, da können nur viele Missverständnisse vorliegen.

Mussten Sie davon ausgehen, dass Sie für lange Zeit hinter Gittern verschwinden werden?

Mir war klar, die nächsten ein, zwei Wochen klärt sich das auf und ich werde freigelassen.

Sie waren in Palma, Madrid und die meiste Zeit in Cadiz inhaftiert. Wie haben Sie die zwei Jahre erlebt?

Ich war in Palma und Madrid in Isolation. Ich war nie in den normalen Hafthäusern, sondern immer abgeschirmt. In Cadiz habe ich als Trainer gearbeitet und Mitgefangene im Boxen unterrichtet. Das hat ihnen gutgetan und mir Spaß gemacht. Auf dem Hof gab es jeden Morgen pickelhartes Zirkeltraining. Ich habe auch im Kiosk gearbeitet. Mit Helfern zusammen habe ich Kaffee, Cola und Kekse verkauft. Ich bekam dafür Punkte, und dafür gab es Extrabesuche. Wenn meine Frau mich besucht hat, hatten wir alle drei Monate statt zwei dann vier Stunden.

Was würden Sie tun, wenn Sie in Spanien verurteilt werden?

Den Gedanke, dass ich verurteilt werde, den habe ich gar nicht.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Frank Hanebuth über die Entwicklungen am Steintor.

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  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
  • Wirtschaft: Firmendatenbanken
  • int. Flughafenkürzel: HAJ
  • Stadtverwaltung: Trammplatz 2
     30159 Hannover
     Telefon: 0511 168-0
  • Oberbürgermeister: Stefan Schostok