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Meine Stadt Haft für Waffenscheinheiligen
Hannover Meine Stadt Haft für Waffenscheinheiligen
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00:16 24.07.2017
Quelle: dpa
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hannover

Kurz vor der Urteilsverkündung schüttelt Enzo B. (60) missmutig den Kopf. „Das wird wohl nichts“, scheint sich der Pizza-Wirt zu denken. Und er hatte Recht. Der Waffenscheinheilige muss ins Gefängnis. Wegen gewerbsmäßiger Bestechlichkeit in 37 Fällen bekam er am Freitag viereinhalb Jahre Haft. Enzo B. habe eine „hohe kriminelle Energie“ an den Tag gelegt.

Der Angeklagte war Ehrenpräsident und Kassenwart des Schützenvereins SSV Hameln 2000. Richter Volker Löhr geht davon aus, dass sich Enzo B. Geld kassierte (pro Prüfling mindesten 690 Euro). Dafür seien Sachkundeprüfungen „nicht ordnungsgemäß durchgeführt“ worden. Zwischen 2012 und 2016 habe ein „System“ aufgezogen, damit Schützen leichter an großkalibrige Waffen kämen. Das Motiv: „Sie pflegten einen teuren Lebensstil“, meinte der Richter zu Enzo B.

Roman K. (53), erster Vorsitzender des Vereins, wurde zu einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der zweite Vorsitzende, Oliver G. (39), bekam eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Sie seien der Beihilfe zur Bestechlichkeit schuldig.

Der Prozess im Landgericht dauerte sieben Monate. Unzählige Zeugen wurden gehört. Das Gericht stützte sich auch auf die Ergebnisse der Telefonüberwachungen und der Aussage des verdeckten Ermittlers „Radu Schuster“. So sagte Enzo B. am Telefon zu einem Vereinsmitglied: „Ich mache nur noch den Verein.“ Anderer Stelle sagte er: „Ich mache nur Geld, eine ganze Menge Geld.“ Wenn Schützen nach den Prüfungsunterlagen fragten, hieß es nur: „Mach Dir keine Sorgen, bei uns besteht jeder.“ Der verdeckte Ermittler erzählte, dass er nach sechs Wochen die Sachkundeprüfung ablegte. Die Prüfungsaufgaben und -antworten hatte er mit dem Handy abfotografiert und in der Prüfung neben sich liegen gehabt. Schießtraining, ein Jahr Pflichtmitgliedschaft und Sachkundeprüfung sind Voraussetzungen, um bei der Behörde eine Waffenbesitzkarte zu beantragen. Beim SSV Hameln ging es dank Enzos Hilfe viel schneller. Auch bei den notwendigen Schießübungen wurden gemauschelt.

„Die Angeklagten haben in behördlicher Funktion gehandelt“, stellte Richter Löhr fest. „Allerdings haben die Behörden es Ihnen sehr leicht gemacht.“ Es gab keine behördliche Kontrolle des Vereins. Die Anwälte glauben, dass man bei den Angeklagten nicht von Amtsträgern sprechen kann. Deshalb konnte man sie auch nicht bestechen. Alle Angeklagten kündigten Rechtsmittel an.

Von Thomas nagel

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