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Meine Stadt Gläubige schockiert über Missbrauch
Hannover Meine Stadt Gläubige schockiert über Missbrauch
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00:16 11.11.2015
Bischof Heinrich Maria Janssen legte im Jahr 1965 in der Neubausiedlung Neuböseckendorf am Ortsrand von Angerstein (Niedersachsen) eine verschlossene Röhre in den Grundstein für die Gedenkkirche der Siedlung. Janssen soll während seiner Amtszeit einen Jungen sexuell missbraucht haben. Quelle: Archiv
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Es gibt diese Stille in Kirchen, die schön und irgendwie meditativ ist. Doch die Stille, die nach der Verlesung des Bischofbriefes durch Pfarrer Benno Nolte eintritt, ist eine Schockstille. Der hoch verehrte Bischof Heinrich Maria Janssen (†1988) - ein Kinderschänder. Einer, der in der Zeit zwischen 1950 bis 1960 einen jungen Messdiener missbrauchte. Die Gläubigen sitzen wie festgenagelt auf den Kirchenbänken.

Selbst das quengelnde Kind in der letzten Reihe in der Sankt Clemens Propsteikirche ist plötzlich ganz ruhig. Bis eine Frau aufsteht und geht. Vielleicht aus Protest, vielleicht, weil sie die furchtbare Nachricht nicht ertragen kann. Man weiß es nicht. Aber mit ihrem Weggang löst sie diese unheimliche Stille auf. Danach gibt es das Glaubensbekenntnis, es wird wieder gesungen, gekniet und gebetet. Doch für viele ist jetzt nichts mehr so wie vorher, so mancher, der sich an diesem Sonntag an diesem wirklich wunderschönen Ort erbauen lassen wollte, sucht jetzt Trost in der Heiligen Schrift. Oder bei seinem Nächsten.

„Mich hat er gefirmt“, erzählt Ansgar Teske. „das war mein Bischof, ich bin wie vorm Kopf gestoßen“. Der 59-Jährige steht nach dem Gottesdienst vor seiner Kirche, zieht an der Zigarette und sieht nicht besonders glücklich aus. „Das ist jetzt wirklich der Hammer“, sagt er, „auf so etwas wäre ich nie gekommen.“ Die Diskussion über eine Umbettung des Missbrauchtäters im Bischofsgewand befremdet ihn dann aber doch. „Man kann ja eine Informationstafel in der Gruft dazu anbringen.“

Andere Gottesdienstbesucher winken verstört ab, wollen sich sammeln, ihren Schock erst einmal verarbeiten. „Eine traurige Sache“, seufzt eine ältere Kirchengängerin vor dem Kirchenplatz. „Traurig“, sagt auch ihr Mann, den sie dann wegzieht. Ein weiteres Paar befürchtet, dass dieser erneute Missbrauchsskandal der Kirche ernsthaft schaden könnte. Aber: „Es ist gut, dass es an die Öffentlichkeit kommt, es ist gut, dass der Pastor den Brief verlesen hat und dass unsere Kirche offen damit umgeht. Nur so kann weiterer Missbrauch verhindert werden“, meint die Frau. „Wir kommen aus Polen, uns ist die Kirche wirklich heilig und wir bedauern es, wenn sie von solchen Menschen beschädigt wird.“

Massimo D‘All Asta war nicht im sonntäglichen Gottesdienst, sondern hat in dieser Zeit sein Eiscafé am Steintor geöffnet. Aber auch er ist als gläubiger Katholik betroffen, schließlich wurde auch er als Jugendlicher von Bischof Janssen gefirmt. „Ich war aber kein Messdiener, also nicht dicht an dem Mann dran“, so der 62-Jährige. D‘All Asta vermutet wie viele andere auch, dass es noch mehr Opfer gibt. „Solche Leute begnügen sich ja meist nicht mit einem“, glaubt er. Und hofft auf Mitgefühl für die Missbrauchsopfer. „Eine Katastrophe für alle, die solche Erfahrungen machen mussten.“

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