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Meine Stadt Grüne Kupferbleche am Anzeiger-Hochhaus sind weg
Hannover Meine Stadt Grüne Kupferbleche am Anzeiger-Hochhaus sind weg
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21:11 25.05.2018
Dachdecker André Ziesemann bei der Arbeit auf der Kuppel über den Dächern Hannovers. Quelle: Dröse
Hannover

Oben ohne zeigt sich die Kuppel des Anzeiger-Hochhauses derzeit. Unter der vor Witterung schützenden Plane haben Dachdecker den größten Teil der alten, grünen Kupferplatten entfernt.

Mit der Flex wird das nur 0,7 Millimeter dünne Metall in handliche Stücke geschnitten, gefaltet und vom Dach transportiert. Rund sechs Tonnen Kupfer sind so nach und nach zusammengekommen. Bis auf weiteres liegt der Beton unter der grünen Hülle nun komplett frei, nächstes Jahr werden neue, eigens vorpatinierte Kupferbleche aufgebracht.

Nur an der Spitze kleine Risse

In der Zwischenzeit widmet man sich der Sanierung der inneren und äußeren Betonschicht der immerhin 90 Jahre alten Kuppel. „Der Beton außen sieht auf den ersten Blick gut erhalten aus“, sagt Arne Zain von der Bauleitung. Er begleitet die anspruchsvolle Sanierung für die Madsack-Medien­gruppe, zu der auch diese Zeitung gehört.

Dachdecker arbeiten der Kuppel des Anzeiger-Hochhauses.

Nur an der Spitze der 17 Meter hohen Kuppel haben sich kleine Risse gebildet: „Die müssen entstanden sein, als das Dachgeschoss des Anzeiger-Hochhauses bei der Bombardierung Hannovers im Zweiten Weltkrieg ausbrannte.“ Auch die Einschlaglöcher diverser Bombensplitter treten unter der Kupferhülle zu Tage. Aus ihnen züngelten beim Brand Flammen, das ist auf der Oberfläche des Betons so­zusagen eingebrannt und nun gut zu erkennen. Wie groß der Sanierungsbedarf an der äußeren Betonhülle ist, wird man aber erst sehen, wenn die Fachleute die vom Kupfer befreite Kuppel genauer in Augenschein genommen haben. „Auf den ersten Blick sieht es aber eher nach kleinen Schönheitsoperationen aus“, sagt Zain.

Überhaupt gehen die Arbeiten an der Kuppel bislang gut voran. Drei bis vier Dachdecker arbeiten gleichzeitig in 51 Meter Höhe. Dabei darf nicht zu viel Gewicht auf der Kuppel und dem Gerüst lasten, das sich wiederum auf dem Backsteingebäude abstützt. Die Betonschicht der Kuppel misst etwa sechs Zentimeter und ist mit einem reifrockähnlichen Flachstahlgeflecht verstärkt. Diese innovative Leichtbauweise der Konstruktion haben sich die Firmen Zeiss und Dywidag 1925 sogar patentieren lassen.

Übrigens: Die alten Kupferplatten werden nicht einfach entsorgt, sondern aufbereitet, optisch ansprechend eingefasst, graviert und voraussichtlich im Juni in den Madsack-Geschäftsstellen verkauft – die Preise variieren dabei je nach Größe und Art des Unikates. Der Gewinn aus dem Verkauf soll für einen guten Zweck eingesetzt werden.

So geht es weiter...

Bis Anfang 2020 wird die Sanierung der Hochhauskuppel wohl insgesamt dauern. Ist die Kupferhülle abgedeckt, erhält die Kuppel den sogenannten „Bauchweggürtel“. Edelstahlstäbe umspannen dann ihr unteres Drittel – für mehr Stabilität.

Anschließend ist der Beton an der Reihe: die äußere Schicht – die bislang einen recht wartungsarmen Eindruck macht –, vor allem aber die Innenseite. Hier kann nur im Pilgerschrittverfahren gearbeitet werden. Heißt: Schadhafter Beton wird per Sandstrahler entfernt und sofort wieder mit Reparaturbeton aufgespritzt, so dass immer genügend neue und alte Teilflächen gemeinsam die Tragfähigkeit gewährleisten. Technologisch ist das Verfahren nicht besonders schwierig, dafür logistisch umso mehr. Das Strahlgut und entfernter Altbeton müssen quasi in Echtzeit beseitigt werden, um die Geschossdecke, auf der bereits das 30 Tonnen schwere Innengerüst ruht, nicht zu überlasten.

Danach bringen die Arbeiter sechs bis acht Zentimeter breite Hölzer wie Meridiane an der Außenseite der Kuppel an, auf die wiederum eine Bretterschalung ge­schraubt wird.

Auf diese Holzschalung werden anschließend die neuen Kupferplatten geschraubt. Insgesamt wird diese zusätzliche Dämmung minimal auftragen – etwa zehn Zentimeter wächst die Kuppel also nach außen. Die neuen Kupferplatten kommen übrigens nicht kupferfarben aufs Dach – sondern vorpatiniert. Ein Hersteller be­arbeitet in Finnland die dünnen Bleche, um genau den bekannten, grünen Farbton zu treffen.

Im Innern der Kuppel wird ebenfalls vieles neu werden: Ein Kino soll wieder einziehen, allerdings bleibt das Gewölbe innen offen. Die bislang vorhandene Zwischendecke wurde für die Bauarbeiten entfernt und soll auch nicht mehr wiederkommen. Da­durch steht der Raum für Projektionen und Lichtgestaltungen offen. Früher wurde er als Planetarium genutzt. In Zukunft soll er nicht nur als Kino, sondern auch für Vorträge und Diskussionsabende zur Verfügung stehen.

Simon Polreich

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