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Meine Stadt Hameln: Mann erschießt Landrat Butte
Hannover Meine Stadt Hameln: Mann erschießt Landrat Butte
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17:11 26.04.2013
Alarm in der Kreisverwaltung Hameln: Landrat Butte wurde erschossen. Quelle: Dillenberg
Hameln

Die Tat geschah um 11.05 Uhr am Freitag Vormittag. Der 74-jährige Hans B. aus Bad Münder hatte zuvor mehrfach vergeblich versucht, telefonisch einen Termin im Landratsbüro abzumachen. Schließlich ging er ohne Termin los - Butte empfing ihn nach einer halben Stunde Wartezeit. Dann habe der Mann nach den bisherigen Ermittlungen mehrere Schüsse auf den Landrat abgefeuert. Tatwaffe war ein Revolver. Nach der Tat habe der 74-Jährige, offenbar ein Waffennarr, sich selbst erschossen.

Ein Bürger, der sich in dem Haus gerade um ein Visum kümmern wollte, berichtete der NP von Schreien, Schüssen - einige Mitarbeiter versteckten sich daraufhin in ihren Büros. Sandra Lummitsch, Sprecherin der Kreisverwaltung: "Unfassbar. Ich kann das gar nicht glauben. Eine Kollegin kam rein, die war auf der Flucht. Ich habe den Notruf gewählt und Schüsse im Kreishaus gemeldet." Danach habe sie sich mit der Kollegin im Büro eingeschlossen. Der Täter sei ihr bisher nicht bekanntgewesen, sagte die Kreissprecherin.

Fotos: Uwe Dillenberg und dpa

Der 63 Jahre alte Butte war seit 2005 Landrat. Zuvor war er vier Jahre Direktor des Landeskriminalamtes in Niedersachsen. Er hinterlässt eine Ehefrau, zwei Kinder und fünf Enkelkinder.

Der Bluttat sind jahrelange Auseinandersetzungen zwischen dem Täter und der Kreisverwaltung vorausgegangen. Es habe "verwaltungsrechtliche Auseinandersetzungen" gegeben, so der Göttinger Polizeipräsident Robert Kruse . Im Mittelpunkt stand demnach der Streit um den Waffenbesitz - der Waffenschein sei dem 74-Jährigen 1988 abgenommen worden. 2009 war der als Waffennarr beschriebene Mann wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz verurteilt worden. Die Tatwaffe, ein Revolver, hat er sich illegal besorgt.

Die Mitarbeiter der Kreisverwaltung wurden nach der Tat nach Hause geschickt. Einige standen aber noch länger fassungslos am Tatort. Sie werden von einem Notfallseelsorger betreut.

Die SPD-Fraktion im Landtag reagierte schockiert auf die Nachricht aus Hameln. Innenminister Pistorius ist auf dem Weg nach Hameln. Auch Ministerpräsident Stephan Weil zeigte sich schockiert: "Stehen fassungslos und tief betroffen vor der Nachricht des tödlichen Mordanschlags auf Rüdiger Butte. Dieser war ein herausragender Vertreter der Polizei und der kommunalen Selbstverwaltung gewesen. Ich persönlich habe ihn als durch und durch freundlichen Menschen erlebt. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie. Die Hintergründe müssen jetzt rasch aufgeklärt werden. Wir müssen uns Zeit nehmen, um um einen besonderen Menschen zu trauern." Regionspräsident Hauke Jagau sagte: "Ich bin entsetzt und fassungslos."

Die Gewerkschaft der Polizei trauert um den ehemaligen Kollegen: "Als langjähriges Mitglied der Gewerkschaft der Polizei, der er auch in seiner Tätigkeit als Landrat treu geblieben ist, hat er stets die Interessen der Menschen in der Polizei mit im Fokus gehabt. Wir haben einen Freund verloren.“, sagte der GdP-Landesvorsitzende Dietmar Schilff in einer ersten Reaktion.

Ganz Hameln scheint geschockt. Das Bürgerbüro im Rathaus,etwa 500 Meter vom Kreishaus entfernt, schloss aus Angst vor Nachahmungstätern. Zwei Mitarbeiter des Ordnungsdienstes bewachen den Eingang.

Die Kirchengemeinde Münster St. Bonifatius und der Kirchenkreis Hameln-Pyrmont laden zu einem Trauergottesdienst in das Münster ein, das Hamelner Theater hat seine Vorstellung abgesagt. Superintendent Philipp Meyer: "Die Menschen in Hameln und Umgebung sind über diese sinnlose Gewalttat zutiefst bestürzt."

Butte war immer bereit, mit Bürgern zu sprechen, sagte ein Bekannter. Das wurde ihm am Ende zum Verhängnis.

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